Finale der Darts-WM: Luke Littler ist erneut Weltmeister – Sport | ABC-Z

Luke Littlers Kopf lief erneut rot an. Diesmal jedoch nicht aus Frust über das Publikum – wie nach dem Viertelfinale, als die Zuschauer seinen Kontrahenten angefeuert hatten –, sondern aus purer Freude über seinen zweiten Weltmeistertitel. Littler ist der erste Darts-Spieler seit dem Schotten Gary Anderson, dem Sieger in den Jahren 2015 und 2016, der seinen Titel verteidigen konnte. Seine Bilanz beim wichtigsten Turnier des Jahres im Londoner Alexandra Palace liest sich wie aus einem Märchen: Finalist 2024 mit 16 Jahren, Weltmeister 2025 mit 17 und nun Doppelweltmeister mit 18. Von seinen 20 Spielen im Ally Pally hat Littler nun 19 gewonnen. Nur das Endspiel 2024 verlor er gegen Luke Humphries. Als einzige Referenz in der Darts-Szene bleibt für den Engländer leidglich der einzigartige Landsmann Phil Taylor, dem es einst gelang, sagenhafte 16 WM-Titel zu gewinnen – beim ersten Triumph war der Großmeister 29 Jahre alt.
Wie Taylor zu besten Zeiten fegte auch Littler über seinen Finalgegner Gian van Veen hinweg. Er zerlegte den Niederländer mit 7:1 Sätzen. Der Finalsieg gelang ihm derart spielerisch, dass er bei der Pokalübergabe sogar die Kapazität für einen Siegerreim hatte. „The first time was so nice, I had to do it twice”, sagte Littler. Das erste Mal war so schön, dass ich es zweimal machen musste. Immerhin, aus Sicht der aktuell chancenlosen Konkurrenz, dürften die nächsten WM-Titel (three, four, five …) reimschematisch nicht mehr so attraktiv für Littler sein.
:Luke Littler und die nervigen Germans
Zwischen dem englischen WM-Titelverteidiger und dem deutschen Darts-Publikum kriselt es schon länger. Warum Fans aus der Bundesrepublik in der Szene wichtig sind – aber nicht zwingend beliebt.
Der Pfeilwurfregent erhält für seinen Erfolg die neue Darts-Rekordprämie von einer Million Pfund – eine der höchsten Preisgeldauszahlungen für einen WM-Sieg im Einzelsport. Da sich die Weltrangliste aus den Preisgeldern der letzten zwei Jahre zusammensetzt, ist Littler nun so weit enteilt, dass er in der nächsten Saison keinen einzigen Pfeil werfen müsste, um trotzdem die Spitze zu halten.
Die einzige wirkliche Gefahr für Littler im Endspiel ging von einer wiederholt während der Turniertage auftauchenden Wespe im fünften Satz aus. Das Insekt, vermutlich angelockt vom süßlich-stinkenden Geruch aus Alkohol, Schweiß und Fast Food, flog ihn bedrohlich an wie ein Darts-Pfeil. Littler wich aber geschmeidig aus und behielt auch hier die Übersicht. Er musste keinen Darts gegen die Wespe einsetzen – wobei ihm durchaus zuzutrauen gewesen wäre, sie im Flug zu treffen.

Das jüngste Finale der Darts-WM-Geschichte, auch van Veen ist erst 23 Jahre alt, war zugleich das letzte nach 18 Jahren in der West Hall, ehe das Turnier im kommenden Jahr innerhalb des Hauses in die Great Hall umzieht. Im Vorfeld des Matches zeigten sich die ehemaligen Spitzenspieler und heutigen Sky-Experten Wayne Mardle und John Part gegenüber der SZ noch uneins über den Ausgang. Mardle glaubte an einen Erfolg Littlers, den er derzeit „einfach für den besseren Spieler“ halte. Part hingegen tippte auf van Veen. Für diesen gehe es ausschließlich ums Gewinnen, während Littler angesichts der Titelverteidigung „mehr nachzudenken“ hätte. Einig waren sich Mardle und Part darin, dass es in jedem Fall ein „spektakuläres“ Finale werde, das einen würdigen Abschluss für die West Hall bilde, in der Part 2008 als erster Pfeilwerfer den Titel gewann.
Tatsächlich entwickelte sich der Spielverlauf entsprechend. Von Beginn an zeigten beide reihenweise Ausnahmewürfe: Van Veen holte sich das erste Leg, indem er den Restwert „127“ checkte. Nachdem er sich auch den ersten Satz geholt hatte, drehte Littler zunehmend auf. Er brachte trotz des Drucks von van Veen seinen Anwurf zum 1:1 durch – indem er die Pfeile sichtbar gereizt noch härter als sonst in den aus Sisalfasern bestehenden Füllstoff auf der Scheibe schmetterte. Der Dart zum Satz steckte so tief im Feld, dass Littler ihn kraftvoll rausziehen musste.

