Kultur

„In Ewiger Freundschaft: Ein Taunuskrimi“ im Zweites Deutsches Fernsehen: Diese Abrechnung mit der Frankfurter Verlagswelt zieht sich | ABC-Z

„Ich weiß, was du 1993 getan hast, und du weißt es auch“. So oder ähnlich beginnen Erpresserschreiben im Unterhaltungsliteraturgenre haufenweise. Gewöhnlich gehen sie bei Gestalten ein, denen wir ihr Dasein (Karriere, Wohlstand, Privatleben) nicht gönnen sollen. Man könnte durchaus meinen, dass es nichts Unterhaltsameres gibt, als den vom Glück ohne Verdienst Begünstigten beim Fallen zuzusehen. Auch die zehnte Verfilmung eines Nele-Neuhaus-„Taunuskrimis“ mit den Er­mittlern des Hofheimer Kommissariats Oliver von Bodenstein und Pia Sander begibt sich in entsprechende Instinktgefilde, deren Ziel allerdings weniger das Zurechtrücken der Gefühle Edelmut und Hochherzigkeit, sondern die ausgiebige Besichtigung von Rache, Schuld und Sühne ist.

Nele Neuhaus scheint es um eine persönliche Abrechnung zu gehen

Wobei einen neben vielen anderen Verdächtigungen im langen Lauf der zweimal neunzig Minuten von „In ewiger Freundschaft“ der Verdacht beschleicht, dass es der Autorin Neuhaus auch um persönliche Abrechnung geht – mit einer (Frankfurter) Verlagswelt und dem Feuilleton, die ihr Werk nicht so schätzen, wie sie es für angemessen hält. Dieser ZDF-Zweiteiler, in dem man vom Taunus recht wenig sieht, und wenn, dann durch Drohnenaufnahmen von Leuten, die nach Frankfurt pendeln, spielt im Milieu eines familiengeführten Traditionsverlags. Eines Literaturverlags, in dem anachronistischerweise nicht Betriebswirtschaftler das Sagen haben.

Freilich gibt es auch hier eine Zeitenwende. Der Patriarch (Manfred Zapatka) echauffiert sich mitten im Aufstand der Lektoren (nun ja, es geht mehr um einen Rausschmiss der elitären Programmleiterin), weil er um die Ausrichtung des Programms fürchtet. Soll etwa sein Nachfolger Carl (Golo Euler), angeblicher Fürsprecher der Seichtheit, nun ans Ruder? Wir reden allerdings nicht von Ereignissen wie weiland bei Suhrkamp. Denn hier hat die frühere Leitung des Verlags ein entschiedenes Faible für die französische Atlantikküste, was man durchaus als Hommage von Nele Neuhaus an den früheren Chef des S. Fischer Verlags, Jörg Bong, und seinen bretonischen Kommissar Dupin lesen mag.

Die Pflege kapriziöser Autoren

Wie auch immer die Insiderlage ist, je­denfalls wird die gerade von Verlagserbe Carl Winterscheid (Euler) entlassene Programmleiterin erst vermisst, dann ermordet im Wald gefunden. Sie stand, genau wie ihr Nachfolger, für die Betreuung ka­priziöser Autoren, denen man bei der Geburt jeden Worts zur Seite stehen muss. Solcher Hebammenkunst hat der junge Carl abgeschworen, er will den Verlag profitabel machen. Mit „Schmierfinken und Schund“, sprich: Liebesromanen und Krimis, wie der alte Verleger Henri (Zapatka) sich entrüstet, der mit seiner duldenden Frau Margarethe (Gaby Dohm) eine hochherrschaftliche Taunusvilla bewohnt.

Danach erwischt es den neuen, schwer alkoholabhängigen Cheflektor. Als mit Paula Roth (Katja Bürkle) auch dessen Ehefrau stirbt, schwant es Beteiligten, darunter Dorothea und Stefan Fink (Judith Engel und Rainer Sellien): Hier löscht jemand die Leben aller Mitglieder der Freundesclique „Die Ewigen“ aus, die 1993 auf der Insel Noirmoutier im Ferienhaus der Familie Winterscheid gemeinsam urlaubten und über Literatur diskutierten, bis Götz, der eigentliche Verlagserbe, ertrunken aufgefunden wurde. Sieben junge Leute, Studenten aus Frankfurt, die über Götz Zugang zur geistigen Elite bekamen, wie sie meinten, und zu Karrieren in der Verlagswelt, von denen sie vorher nur träumen konnten.

Dreißig Jahre und mannigfache Intrigen und Verbrechen später stehen Oliver von Bodenstein (Tim Bergmann) und Pia Sander (mit Kathrin von Steinburg die dritte Besetzung der Rolle) vor der Aufgabe, irgendwie vor die Lage zu kommen und die Überlebenden zu beschützen, wobei sie sich nicht nur mit Li­teraturagenten wie Maria Hauschild (Nicole Marischka), abgehobenen Wortdrechslern und verdrucksten Druckereibe­sitzern, son­dern auch mit dem sinistren Fak­totum der Winterscheids, Waldemar Bär (Martin Feifel), herumschlagen müssen. Wenn Feifel „Ich bin hier nur der Hausmeister“ sagt, ist selbstverständlich höchste Vorsicht geboten. Von Bodenstein muss sich darüber hinaus entscheiden, ob er seiner krebskranken Ex-Frau Cosima (Lisa Hagmeister) mit einer Leberspende das Leben rettet. Für den Pathologen Henning Kirchhoff (Alexander Beyer) immerhin läuft alles super. Der Ex-Mann von Pia Sander ist inzwischen nebenberuflich Bestsellerautor und schreibt über die Fälle, die man in Hofheim so löst.

Wer erzähltechnisch raffinierte Spiege­lei erwartet, kommt nicht auf seine Kosten. Regisseur Stefan Bühling und Autor Thorsten Näter sowie der Kamera von Felix Pflieger geht es vorlagengemäß um das Milieu und die Wendungen. Trotz vielfäl­tiger „Plot Points“ zieht sich der Untergang des Verlagshauses Winterscheid auch wegen der Unterforderung der Schauspieler ziemlich in die Länge.

In ewiger Freundschaft – Ein Taunuskrimi läuft am Montag und Dienstag, jeweils um 20.15 Uhr, im ZDF und im ZDF Stream.

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