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Fan-Skandal überschattet Sieg von Hertha BSC bei Dynamo Dresden | ABC-Z

Stand: 04.04.2026 • 23:46 Uhr

Hertha BSC hat bei Dynamo Dresden ganz wichtige Punkte im Aufstiegskampf der 2. Liga geholt – aufgrund von Jagdszenen und Raketenbeschüssen unter den Fans geriet der Sport beim 1:0 (0:0), für das Marten Winkler in Unterzahl in der 80. Minute sorgte, allerdings in den Hintergrund.

Knapp 18 Minuten lang war es ein intensives Spiel, in dem Hertha ein wenig die Oberhand hatte, es ingesamt aber weit mehr hitzige Duelle als Torchancen gab. Fußballerisch war sie kein Leckerbissen, abseits des Balles aber höchstproblematisch. In der Anfangsphase gab es immer wieder Pyro- und Böller-Geknalle und eine kurze Unterbrechung, doch so schlimm diese Situation auch war, in der 19. Minute wurde es noch viel schlimmer.

Zuschauer beschießen sich gegenseitig mit Raketen

Nachdem im Dresden-Block eine Hertha-Fahne hochgehalten worden war, eskalierte es im Rudolf-Harbig-Stadion. Berliner Anhänger betraten den Innenraum, schossen Raketen in die umliegenden Tribünen, von dort wurden wiederum Geschosse zurückgefeiert, worauf Schiedsrichter Sven Jablonski die Partie unterbrach und die Mannschaften in die Kabinen schickte.

Währenddessen machten sich mehrere Dynamo-Anhänger auf den Weg Richtung Hertha-Block, in gelben Regenmänteln, die sie im Zuge einer gelb-schwarzen Choreographie trugen, sorgten sie für eine weitere Eskalation. Als die Polizei ihnen entgegentrat, ergriffen diese Personen die Flucht und sprinteten zurück Richtung Tribüne, sprangen über die Absperrung zurück ins Meer von anderen gelben Mänteln. Danach postierte sich die Polizei auf dem Spielfeld, während weitere Pyrotechnik gezündet und im Dynamo-Block die vorher gezeigte blau-weiße Flagge brannte.

Polizei sorgt für Fortsetzung der Partie

“Es ist sehr unwirklich, wenn man sieht, wie die sich mit Raketen beschießen, das hat mit Fußball nichts zu tun. Wir stehen alle ein wenig unter Schock”, sagte Dresden-Sportchef Sören Gonther bei “Sky” und berichtete, die Polizei habe bestätigt, auch mit einer Aufstockung die Situation unter Kontrolle bringen zu wollen. Damit gab die Polizei auch das “Go” für eine Fortsetzung der Partie, nach etwa 20-minütiger Unterbrechnung ging es tatsächlich weiter. Stefan Leitl lobte Schiedsrichter Jablonski später für seinen Umgang mit der Situation.

Danach blieb das Spiel intensiv mit dominanten Gästen aus Berlin, aber ohne die ganz hochkarätigen Gelegenheiten. Bis zur Halbzeitpause verlief die Partie ohne großen Aufreger, glücklicherweise aber auch fernab des Spielfeldes ruhig ab. Immerhin blieb Letzteres auch bis zum Ende so, ein Nachspiel werden – und müssem – die skandalösen Szenen nach 19 Minuten dennoch haben.

Großchancen für beide Teams, Brekalo sieht Rot

Fernab dieser Thematik ging es in der zweiten Halbzeit sportlich um sehr viel. Dresden braucht im Aufstiegskampf jeden Punkt und Hertha benötigte unbedingt einen Sieg, um im Aufstiegskampf der 2. Liga eine gewichtigere Rolle spielen zu können. Die größte Chance auf die Führung hatte schließlich Dynamo in der 62. Minute, als Kofi Amoako den Ball perfekt auf Ben Bobzien flankte, der aber knapp am Tor vorbeischoss.

Unmittelbar danach vergab Dawid Kownacki die größte Hertha-Gelegenheit, als er aus der Drehung zu hektisch abschloss (63.). Nach den schlimmen Fan-Szenen der ersten Halbzeit gab es kurz danach eine ganz schlimme sportliche Szene: Josip Brekalo trat Robert Wagner mit der der Sohle voll aufs Schienbein und sah völlig zu Recht die Rote Karte (66.). Der für Berlin so wichtige Sieg war nun ganz weit weg und Dresden eröffnete sich die Möglichkeit, Big Points im Keller zu holen.

Vermeij patzt vom Punkt, Rossipal trifft ins eigene Tor

Die große Chance darauf brachte ein Handspiel von Paul Seguin im Anschluss eines Eckballs, nach dem Jablonski nach Ansicht der Videobilder auf Elfmeter entschied. Vincent Vermeij ließ diese Gelegenheit jedoch liegen, Tjark Ernst hielt den schwach geschossenen Strafstoß und erhielt Hertha die Hoffnungen auf den Aufstiegskampf (77.).

Die Berliner mussten sich bei ihrem Torhüter bedanken – und taten genau das, indem sie seine Großtat veredelten. Fabian Reese spielte eine starke Flanke, die Winkler mit dem Kopf touchierte und so ablenkte, dass Rossipal den Ball nicht mehr kontrolliert klären konnte und per Bogenlampe ins eigene Tor beförderte (80.). Und von diesem Doppel-Schock innerhalb von drei Minuten erholte sich Dresden nicht mehr, Hertha gewann in Unterzahl.

Dresdens Trainer Thomas Stamm haderte: “Auch den Elfmeter ausgenommen, müssen wir auch sofür uns entscheiden.” Der Grund dafür sei die fehlende Effizient gewesen, so Stamm. Herthas Stefan Leitl freute sich über das glücklichere Ende seiner Mannschaft nach einer “klaren Roten Karte” und dem Elfmeter: “Trotzdem kommen die Jungs dann zurück und belohnen sich über einen großen Einsatz und große Disziplin.

Und so baute das Team von Leitl seine starke Form auf 13 Punkte aus den vergangenen fünf Spielen aus, der Rückstand auf die Plätze zwei und drei beträgt vor den Sonntagsspielen nur noch vier Zähler. Mit einem Sieg am nächsten Samstag gegen den 1. FC Kaiserslautern (13 Uhr) will Hertha noch mehr Druck auf die Top drei machen. Dresden muss zeitgleich beim 1. FC Nürnberg punkten, sonst droht die Rückkehr auf die Abstiegsplätze.

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