Fahrenzhausen: Welle der Hilfsbereitschaft für Brandopfer – Freising | ABC-Z

Kommt er auf die Hilfsbereitschaft zu sprechen, die Arthur B. und seine Familie seit Sonntag erleben, bricht seine Stimme am Telefon. „Wir sind überwältigt“, sagt der 65-Jährige und kämpft hörbar mit den Tränen. Eigentlich ist er es, der anderen Menschen in Notsituationen hilft. Jetzt ist der Notfallsanitäter selbst auf Unterstützung angewiesen. Sonntagfrüh gegen 6.30 Uhr war das Haus in Fahrenzhausen, in dem er mit Frau und Tochter sowie Bruder und Schwägerin lebt, in Brand geraten.
Alle vier Bewohner hatten sich ins Freie gerettet, erlitten aber Rauchgasvergiftungen. Der 79 Jahre alte Bruder kam mit einer Brandverletzung am Kopf ins Krankenhaus, befindet sich nach derzeitigen Erkenntnissen aber nicht in Lebensgefahr, teilt das Polizeipräsidium Oberbayern Nord mit. Die Tochter von Artur B. war am Sonntag nicht zu Hause. „Gott sei Dank“, sagt ihr Vater. „Sonst gäbe es eine traumatisierte Person mehr.“ Seine Stimme klingt rau. Zu den Folgen der Rauchgasvergiftung kam bei ihm noch eine Bronchitis hinzu.
Die Hilfsbereitschaft in der Nachbarschaft und bei seinem Arbeitgeber, den Johannitern in Allershausen, ist groß. Sein Kollege René Rousselot hat spontan eine Spendenaktion auf der Plattform Gofundme unter der Überschrift „Lebensretter braucht Hilfe“ gestartet. „Das war mir wichtig, weil er immer für andere da ist.“ Bis Freitagnachmittag gingen bereits 222 Spenden ein, zusammen mehr als 12 000 Euro. Angepeilt hatte Rousselot 3500 Euro. Arthur B. benötige schnell finanzielle Unterstützung, sagt er zu seinen Beweggründen. Nur mit Schlafanzug und Anorak bekleidet, stand die Familie am Sonntagmorgen auf der Straße. Nachdem der Brand gelöscht war, durfte sie nur kurz zurück ins Haus, um etwas Kleidung zu holen.
Vorerst bleibt das Gebäude gesperrt. Es gilt aktuell laut Arthur B. als einsturzgefährdet. Ob und was später gerettet werden kann, ist unklar. Er sei bei einem Einsatz an dem Haus vorbeigefahren und habe kurz angehalten, erzählt Rousselot. „Es hat immer noch nach kaltem Rauch gerochen.“ Zur Brandursache kann nach Angaben des Polizeipräsidiums noch keine konkrete Aussage getroffen werden. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei Erding dauerten an. Brandstiftung könne nach derzeitigem Stand aber ausgeschlossen werden.
Ausgebrochen war das Feuer Sonntagfrüh im Erdgeschoss. Petra und Arthur B. wohnen im Obergeschoss. Sie sei durch den Rauchmelder geweckt worden und habe gedacht, dass die Batterie mal wieder ausgetauscht werden müsse, schildert Petra B. Als sie ihn von der Decke holen wollte, bemerkte sie, dass zwischen Wand und Fußboden Rauch aufstieg. Wenig später war der Boden so heiß, dass das Surfbrett der Tochter auf der Unterseite schmolz. Fenster und Haustür barsten. Da waren zum Glück schon alle im Freien.
Untergekommen sind Petra und Arthur B. in einer Wohnung von Freunden im Nachbarort. Über Spenden und Ebay-Kleinanzeigen versuchen sie gerade, das notwendigste Mobiliar zusammenzubekommen. Freunde stellten Bettzeug zur Verfügung, die Johanniter Handtücher.
Die Bilder aus der Brandnacht kämen immer wieder, gerade nachts, „das war der absolute Albtraum“, erzählt Petra B. Das Gefühl der Sicherheit des eigenen Heims sei weg. Die 58-Jährige ist psychisch angeschlagen. Seit 2024 macht sie im Klinikum Freising eine Ausbildung zur Pflegefachkraft. „Ich weiß nicht, wie ich mich jetzt auf das Lernen konzentrieren soll.“ Dass so viele Menschen spenden, aber freut sie. „Das ist völlig abgefahren“, sagt ihr Mann. Wann und wie viel Geld sie von der Versicherung bekommen, ist derzeit offen.





















