FC Bayern München im Tunnel: Manuel Neuer fehlt wegen Verletzung | ABC-Z

Manche Themen aus dem Bayern-Kosmos erledigen sich über Nacht. Ob der in Newcastle lange torlose Nick Woltemade vielleicht im Sommer wieder ein Thema werden könne, wurde Max Eberl am Samstag gefragt. Zuletzt schwirrten Gerüchte durch die Welt, wonach Woltemade seinen Klub bald schon wieder verlassen könne.
Eberl parierte smart. Er wünsche ihm alles Gute, sagte der Sportvorstand des FC Bayern, und: Mal abwarten, womöglich ende die Torflaute ja bald. Gesagt, getan: Das Objekt früherer Begierde schoss wenige Stunden später ein Tor für Newcastle United. Und das Thema hatte sich erst einmal erledigt.
Der Bayern-Kader wirkt stabil, austrainiert und variabel
Es ist grundsätzlich Stoff für Regalmeter von Büchern, wer schon alles mit den Bayern in Verbindung gebracht wurde. Aber Eberl hatte nach diesem überzeugenden 3:0 bei Werder Bremen gar keinen Grund, einen langen Hals Richtung England zu machen – der Kader wirkt in diesen Winterwochen stabil, austrainiert und variabel wie selten.
Da konnten die Bayern nach dem Ausflug an die Weser mal richtig gute Laune haben, auch, weil die lahme Gegenwehr Trainer Vincent Kompany in der Schlussviertelstunde ermöglichte, allerhand auszuprobieren.
Das war allein daran abzulesen, dass die Kapitänsbinde von Manuel Neuer über Joshua Kimmich und Harry Kane zu Jonathan Tah wanderte. Neuer, 40 Jahre alt, klagte in der Pause über eine verhärtete Wade und ließ den 17 Jahre jüngeren Jonas Urbig zeigen, was er kann – er konnte den Schuss Romano Schmids Mitte der zweiten Halbzeit abwehren, was der Partie beim Stand von 2:0 (zweimal Kane) die letztmögliche Würze raubte.
Nichts Schlimmes beim Torwart-Veteran, entwarnte Kompany danach, vor den Spielen gegen Frankfurt und in Dortmund. Am Sonntag jedoch teilte der Verein die Diagnose mit: Muskelfaserriss in der linken Wade. Man müsse „vorerst“ auf Neuer verzichten, schrieben die Bayern. Und eine derartige Wadenverletzung ist gewöhnlich nicht nach zwei Wochen auskuriert, wenn das Duell mit Dortmund ansteht.
Kompany verteilte am Valentinstag viele Sträuße, lobte Lennart Karl, der den gesperrten Michael Olise auf der rechten Außenbahn kompetent ersetzte, und den Torschützen Leon Goretzka nicht nur für seinen Treffer zum 3:0. Nach teils komplizierten englischen Wochen wirkte Kompany gelöst über den Ertrag der vergangenen sieben Tage, als zweimal Dortmund drängelte, sein Team durch die Siege gegen Hoffenheim (5:1) und nun Werder Bremen aber den Kontakt verwehrte.
Dazwischen lag das 2:0 gegen Leipzig im Problem-Wettbewerb der vergangenen Jahre, dem DFB-Pokal. „Wir sind in diesem Tunnel. Die Hauptsache ist jetzt, dass wir immer weitermarschieren. Wenn die Mannschaft so drauf ist wie jetzt, dann können wir viel gewinnen“, sagte Kompany.
Jamal Musiala mischt wieder munter mit
Nach dem stressigen Sommer mit der Vereins-WM und Jamal Musialas schwerer Verletzung hatte mancher ja geunkt, der Bayern-Kader bestünde nur aus „zwölf Spielern“, werde also – wie so oft – im Frühjahr einbrechen, wenn langsam die Pokale verteilt werden.
Danach sieht es gar nicht aus. Musiala mischte am Samstagnachmittag im Weserstadion munter mit; ohnehin ist die Bankbesatzung stattlich – Dayot Upamecano blieb draußen. Dafür durfte mit Tom Bischof (20) das zweite Talent neben Lennart Karl auch noch ein paar Kreisel mitdrehen, als die Bayern etwas zu verspielt waren, um die Bremer gleich zu Boden zu schicken. Aus bayerischer Sicht erfreulich ist auch, wie eifrig und selbstverständlich Serge Gnabry defensiv mitarbeitete, was der famose Kane immer probiert.
Seine Saison-Treffer Nummer 25 und 26 hatten sich an diesem Nachmittag angedeutet, denn vom etwas nervösen Start weg war der Mittelstürmer präsent, holte sich Bälle, verteilte sie im Mittelfeld, war praktisch überall. Der verwandelte Elfmeter und das Tor waren die Serie.
„Ich gehe davon aus, dass ihm der Meistertitel wichtiger ist als der Rekord“, sagte Kompany später und lächelte frech, „aber vielleicht bin ich naiv, ich war Verteidiger und kein Stürmer.“ Bei 41 Treffern liegt Robert Lewandowskis Marke. Die plötzlich nicht mehr für die Ewigkeit gemacht scheint.
So präsentierte sich der FC Bayern anders als etwa vor zwei Wochen beim HSV als harmonisches Ganzes. Zusätzlich warme Worte Kompanys gab es für den scheidenden, diesmal spielbestimmenden Goretzka, Neuer-Stellvertreter Jonas Urbig und Lennart Karl, der in den digitalen Medien zuletzt Spott und Häme ertragen musste, weil er Real Madrid als Traumverein bezeichnete und gegen Hoffenheim über die Auslinie gedribbelt war.
„Er hat gar keinen Druck. Er soll nur machen, war er kann“, sagte Kompany und beschrieb ausführlich eine Szene, in der ihm das Defensivverhalten des Siebzehnjährigen gefallen hatte. Von Nick Woltemade oder anderen möglichen Sommer-Zugängen war da schon lange keine Rede mehr. Das allerdings ist ein Zustand, der im Bayern-Kosmos nicht lange anhalten muss.




