Seinen Lauf setzte Littler in den Sätzen drei und vier fort, die er sich jeweils souverän sicherte. Dabei gelang ihm sogar ein fulminantes „170er-Finish“ – das höchstmögliche Finish im Darts, bekannt als „Big Fish“. Passend dazu imitierte Littler die Angelbewegung zum Jubel. In dieser Phase trat ein, was van Veen vorab befürchtet hatte: dass er mit Littlers hoher Durchschnittspunktzahl nicht mithalten könnte. Mit am Ende 106 Punkten im Schnitt pro drei Pfeile hängte Littler seinen Kontrahenten, der auf nicht ganz 100 Punkte kam, in den einzelnen Legs immer wieder entscheidend ab. Van Veen hatte kaum Gelegenheiten, seine zuvor im Turnier guten Trefferquoten auf die Doppelfelder auszuspielen. Beide kennen die Stärken des anderen, seitdem sie einige Jahre gemeinsam auf der Nachwuchsserie der Professional Darts Corporation (PDC) gespielt hatten und sich zuletzt auch regelmäßig auf der Profitour begegnet waren.
Von den fünf Duellen im vergangenen Jahr konnte van Veen drei für sich entscheiden. Im Finale knüpfte er zwar von seinen Statistiken an seine bisherigen Turnierleistungen an, doch das reichte nicht, um auch nur in die Nähe von Littler zu kommen. Beim Spielstand von 1:4 hatte sich Littler bereits mehr als doppelt so viele Würfe auf die Doppelfelder erspielt wie van Veen, 32 zu 14. Ein solches Szenario hatte Mardle im Gespräch prophezeit. Littler schaffe es regelmäßig, einen „Gang hochzuschalten, um die großen Momente im Spiel zu gewinnen“, betonte er. Dies sei Kunst.
Die WM bleibt ohne „Ninedarter“
Als Littler mit fünf Satzgewinnen hintereinander davonzog, fühlte sich seine Darbietung für die Fans im Ally Pally wie ein Exhibition-Event an. Sie forderten ihn auf, das erste perfekte Leg dieser WM zu liefern, also mit nur neun Darts den Punktwert 501 auf 0 zu setzen. Mehrmals war Littler auf einem guten Weg, schaffte es letztlich aber nicht ganz. Auch sein Kontrahent kam der dafür vorgesehenen Prämie von 60 000 Pfund nahe. Van Veen spielte sechs perfekte Darts, ehe er dann im siebten Wurf die benötigte Triple-20 verpasste. Damit blieb die WM ohne sogenannten „Ninedarter“, insgesamt gelang dieses Kunststück in der Geschichte der Weltmeisterschaft überhaupt nur 16 Mal. Für van Veen wäre es die Möglichkeit gewesen, noch einmal ins Match zurückzufinden. Stattdessen ging auch dieses Leg und dadurch der gesamte Satz an Littler. Er lag nun de facto uneinholbar mit 6:1 vorne und benötigte nur noch einen Satz zum Titel.
Nachlässigkeit stellte sich aber selbst mit diesem Vorsprung bei Luke Littler nicht ein. Er holte sich die Sid-Waddell-Trophäe im nächsten Satz nach nicht mal an einer Dreiviertelstunde Spielzeit – mit einem Finish, bei dem er zustach wie eine Wespe: Er checkte 147 Punkte mit Würfen in die Triple-20, Triple-19 und Doppel-15.





















