Freie Laichwege für bedrohte Fischarten in der Isen – Erding | ABC-Z

Die Isen, östlich von München im Landkreis Erding, gilt als seltenes Juwel eines Fließgewässers, das immer noch mäandern darf, Totholzbereiche und Kiesbänke aufweist. Doch auch sie wurde verbaut und zerschnitten durch Wehre und Schwellen, frühere Laichwanderungen von Nasen, Barben oder Bachforellen können kaum noch stattfinden. Das Wasserwirtschaftsamt (WWA) München will in Kooperation mit den Treibwerksbetreibern von der Marktgemeinde Isen bis zur Landkreisgrenze Mühldorf auf 30 Kilometern Länge einen durchgängigen Fluss wiederherstellen. Dabei handelt es sich um ein einmaliges Pilotprojekt in Bayern, das auch vom World Wildlife Found (WWF) gefördert wird. Der interessierten Öffentlichkeit wurde das Vorhaben nun im Jakobmayersaal in Dorfen vorgestellt.
Das Projekt, an dem das WWA seit etwa zwei Jahren arbeitet, trägt den Namen „FreiflIsen“. Der Anstoß dazu kam aus Dorfen: Die Müllerfamilie Holzner, die seit 500 Jahren an der Isen eine Mühle betrieben hat, von der aber nur noch ein kleines, unrentables Wasserkraftwerk geblieben ist, wollte ihre Wasserrechte aufgeben und ihr altes Wehr im Stadtteil Niederham abreißen.
Das WWA wurde hellhörig und begann zu recherchieren: 15 Triebwerksbetreiber gibt es in diesem Abschnitt der Isen noch und fast überall ergab sich ein ähnliches Bild. Die alten Mühlen und Sägewerke hatten ausgedient und die kleinen Wasserkraftwerke brachten nicht viel Ertrag. Im März vergangenen Jahres lud das WWA alle Eigentümer dieser Wasserkraftanlagen nach Lengdorf ein, um mit ihnen das Projekt zu besprechen. Die Resonanz sei sehr positiv gewesen, auch die Begehungen vor Ort haben bereits stattgefunden, sagte der Leiter des Wasserwirtschaftsamtes, Stefan Homilius. Insgesamt sollen auf dieser Strecke 15 Wasserkraftanlagen und 14 Wehre durchgängig gemacht werden, hinzu kommen noch 21 staatliche Sohlenbauwerke. Wo ein Abriss nicht geeignet ist, sollen Fischtreppen und Umgehungsgerinne entstehen.
Unterstützt wird das Vorhaben vom WWF: Die Foundation beteiligt sich finanziell an den Planungen und trägt die Kosten eines Films, der die Umsetzung begleitet. Premiere des ersten Teils war bei der Infoveranstaltung in Dorfen, auch auf Youtube ist er nun zu sehen: FreiflIsen – die Vision eines freien Flusses. Der Film zeigt die Isen in ihrer Schönheit und die alten Mühlen, auch Franz Holzner und sein Sohn Franz erzählen aus der Vergangenheit ihres Familienbetriebs.
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Begleitet wurde die Veranstaltung von Fachvorträgen, des WWA, des Landesamtes für Umwelt (LfU) und des Landesfischereiverbandes. Die Fischer kümmern sich um das Fischmonitoring, das LfU untersucht regelmäßig die Bestände des Steinkrebses im Oberlauf, einer sehr seltenen Krebsart, von der es nur noch 30 Vorkommen in ganz Bayern gibt.
Sigrun Lange vom WWF Deutschland sprach über den massiven Rückgang der Fischarten, weil deren Lebensräume eingedeicht und fragmentiert wurden. Hinzu komme die Belastung durch intensive Landwirtschaft und den Klimawandel. „In Bayern sind von den 75 Arten bereits neun ausgestorben und weitere 31 sind gefährdet oder vom Aussterben bedroht.“ 56 640 Querbauwerke würden die Flüsse und Bäche in Bayern durchschneiden, „im Schnitt steht alle 500 Meter eine Barriere im Fluss“.
Katharina Wilhelm, Projektleiterin FleiflIsen beim WWA, erläuterte, warum sich die Isen besonders für dieses Projekt eigne: Es gebe in ihrem Amtsbezirk kaum noch einen Fluss, der so naturnah erhalten sei: mit Totholz, unverschlammten Kieslaichplätzen, Buhnen und Störsteinen. Katharina Amann vom Landesfischereiverband ergänzte, in der Isen würden Fischarten wie Bachforelle, Äsche, Mühlkoppe, Barbe, Nase, Aitel und Hasel leben. „Das sind weit wandernde Arten, die zum Teil bis zu 200 Kilometer schwimmen.“ Die Voraussetzungen für das Projekt seien hervorragend, konstatierte Amann. „Sie haben ein sehr besonderes Gewässer, ein Juwel vor der Haustür.“





















