Fördermittelaffäre der Berliner Union: Staatlich geförderte Hasspredigerin | ABC-Z

Maral Salmassi ist wohl die schillerndste Figur in der Fördermittelaffäre um die Berliner CDU, mit der sich derzeit ein Untersuchungsausschuss beschäftigt. In den sozialen Medien teilt sie heftig gegen „woke“ Linke und Muslime aus. Sie verachtet den Islam, den sie mit dem Nationalsozialismus vergleicht, Palästinenser:innen entmenschlicht sie zu „Pali-Orks“ – einem bösartigen Volk aus Fantasyromanen.
Aber auch linke und liberale Jüdinnen und Juden sind ihr schon länger ein Dorn im Auge. Den Philosophen Omri Boehm, den Journalisten Peter Beinart, die Gendertheoretikerin Judith Butler sowie die Genozidforscher Amos Goldberg und Raz Segal hat sie allesamt als „Token“ bezeichnet – also reine Alibijuden – und ihnen indirekt ihr Jüdischsein abgesprochen. Der mutmaßliche Grund: deren israelkritische Haltung.
Nun ist ein Tweet aus dem Februar 2025 von Salmassi aufgetaucht, in dem sie über den jüdischen Milliardär George Soros schreibt: „Soros ist und war immer ein Parasit.“ Dies sei eine „eindeutig antisemitische Aussage“, sagte der Grünen-Lokalpolitiker Daniel Eliasson der taz, der bei der kommenden Abgeordnetenhauswahl in Steglitz kandidiert. „Als Jude empfinde ich es als blanken Hohn, dass die Berliner CDU dieser Person 390.000 Euro für den Kampf gegen Antisemitismus zur Verfügung stellt.“
Auch in den sozialen Netzwerken hat die Äußerung Empörung ausgelöst. Der Autor Max Czollek sprach von einem „Antisemitismusproblem“, das es in Berliner CDU offenbar gebe. Schon länger reißt in der Fördergeldaffäre die Kritik nicht ab, dass die Berliner CDU Fördergelder an Träger vergeben habe, die zum Zeitpunkt der Geldvergabe gar keine Referenzen im Kampf gegen Antisemitismus besessen haben, während etablierte Initiativen und Vereine leer ausgingen – wohl, weil diese der CDU zu rassismuskritisch waren.
Die Zehlendorf-Connection
Maral Salmassi ist Gründerin des „Zera Institute“, das im Dezember 2024 ins Leben gerufen wurde. Darüber hinaus sitzt sie im Vorstand des CDU-Ortsverbands Berlin-Lichterfelde zusammen mit Christian Goiny, Haushaltspolitiker seiner Partei. Goiny steht unter Verdacht, dafür gesorgt zu haben, dass das bis dato völlig unbekannte Institut ohne inhaltliche Prüfung eine sechsstellige Summe an Steuergeldern erhielt – ausgezahlt von der Senatsverwaltung für Kultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Dieses unterstand zunächst dem Kurzzeitsenator Joe Chialo (CDU), bis im Mai 2025 Sarah Wedl-Wilson dessen Nachfolge antrat.
Insgesamt gingen 2 Millionen Euro an 27 Projekte, die sich gegen Antisemitismus richten sollen, von denen viele aber recht dubios sind. Die zweitgrößte Summe aus einem eigens eingerichteten Fördertopf für „Projekte von besonderer politischer Bedeutung“, die sich gegen Antisemitismus einsetzen sollen, erhielt das „Zera Institute“. Es bekam das Geld, obwohl es zu diesem Zeitpunkt weder über Eigenmittel noch über einschlägige Expertise oder Meriten auf diesem Feld verfügte.
Salmassi dagegen tritt schon länger in der Öffentlichkeit auf. Die gebürtige Iranerin hat auf Instagram 39.000 Follower, auf X über 46.000. Nach dem Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt im Dezember 2024 retweetete Elon Musk ein Video von ihr, das viral ging. Darin verbreitete sie ohne jeden Beleg die Verschwörungstheorie, der Attentäter sei gar kein rechtsextremer Islamhasser und Fan von Musk und der AfD, als der er sich im Netz darstellte, sondern in Wahrheit ein Islamist, der sich bloß verstellt habe.
Sympathien hegt Salmassi für Israel und die iranische Monarchie: der ehemalige Schah von Persien, Mohammed Reza Pahlavi, sei gar kein so übler Folterknecht gewesen, als der er von Linken im Westen und von iranischen Kommunisten dargestellt worden sei, meint sie, und sein Sohn Reza Pahlavi sei ein Hoffnungsträger.
Bisher kaum Aktivitäten
Bis Ende 2025 hatte das „Zera Institute“ nur ein paar ehemalige Techno-DJanes und Teilzeitmodels aus der Clubszene als Personal rekrutiert, wie das Magazin Spiegel recherchierte. Der Artikel schreckte Salmassi auf. In einer Pressemitteilung wies sie noch am Erscheinungstag die Vorwürfe zurück, witterte eine „Kampagne“ und unterschwelligen Sexismus und verwies auf einen „Expertenrat“, der ihr Institut berate und sie in ihren Augen über jeden Zweifel erhebt.
Dem Rat gehören die Publizistin Seyran Ateş an, der Hamburger CDU-Politiker Ali Ertan Toprak und Sigmount A. Königsberg, der Antisemitismusbeauftragte der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Alle drei nahmen im Dezember auch an zwei „internen Expertenrunden“ teil, die das „Zera Institute“ mit Fotos auf seiner Webseite dokumentiert. Diesem „Expertenrat“ scheinen Salmassis Hasspredigten gegen Linke, Muslime und Jüd*innen aber offenbar entgangen zu sein.
Ich würde Frau Salmassi empfehlen, selbst an Bildungsmaßnahmen gegen Antisemitismus teilzunehmen
Daniel Eliasson, Grüne
Die Vorwürfe gegen Salmassi hielten den Publizisten Ahmad Mansour und seinen Kompagnon, den ARD-Journalisten Oliver Mayer-Rüth, auch nicht davon ab, Salmassi Anfang Januar in ihren Podcast „Kaffee, extra schwarz“ einzuladen. Dort polemisierten alle drei gegen junge Mädchen, die aus religiösen Gründen ein Kopftuch tragen, und sprachen sich dafür aus, es an Schulen für unter 14-Jährige zu verbieten – so wie es die konservativ geführte Regierung in Österreich kürzlich verfügt hat.
Seit Jahresbeginn hat das „Zera Institute“ nun begonnen, erste öffentlichkeitswirksame Aktivitäten zu entfalten. Es lud eilig zu Workshops, Vorträgen und „Expertenrunden“ ein, zu „jüdischer Literatur“ und „radikalen Narrativen“ sowie zu Antisemitismus. „Ich würde Frau Salmassi empfehlen, selbst an Bildungsmaßnahmen gegen Antisemitismus und Verschwörungsideologien teilzunehmen, bevor sie sich die Leitung einer Einrichtung zur Antisemitismusprävention zutraut“, meint dagegen der Grünen-Politiker Eliasson. „Es braucht jetzt schonungslose Aufklärung darüber, ob weitere Personen mit solchem Gedankengut im Auftrag der Berliner CDU gefördert wurden.“





















