Fatma Said und das Kammerorchester im Prinzregententheater | ABC-Z

Betroffene Stille im Prinzregententheater. Im Publikum macht sich allseits die Stimmung breit, einer Grablegung beigewohnt zu haben. Was ist geschehen? Eigentlich genau das: Fatma Said hat die Abschiedsarie „When I am laid in earth“ aus der Oper „Dido und Aeneas“ von Henry Purcell gesungen und die letzten Töne dieses hypnotischen Stückes berührend dahinscheiden lassen.
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von MKO
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Haydns Wahrhaftigkeit zaubrisch veredelt
Bei Fatma Said aber passiert regelmäßig das, was viele ihrer Kolleginnen und Kollegen nur versuchen können: Sie verschmilzt mit der Rolle bis zur Ununterscheidbarkeit. Erleichtert versichert man sich beim tosenden Applaus, dass sich die soeben Verflossene in Wirklichkeit bester Gesundheit erfreut.
In der Kantate „Arianna a Naxos“ von Joseph Haydn ist die Identifizierung mit einer weiteren mythologischen Frauenfigur, die von ihrem Geliebten sitzengelassen wird, schwerer. Der Komponist hat in diesem Quasi-Monodram auf Kantilenenseligkeit und Affektzitate weitestgehend verzichtet und stellt streng die dramatische Wahrhaftigkeit in den Vordergrund.

© Florian Ganslmeier
von Florian Ganslmeier
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Genau hier setzt Fatma Said an. Unerhört ist die Fülle von kurzen Gesten, die durch ein zauberisches Flautando veredelt werden, von subtilen Drückern, die selbst einzelne Töne beleben, und einer plastischen Deklamation, die momentweise bis zu einem stilisierten Sprechen reicht: all dies eingebunden in die pure Stimmschönheit dieses sanften, substanzvollen, ebenholzfarbenen Sopran.
Das Münchener Kammerorchester begleitet den vielgliedrigen Monolog unter den Händen von Stefano Montanari geschmeidig, was angesichts der zahlreichen Tempowechsel und Unterbrechungen durchaus kein Leichtes ist. Leider glättet die hier benutzte Orchestration die Kühnheiten des originalen Klavierparts, den Haydn oft zwischen Höhe und klobiger Tiefe aufspreizt. Auch irritieren die mitunter klebrige Phrasierung der Streicher und manche Schlieren in der Melodieführung, die dem gelernten Geiger Montanari in der Einstudierung kaum unabsichtlich unterlaufen sein dürften. Vor dem Schlussakkord der Dido-Arie fügt er eine übertrieben lang gehaltene Pause ein, sodass man glaubt, er wolle dem Stück sein Ende verweigern. Weder Purcell noch Haydn haben solche Effekte nötig.
Ein Ochester, fein wie ein Streichquartett
Stärker überzeugt, wie das Münchener Kammerorchester Carl Philipp Emanuel Bach spielt. In der Symphonie Nr. 1 aus der kleinen Sammlung Wq 183 wird durchgehend sorgsam artikuliert, nicht zuletzt von den fabelhaften Gast-Bläsern.

© Polyart
von Polyart
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Fällt hier passagenweise noch eine gewisse Widerstandsarmut des fast zu gut geölt laufenden Apparates auf, hat solcher Oberflächenglanz bei Dmitri Schostakowitsch aber keinen Platz und wird auch klug vermieden. Die sogenannte Kammersymphonie op. 118a ist tatsächlich das Streichquartett Nr. 10, das von Rudolf Barshai für chorische Streicher arrangiert wurde.
Abgesehen davon, dass diese Orchestrierung an neuralgischen Punkten offen sinnwidrig ist (besonders im Einsatz der Kontrabässe), kehrt das MKO hier zu einer schönen Idee zurück, die es einst unter der Ägide von Christoph Poppen verfolgte: Das Kammerorchester wird verstanden als erweitertes Streichquartett, das gleichsam von innen zusammengehalten wird.





















