Führung verspielt, seltsame PK: Eintracht Frankfurt und Riera erzeugen Kopfschütteln | ABC-Z

Eintracht Frankfurt zeigt gegen den 1. FC Köln eine ansehnliche Leistung und bringt sich dann um den Lohn. Für die größte Verwunderung sorgt jedoch wieder einmal die Sichtweise von Trainer Albert Riera.
Seit Albert Riera das Sagen bei Eintracht Frankfurt hat, besteht ein Fußballspiel aus weit mehr als 90 Minuten. Klar: Entscheidend ist auch unter dem spanischen Trainer weiter auf dem Platz. Das, was von diesem Ostersonntag hängen bleibt, ist eine verspielte Zwei-Tore-Führung und ein letztlich gerechtes 2:2 der Hessen gegen den 1. FC Köln. Um die Gemengelage bei der Eintracht im Frühjahr 2026 richtig einzuordnen, darf aber auch die Pressekonferenz von Riera nicht unerwähnt bleiben.
Der 43-Jährige pochte nach der erneuten Enttäuschung darauf, weiter Positivität zu verbreiten und hob dabei immer wieder die Komplexität seiner Aufgabe bei der Eintracht hervor. Riera erinnerte daran, dass im Fußball immer die Gegenwart entscheidend sei und bog dann in Richtung Vergangenheit ab. Die Mannschaft, die er von Vorgänger Dino Toppmöller vor rund zwei Monaten übernommen hatte, sei zu diesem Zeitpunkt defensiv die schlechteste Mannschaft Europas gewesen. “Hier war Ängstlichkeit, Enttäuschung, Frustration.”
Riera erinnert an Komplexität seiner Aufgabe
Er selbst wisse nun ganz genau, was zu ändern sei. Eine Prognose, wann die Eintracht den Riera-Fußball verinnerlicht habe, und seine Lösungen fruchten könnten, gab er aber nicht ab. Grund dafür: “Ich habe hier am 1. Februar angefangen, das ist der schlechteste Tag für einen Trainer. Das Transferfenster ist zu, ich hatte keine Vorbereitung und dann direkt ein Spiel.” Als Ausrede sei das alles zwar nicht zu verstehen. Wie schon nach der Niederlage in Mainz ließ Riera aber durchblicken, dass der Kader nicht seinen Vorstellungen entspricht. “Ich muss die Spieler, die wir haben, besser machen.”
Nun ist Riera sicher nicht dazu verpflichtet, nach Partien Rechenschaft abzulegen. Dass er erneut vorgab, er hätte bei seiner Ankunft in Frankfurt einen am Boden liegenden Trümmerhaufen vorgefunden, der auch unter seiner Regie gegen Gegner wie Mainz 05 oder Köln qualitativ an Grenzen stoße, verwundert dann aber doch sehr.
Gleichzeitig scheitern seine Versuche, den Status quo anhand von Fakten gut aussehen zu lassen, regelmäßig an der Realität. Nach der Niederlage in Mainz behauptete Riera fälschlicherweise, in jedem Spiel (außer Bayern) mehr Chancen herausgespielt zu haben. Nun zählte er auf, dass die Eintracht nur gegen Bayern, Mainz und Union nicht gewonnen habe. Das torlose Remis auf St. Pauli blieb dabei unerwähnt. Ob Absicht oder Versehen: Mit Aussagen wie diesen trägt der Spanier nicht zu mehr Glaubwürdigkeit bei. Sein Auftreten bleibt ein Mysterium.
Die Eintracht-Offensive funktioniert
Und damit wäre dann der Bogen zum Geschehen auf dem Rasen gespannt, auch dieses gibt nämlich weiterhin Rätsel auf. Gegen den 1. FC Köln, das soll und darf auf keinen Fall untergehen, zeigte die Eintracht zunächst eine der aufregendsten und unterhaltsamsten Leistungen dieses Jahres. Die in den vergangenen Spielen ideenlose Offensive löste endlich einen Teil der Fesseln und zeigte durchaus Ansehnliches. Ein Tor gelang in der ersten Hälfte zwar nicht. Der Plan von Riera war aber erkennbar.
