Stil

Funnel Neck Trend: Kragen hoch! – Stil | ABC-Z

Für sie: Schutzschichten

Im auslaufenden Winter ist er das It-Detail an Jacken und Mänteln: der Funnel Neck, zu Deutsch Trichterkragen. Was sich anhört wie das Plastikding, das frisch an den Hoden operierte Hunde um den Hals haben müssen, ist in Wahrheit das Schickste, was man als Mensch jetzt tragen kann. Der Clou ist, dass er gegen Zugluft hilft wie der Rollkragen, dem Träger aber Luft lässt. Und er spart einen Schal, dieses nervigste aller Winteraccessoires. Jetzt, wo der Frühling vor der Tür steht und man sich schon zu Käufen von leichten Teilen hinreißen lässt, die man noch sehr lange nicht anziehen kann, sollte man sich unbedingt auf den Trichterkragen konzentrieren. Denn er ziert neuerdings auch Hemden und Blusen, die man unter einer Pulloverschicht sofort anziehen kann.

(Foto: Getty Images)

Der Trend, den wir hier so schlicht und ergreifend auf dem Laufsteg von Bottega Veneta sehen, ist sogar schon bei Zara & Co. angekommen, was die Frage aufwirft, wie sich diese Kragenform so schnell durchsetzen konnte. Antwort eins: Die 80er-Jahre sind zurück in der Mode. Antwort zwei: In Zeiten, in denen Frauen immer extremere Sachen mit ihrem Körper machen, um jung zu wirken, wirkt nichts lässiger, als den faltigen Hals – und, wenn Laune schlecht, die ganze untere hängende Gesichtshälfte – einfach mit einem Stück Stoff zu umwehen. Dieser Kragen kann gar nicht hoch genug sein! Auch bei guter Laune bewegt er sich mit. Man schaut so als Frau also nie doof aus der Wäsche, wie zum Beispiel mit einem schiefgegangenen Facelift – sondern sagenumwoben aus dem Trichterkragen.

Für ihn: Wohlstandsverwahrlosung

Umgeschlagene Kragen sind inoffizielle Geschmacksverstärker einer männlichen Erscheinung, ähnlich wie aufgerollte Hemdsärmel oder die gelockerte Krawatte zu vorgerückter Stunde. Natürlich denkt man dabei nicht vorrangig an Hemden (und keinesfalls an Poloshirts!), sondern an den aufgeschlagenen Kragen eines Trenchcoat, der seinem Träger stets eine Nähe zu Humphrey Bogart, Agententhrillern und einsamen Wölfen beschert. Warum? Weil es im Film das einzige Anzeichen ist, dass Männer so was wie Kälte oder Einsamkeit empfinden, wenn sie sich den dünnen Kragen als Schutz hochziehen. Das einzige Zugeständnis an seine Gefühle!

(Foto: Getty Images)

Wenn nun mehrere große Luxusmarken, hier im Bild der Dior-Laufsteg, Jünglinge in unordentlichen oder halb aufgeschlagenen Hemdkragen und verdrehten Krawatten ablichten, hat das eine etwas andere Botschaft: Das Unordentliche im Ordentlichen ist sexy. Männer sehen damit ein bisschen aus wie frisch geprügelt oder als kämen sie von einem stürmischen Date. Vielleicht sind sie aber auch nur liebenswerte Chaoten aus gutem Elternhaus, die in die Welt stürmen, ohne noch mal in den Spiegel zu schauen? Welche Variante auch immer der Betrachter erkennt – sie alle unterstreichen einen menschlichen Aspekt, der gerade der formalen Herrenmode gelegentlich abgeht. Es wird aber im Zeitalter von KI und Robotik, ein wichtiger Soft Skill werden, ein bisschen liebenswert derangiert auszusehen, weil einen das von der Perfektion der Maschinen abhebt. Das bedeutet keinen Freifahrtschein für gemütliche Verwahrlosung, sondern gezielte Pointen – von Menschen für Menschen.

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