Flavia Zaka: Das ist die First Lady Baden-Württembergs | ABC-Z

Der Einzug des Wahlsiegers Cem Özdemir in die Stuttgarter Staatsgalerie am Sonntagabend war glamourös. Flavia Zaka und Özdemir kämpften sich durch die jubelnden grünen Anhänger bis zur Bühne. Und am Ende seiner Rede an diesem historischen Abend für die grüne Partei und Baden-Württemberg sagte der 60 Jahre alte Özdemir: „Ob ich ein guter Ministerpräsident werde, das wird sich zeigen, dass meine Frau eine gute First Lady wird, das weiß ich schon jetzt.“
Und noch einmal jubelten die Anhänger, Flavia Zaka weinte vor Rührung, und vielleicht auch, weil nun eine gewaltige Last von ihr abfiel. Denn der grüne Spitzenkandidat und die 40 Jahre alte Kanadierin haben nicht nur einen dreimonatigen Dauerwahlkampf hinter sich, sondern das Paar hat sich erst vor einem knappen Monat in einer nächtlichen Sitzung im Tübinger Rathaus von Boris Palmer trauen lassen.
Palmer ist ein Glücksbringer für das Paar
Palmer – trotz seines Austritts aus der grünen Partei ein enger Freund und Weggefährte Özdemirs – ist in politischer und privater Hinsicht ein Glücksbringer für das Paar. Er vollzog die standesamtliche Trauung und er unterstützte den grünen Wahlkampf mit mehreren Veranstaltungen und Auftritten. Ohne Palmers Einsatz hätten die Grünen den Vorsprung von 27.000 Stimmen und damit den Vorsprung vor der CDU vermutlich nicht geschafft.
Flavia Zaka und Cem Özdemir lernten sich 2023 auf einer Party in Stuttgart kennen, ein Tag im Sommer, der das Leben Zakas völlig veränderte. Özdemir lebte damals schon länger von seiner ersten Frau getrennt, der Journalistin Pia Maria Castro. Heute sitzt Zaka manchmal mit ihrem Laptop im Vintage-Café „Zimt und Zucker“ in der Stuttgarter Innenstadt, liest deutsche Nachrichtenseiten und versucht zu verstehen, wo die Unterschiede zwischen der kanadischen Politik und der deutschen und dann noch der schwäbischen sind. Für Zugereiste und Außenstehende sind die deutschen Grünen mit ihren Milieus und Traditionen ja erst nach gründlicher Beschäftigung zu verstehen.
Flavia Zaka stammt aus einer albanischen Familie. Die verließ Albanien 1998 wegen des Bürgerkriegs. Die Mutter und der Vater sind Elektroingenieure, der Vater hatte eine Professur in Tirana inne. Die Familie wanderte nach Kanada aus. Sie war damals zwölf Jahre alt und sprach kein Englisch.
In kurzer Zeit lernte sie das Umfeld ihres Mannes kennen
Nach der Schule und dem Studium der Politik- sowie der Rechtswissenschaft erwarb sie 2021 einen juristischen Abschluss an der Universität Windsor in Ontario. Seit 2022 war sie als juristische Beraterin für verschiedene Nichtregierungsorganisationen in Kanada und anderen Ländern tätig, unter anderem für Terre des Hommes in Berlin und das Zentrum für Gerechtigkeit und Völkerrecht in Rio des Janeiro. Deutschland lernte sie während eines einjährigen Studienaufenthalts in Konstanz 2008 kennen. Über enge Freunde aus dieser Zeit kam es zur unvergesslichen Begegnung in Stuttgart.
Inhaltliche und intellektuelle Bezüge zwischen ihrem beruflichen Leben in Kanada und dem jetzigen in Deutschland sind vielfach: Da sind zum Beispiel der Klimaschutz und die Folgen des Urteils des Internationalen Gerichtshofs (IGH) hierzu. „Es interessiert, welche politischen Folgen und welche Aktivitäten sich aus diesem Urteil in einer Zeit ergeben, in dem der Klimaschutz und Wirtschaft oft als Gegensätze wahrgenommen werden“, sagte sie der F.A.Z.
In unfassbar kurzer Zeit lernte sie das politische und persönliche Umfeld ihres heutigen Mannes kennen. Es gelang ihr so gut, dass sie im Wahlkampf immer wieder versuchte, ihm auch Ratschläge zu inhaltlichen Schwerpunkten zu geben. Ganz nebenbei musste sie im vergangenen Sommer den Umzug von Berlin nach Stuttgart organisieren und den 60. Geburtstag vorbereiten.
Özdemirs Optimismus sei ansteckend
Im Frühjahr musste sie dann wegen des komplizierten deutschen Aufenthaltsrechts die Entscheidung über ihren künftigen Lebensmittelpunkt treffen: Toronto oder Stuttgart. Sie entschied sich für die Stadt der Dauerbaustellen und Brezeln, und natürlich für ihren in Bad Urach geborenen Partner: „Er hat die außergewöhnliche Fähigkeit, Spannungen und Intensität auszuhalten und dabei trotzdem geerdet, aufmerksam und zutiefst empathisch zu bleiben“, sagte sie der F.A.Z. Selbst in den schwierigsten Momenten bleibe er „im Grunde optimistisch“, das sei einfach ansteckend.
Erstmals gemeinsam öffentlich aufgetreten war das Paar auf einem Sting-Konzert auf dem Stuttgarter Jazz-Open. Während sie Jazz, Techno und Hip-Hop schätzt, freute sich ihr Mann und der künftige Ministerpräsident wie wahnsinnig über den überraschenden Besuch des Rappers Haftbefehl auf seiner Geburtstagsfeier im Dezember. Zaka wandert gern, meditiert und erkundet gern die interessanten Ecken Stuttgarts.
Als künftige First Lady wird sie die Rolle sicher ganz anders ausfüllen als Gerlinde Kretschmann. Sie engagierte sich für die Vesperkirchen oder Frauen im Ehrenamt. Zaka denkt über ihre Rolle noch nach: „Es ist aktuell noch zu früh, über meine Rolle als First Lady zu sprechen. Wenn ich die Region und ihre Menschen besser kennenlerne, wird sich mein Weg klarer abzeichnen.“ Zur Wahl des Ministerpräsidenten sind es noch ein paar Wochen.





















