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Freising feiert „Tag des Bieres“ und Reinheitsgebot – Freising | ABC-Z

Freising ist eine Bierstadt, und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Auf dem Weihenstephaner Berg hat nicht nur die älteste Brauerei der Welt ihren Sitz, seit mehr als 160 Jahren wurden und werden hier an den Hochschulen und ihren Vorläufern Brauer ausgebildet. Nicht ganz so lange gibt es den „Tag des Bieres“ in der Innenstadt, aber auch er ist seit seiner Premiere 2001 zu einer schönen Tradition geworden. In diesem Jahr fällt er auf exakt den Tag, an dem 1516 das Reinheitsgebot verkündet wurde – auch wenn das in Freising erst sehr viel später eine Rolle spielte.

Auf dem Marienplatz wird der Gerstensaft am Donnerstag, 23. April, von 15.45 bis 21 Uhr gebührend gefeiert, allerdings nur bei gutem Wetter. Einen Ersatztermin gibt es nicht. Für den scheidenden Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher ist es die letzte öffentliche Veranstaltung seiner Amtszeit – und das letzte Fass, das er in dieser Funktion anzapfen wird. Auch in diesem Jahr wird der Herold gegen 15.45 Uhr in die Stadtmitte einziehen, diesmal von der Oberen Hauptstraße kommend, und das Reinheitsgebot verkünden. Diese Aufgabe übernimmt hoch zu Ross wieder Alexander Nadler. Begleitet wird er von der Stadtkapelle und Studentenverbindungen.

Bier schenken die beiden Freisinger Brauereien, die Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan und das Gräfliche Hofbrauhaus Freising aus. Dazu gibt es Live-Musik und ein unterhaltsames Programm, zudem das Masskrugschieben, wie Stefan Klopfer, Leiter des Ordnungsamts, ankündigte. Das Glas Bier kostet drei Euro. Natürlich gibt es auch alkoholfreie Getränke. 50 Prozent des Erlöses werden gespendet, in diesem Jahr geht die Summe an den Hospizverein.

Die Vorfreude bei allen Beteiligten ist groß. Der „Tag des Bieres“ sei der Start in die Biersaison draußen, sagte Anne Stühler aus dem Marketing-Team der Staatsbrauerei Weihenstephan. „Das ist ein wunderschönes Fest.“ Besondere Erinnerungen verknüpft OB Eschenbacher mit der Feier. Es sei die erste Veranstaltung nach der Pandemie gewesen, die wieder stattgefunden habe. „Das war bombastisch.“

Freuen sich auf den „Tag des Bieres“: Festreferent Anton Frankl, Ernst Ussar vom Gräflichen Hofbrauhaus, Ordnungsamtsleiter Stefan Klopfer, OB Tobias Eschenbacher sowie vorne Ludovica Schrädler und Anne Stühler von der Staatsbrauerei Weihenstephan (von links). Stadt Freising

So tief verwurzelt die Braukultur in Freising ist – das vor 510 Jahren erlassene Reinheitsgebot hatte hier erst einmal keine Auswirkungen, denn die im Hochstift gelegenen Brauereien waren nicht an die bayerische Landesordnung gebunden. Als reichsunabhängiges geistliches Reichsfürstentum gehörte es damals politisch-rechtlich nicht zu Bayern, wie Stadtarchivar Florian Notter erklärt. Erst mit der Säkularisation 1802/03 wurden die Gebiete des Hochstifts und somit die Stadt Freising bayerisch.

Allerdings beachtete man auch in den bayerischen Landesteilen nicht überall die Vorgaben. Noch im 16. Jahrhundert gab es laut Notter einzelne Verordnungen, die dem Gebot eindeutig widersprachen. So seien teils andere Braustoffe zugelassen worden, darunter Wacholder oder Lorbeer.

Der Kult um das „bayerische Reinheitsgebot“ als „Lebensmittelgesetz“ sei stark vom Marketing der bayerischen Brauer gelenkt, erklärt der Historiker, und „entspricht in mancherlei Hinsicht nicht der historischen Wirklichkeit“. Das alles kann die Freude am „Tag des Bieres“ in Freising nicht trüben, vorausgesetzt, das Wetter spielt mit.

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