Foodtrend aus Japan: Neuer Player im Cheesecake-Game | ABC-Z

E s gibt Momente, da zweifle ich hart an meiner Kompetenz als Foodkolumnist. So habe ich erst neulich kapiert, dass ein klassischer deutscher Käsekuchen mit einem New York Cheesecake ungefähr so viel zu tun hat wie eine Tankstellenbulette mit einem Steak-Tatare.
Obwohl es doch so offensichtlich ist: Käsekuchen ist quarkbasiert, die Stücke sind ein wenig plump, ihr Inneres ist hellgelb und krümelig. New York Cheesecake hingegen ist filigraner und schneeweiß, man macht ihn aus Frischkäse, wodurch er cremiger schmeckt, fast ungebacken (was er aber nicht ist). Hätte man mir zwei Stücke auf einen Teller gestellt, ich hätte den Unterschied durchaus geschmeckt und gesehen. Aber unabhängig voneinander waren die Kuchen für mich schlicht gleich, es war eine Art kulinarische Gesichtsblindheit.
Inzwischen weiß ich: Es gibt viele, wirklich viele Möglichkeiten, Käse oder Quark zu backen und mit einem – oder auch keinem – teigigen Boden zu kombinieren. Sogar die alten Römer sollen schon Käsekuchen verspeist haben, Jahrtausende vor Erfindung des Kühlschranks. Aktuell sticht aus dieser fluffig-sahnigen Masse der New York Cheesecake besonders heraus, in den vergangenen Jahren bekam er allerdings Konkurrenz aus dem Baskenland, in Form des San Sebastian Cheesecake. Der ist äußerlich näher am deutschen Käsekuchen, im Innern aber Frischkäse-basiert und dank zahlreicher Eier fast schon puddinghaft. Zudem wird er ohne Boden gebacken, dafür so heiß, dass sich eine karamellisierte Kruste bildet.
Nun ist ein neuer Player aufgetaucht. Seit einigen Monaten gibt es einen Tiktok-Trend namens „Japanese Cheesecake“. Er gehört innerhalb von FoodTok in die Kategorie „ein simpler Rezepte-Hack mit Aha-Effekt zum Nachmachen“ (so wie einst die Feta-Pasta) und nicht zum „ein optisch krasses Produkt zum Nachkaufen“ (wie eins die Dubai-Schokolade).
Das Ergebnis schmeckt ziemlich geil
Dabei werden Kekse, idealerweise die karamelligen Biscoff-Kekse von Lotus – jeder kennt sie als einzeln in Plastik verpackte Beigaben zum Kaffee –, in griechischen Joghurt gesteckt und das Ganze über Nacht in den Kühlschrank gestellt. Die Kekse saugen so viel Feuchtigkeit auf, dass sie am nächsten Tag mit dem fettreichen Joghurt zu einer Creme verrührt werden können. Das Ergebnis schmeckt überraschenderweise ziemlich geil und tatsächlich nach Cheesecake, und zwar eher à la New York als à la Neu-Isenburg.
Der Trend ist real. Selbst im osterzgebirgischen Dippoldiswalde waren Biscoff-Kekse in zwei Supermärkten ausverkauft. Was bei alldem allerdings hinten runterfällt: Es gab ja schon vorher einen Japanese Cheesecake, er ist wesentlich komplexer in der Herstellung, auch hier spielen Frischkäse und Eier eine Rolle. Auf Fotos sieht er aus wie eine Mischung aus einem Kissen und einer Wolke, man möchte sich reinlegen und ihn dann langsam einatmen.
Ich hoffe, dieser wahre Japanese Cheesecake kommt auch irgendwann in Deutschland an. Dieses Mal bin ich bereit!




















