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Frankreich: Regierung schreibt Briefe an junge Franzosen – bitte denkt über euren Kinderwunsch nach – Panorama | ABC-Z

Noch feilen sie an den Formulierungen, jedes Wort will abgewogen sein. Im Sommer bekommen alle Franzosen, die in diesem Jahr 29 Jahre alt werden oder wurden, einen Brief vom Gesundheitsministerium, in dem sie aufgefordert werden, sich doch jetzt mal zu überlegen, ob sie ein Kind zeugen wollen – oder nicht, natürlich. Die Regierung will ja nicht paternalistisch klingen, nur sensibilisieren. Aber ob das auch gelingt? Warum gerade 29? Und vor allem: Macht man eher Kinder, wenn die Regierung einen Brief schreibt?

Frankreich und seine bébés, das war lange Zeit eine Boomgeschichte, einzigartig in der westlichen Welt. Die französische Bevölkerung wuchs, der Sold zwischen Geburten und Todesfällen war immer positiv. Nun aber folgt auch Frankreich dem internationalen Trend, die Geburtenrate geht zurück. Zum ersten Mal überhaupt seit dem Zweiten Weltkrieg sind 2025 in Frankreich weniger Kinder geboren worden als Menschen starben. Und so bangen die Franzosen um das Gleichgewicht ihres schönen Sozialstaates. Prekär ist die Finanzierbarkeit jetzt schon: Die Staatskassen sind leer, hohe Schulden lasten auf dem Land.

Macron wünscht sich eine „demografische Wiederaufrüstung“

Vor zwei Jahren sprach Frankreichs Präsident Emmanuel Macron davon, dass die Republik eine „demografische Wiederaufrüstung“ brauche. Sein martialischer Begriff gefiel nicht allen. Nun suchen sie nach einer passenderen Sprache für diesen Brief. Stéphanie Rist, die Gesundheitsministerin, sagte neulich, es gehe nur darum, den Menschen rechtzeitig zuzurufen, sie sollten es sich früh und gut überlegen mit dem Kinderwunsch. „Damit sie dann nicht einmal sagen müssen: Hätten wir das nur gewusst.“

Es geht hier also in erster Linie um eine Erinnerung an die viel bemühte biologische Uhr, die ab 25, wie die Franzosen nun wieder von Experten erklärt bekommen, schneller tickt. Immerhin sollen in dem Brief alle angesprochen werden, Französinnen und Franzosen, das ist ein Fortschritt. Früher war es so, dass der Staat so tat, als sei das Kinderbekommen vor allem eine Sache der Frauen. Bei mangelndem Kinderwunsch wurde ebenfalls beinahe reflexhaft auf die Frauen gezeigt. Vor allem von rechts.

Die Kapazitäten, um Ei- und Samenzellen einzufrieren, sind noch knapp

Warum 29? Das hat offenbar keine besondere Bewandtnis, außer dass 29 knapp vor 30 kommt, einem imaginären Demarkationsalter.

Frankreich will nun auch zehn neue Orte einrichten, wo Bürger ihre eingefrorenen Ei- und Samenzellen für eine spätere Befruchtung aufbewahren können. Das ist in Frankreich seit 2021 möglich. Allerdings sind die Kapazitäten noch zu knapp, das soll sich ändern. So viel zur Fruchtbarkeit. Aber das ist höchstens die halbe Geschichte. Wenn man die Franzosen fragt, warum sie weniger Kinder machten, sagen die meisten, sie könnten es sich nicht leisten, die wirtschaftlichen Perspektiven hielten sie davon ab. Es mangele auch an Plätzen in den Kitas, an angemessener Elternzeit, an zinslosen Darlehen für den Wohnungskauf. Auch darüber soll das Parlament nun reden, ein interner Bericht rät zu einer „Revolution der Familienpolitik“.

Aber zunächst kommt jetzt mal ein Brief der Regierung, das ist billiger. Und wie fein er auch formuliert sein wird, er schreit: Françaises, Français, pflanzt euch fort, die Nation bittet darum!

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