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Frauenstreik in Moosburg: Demonstration für Anerkennung der Care-Arbeit – Freising | ABC-Z

Innerhalb weniger Wochen haben sich Tausende Menschen im „Töchterkollektiv“, einer neuen feministischen Bewegung, zusammengeschlossen. Erste Aktion ist an diesem Montag, 9. März, ein bundesweiter Frauenstreik. Arbeitskampf im eigentlichen Sinn ist das keiner, niemand wird also vor verschlossenen Einrichtungen stehen. Mit dem politischen Aktionstag wollen die Frauen das Bewusstsein dafür schärfen, wie viel Care-Arbeit, bezahlt und unbezahlt, sie leisten. Einer der Schwerpunkte in der Region liegt in Moosburg, um 16 Uhr beginnt eine Demonstration auf dem „Plan“ in der Stadtmitte. Ein Gespräch mit Organisatorin Susanne Kerscher, 55, die selbst im Bereich soziale Arbeit tätig ist und inzwischen 30 Mitstreiterinnen und Mitstreiter an ihrer Seite weiß.

SZ: Beim internationalen Frauentag am 8. März bekommen Frauen als Anerkennung traditionell rote Rosen oder Nelken. Einen Tag später ruft das „Töchterkollektiv“ zum Frauenstreik auf. Warum diese Zuspitzung?

Susanne Kerscher: Sie sagen es ja, beim internationalen Frauentag gibt es einmal im Jahr rote Rosen, wie am Muttertag, und Frauen werden dafür gelobt, dass sie Care-Arbeit leisten. Wir wollen einfach zeigen, wie viel wir tun, wie viel auch unbezahlt gemacht wird. Wenn tatsächlich alle mal, wie 1975 in Island, die Arbeit und vor allem auch die unbezahlte Car-Arbeit niederlegen, würde alles zusammenbrechen. Es fängt damit an, dass über Nacht Büros sauber gemacht werden, Menschen in Heimen und Krankenhäusern oder zu Hause gepflegt, Kinder betreut werden. Es geht darum, dass Care-Arbeit besser anerkannt wird. Die meisten Berufe, in denen hauptsächlich Frauen arbeiten, sind schlechter bezahlt. Je mehr Frauen in eine Sparte hineinkommen, desto niedriger werden die Gehälter.

Etwa 47 Prozent der Erwerbstätigen sind Frauen. Viele wollen oder müssen Teilzeit arbeiten, weil sie kleine Kinder haben oder Angehörige pflegen. Bei Verdienst und Rente bedeutet das erhebliche Abstriche. Bleibt das ein unlösbares Dilemma?

Das ist eigentlich Sache der Politik, da kreativ zu sein. Es gäbe natürlich Möglichkeiten, die Zeit, in der ich Kinder betreue oder Angehörige pflege, nicht nur zu einem kleinen Teil, sondern voll anzurechnen. Es geht uns aber nicht nur um die Arbeit, es ist im Prinzip ein sehr weites Feld. Die Istanbuler Konvention zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und marginalisierte Gruppen wird nicht umgesetzt. Es gibt kaum Schutzräume und Zufluchtsorte.

Ändert sich die Aufteilung der Care-Arbeit zu Hause, wird sie in den Familien gerechter aufgeteilt als früher?

Da gibt es mittlerweile zwei Stränge. Die einen fordern das sehr stark ein und sind viel mutiger als unsere Generation. Zum Teil geht es aber auch komplett in die andere Richtung und die Frauen tappen in die Tradwife-Falle. Das aber macht sie komplett abhängig von ihrem Mann. Wenn sich in der Beziehung etwas verändert, wenn sie sich verändern, kommen sie da nicht mehr raus. Das ist der gefährliche Punkt daran.

Wie lief das bei Ihnen, als die Kinder klein waren?

Wir haben das ganz gut hingekriegt. Wir haben immer geschaut, dass einer von uns bei den Kindern zu Hause ist. Wir haben das aufgeteilt und waren immer beide für die Kinder ansprechbar. Aber das Privileg hat nicht jeder.

Was soll der Frauenstreik bewirken?

Generell ist das Ziel, Sichtbarkeit und gesellschaftlichen Druck zu erhöhen, um Veränderungen zu erwirken. Es soll keine einmalige Aktion sein. Die zentralen Forderungen an Politik und Gesellschaft sind Gleichstellung, Schutz vor Gewalt, Anerkennung von Care-Arbeit, soziale Absicherung und politische Teilhabe. In den Köpfen muss etwas passieren. Wenn eine Frau mit ihren Kindern am Spielplatz ist, gilt das als normal. Wenn das ein Mann macht, heißt es: Toll, da kümmert sich ein Vater um seine Kinder. Da wird immer noch mit zweierlei Maß gemessen.

Befürchten Sie nicht, dass das nur wieder eine symbolische Aktion bleibt?

Das Töchterkollektiv hat bereits angekündigt, dass es Folgeaktionen geben wird. Die Energie soll nicht verpuffen, wir wollen schon versuchen, etwas zu bewirken. Auch Mikroaktionen bringen etwas. Wer nicht auf den Streik gehen kann, weil man arbeiten muss, einen Angehörigen nicht allein lassen kann oder Repressalien zu erwarten hat, kann sich mittags einfach mal fünf Minuten hinsetzen und vielleicht mit jemandem reden.

Was ist konkret in Moosburg geplant?

Es sind viele interessante Rednerinnen dabei, darunter eine ehemalige Gewerkschafterin und eine Geschäftsführerin. Das Gymnasium zeigt einen Ausschnitt aus dem Musical „Made in Dagenham“, das einen Streik von Ford-Nähmaschinenarbeiterinnen thematisiert. Es gibt Infostände, in einer Letterbox kann man aufschreiben, was man sich von seiner Stadt wünscht.

Aktionstag Frauenstreik am Montag, 9. März: Demonstration in Moosburg „Auf dem Plan“, 16 Uhr. In Ismaning zeigt das Bündnis „Ismaning bleibt bunt“ den Film „Der Tag ohne Frauen“, Hauptstraße 17, 19 Uhr.

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