Wirtschaft

Deutschland muss Nähe zu Babiš suchen | ABC-Z

Andrej Babiš ist zurück, und in der EU geht die Angst um, dass mit den Tschechen ein weiterer Dominostein aus der proeuropäischen Reihe fallen wird. Unbegründet ist die Sorge nicht. Der eigensinnige Milliardär hat sie mit seinen Tiraden gegen Brüssel wie Kiew selbst befeuert und ließ sich von seinem Freund Viktor Orbán in dessen Lager ziehen.

Gefahr für die Demokratie?

Doch sollte man in seinem Fall genau hinsehen. Denn so berechtigt die Kritik ist: In vielen Punkten haben auch Babiš’ Gegner maßlos übertrieben, die ihn zur Gefahr für die tschechische Demokratie und das freie Europa stilisierten. Babiš war im Kern immer ein ideologiefreier Pragmatiker, der genau wusste, dass nicht nur die Interessen seines milliardenschweren Agrofert-Konzerns im Westen liegen, sondern auch die seines Landes.

Im Wahlkampf nutzte er zwar den Unmut über Ukrainehilfen für sich und befeuerte ihn weiter, ließ aber nie einen Zweifel an seiner Distanz zu Moskau. Am Ende hat Babiš immer auf eigene Rechnung gespielt, weshalb es längst nicht ausgemacht ist, dass er nun allein Orbáns Lied singen wird.

In Berlin sollte man dem (nebenbei fließend Deutsch sprechenden) Nachbarn daher besser die Hand ausstrecken, als ihn vorschnell abzuschreiben. Denn der hatte sich zwar mit Angela Merkel über deren Flüchtlingspolitik entzweit, seine innere Nähe zu CDU und CSU aber stets gerne betont.

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