Da die Eintracht ganz offensichtlich die rechte Kölner Abwehrseite als verwundbar ausgemacht hatte, agierte Unruheherd Arnaud Kalimuendo dieses Mal als linker Flügelstürmer. Ansgar Knauff, nominell eher rechter Schienenspieler, fungierte bei Ballbesitz als sein Pendant. Nathaniel Brown und Ritsu Doan besetzten bei Ballbesitz die Räume zwischen den Ketten, Oscar Höjlund und Hugo Larsson wechselten sich in offensiver und defensiverer Rolle in der Zentrale ab. Das alles kann man nun geordnetes Chaos oder chaotische Anordnung nennen. Das Wichtigste aber: Es funktionierte.
Sicher: Die Eintracht lud die Kölner durch ihre veränderte Spielweise immer wieder zu Kontern ein, die Gäste verdaddelten in den ersten 45 Minuten gleich mehrere gute Umschaltmöglichkeiten. Da die Hessen aber auch nach dem Seitenwechsel gefährlich blieben und durch die Einwechslungen von Fares Chaibi und Ayoube Amainouni-Echghouyab sogar noch gefährlicher wurden, ging die Idee von Riera kurz später auf. Erst sorgte Jonathan Burkardt in Mittelstürmer-Manier für die Führung (66.), dann legte Kalimuendo sogar noch einen nach (69.).
Koch kritisiert: Wir waren zu wild
Was dann geschah, zeigte zum einen, wie fragil diese Eintracht weiterhin ist. Zum anderen stellt sich die Frage, nach den oder dem Verantwortlichen. Rieras Erklärung, wonach sein Team in der zweiten Hälfte einfach zu viele Zweikämpfe verloren und deshalb den Sieg verspielt habe, ist in der Endabrechnung sicher nicht falsch. Ohne verlorene Mann-gegen-Mann-Duelle gäbe es keine Gegentore. Die Treffer von Jakub Kaminski (70.) und Alessio Castro-Montes (83.) wären sicher an irgendeiner Stelle des Spielfelds zu verteidigen gewesen.
Der sichtlich angefressene Kapitän und Abwehrchef Robin Koch ging bei seiner Analyse jedoch etwas mehr ins Detail und ließ dabei tief blicken: “Wir hätten nach dem 2:0 die Ruhe bewahren und die Kontrolle behalten müssen. Wir waren aber zu wild”, fasste er zusammen.
Einer Nachfrage, von wem der Impuls für mehr Stabilität und eine etwas weniger riskante Spielweise hätte kommen können, wich Koch dann aus. Da sein Trainer wenige Minuten später aber verriet, dass Koch nach dem zweiten Tor bei ihm vorstellig geworden war und sich nach der Möglichkeit einer veränderten Herangehensweise erkundigt hatte, wird die Sache schnell klarer. “Robin hat gefragt, ob wir weiter so spielen. Ich sagte: ‘Ja, weil so haben wir zwei Tore geschossen.'” Riera wollte mehr, Koch hätte sich offenbar mehr Kompaktheit gewünscht. Der Rest ist bekannt.
Hätte, Wenn und Aber…
Nun gehören unterschiedliche Sichtweisen und verschiedene Meinungen zum Fußball dazu. Es gibt zudem keine Garantie, dass die Eintracht auch im Rückwärtsgang nicht noch zwei Gegentore kassiert hätte. Klar ist aber, dass die Hessen auch unter Riera weiter auf der Suche nach der richtigen Balance zwischen Abwehr und Angriff sind. Entweder geht nach vorne nix oder hinten brennt es lichterloh. Eine Lösung ist nicht in Sicht.
Für Trainer Riera scheint das aber alles halb so wild zu sein: “Es gibt auch Positives, nicht nur Negatives”, stellte er am Ende seiner Ausführungen noch einmal klar und versuchte sich zur Veranschaulichung an einer gewagten Konjunktiv-Konstruktion. “Wenn wir gewonnen hätten und kein Tor gefangen hätten, hätten wir heute einen Rekord aufgestellt.” Egal, was Riera auf Englisch auch sagt: Es kommt einem irgendwie Spanisch vor.





















