Extremismusforscher Hansen: „Linksextremisten streben eine Gesellschaftsordnung an, in der es keine freie Debatte mehr gibt“ | ABC-Z

Politikwissenschaftler Henrik Hansen warnt vor einer Verharmlosung des Linksextremismus und kritisiert die „romantische Vorstellung“, Linksextreme setzten sich für eine gute Gesellschaft ein. Die Antifa nutze teils gewalttätige Methoden und wolle freie Debatten unterdrücken.
Extremismusforscher Henrik Hansen warnt vor einer Verharmlosung des Linksextremismus. Er kritisiert im Interview mit WELT TV die „romantische Vorstellung“, Linksextremisten würden sich für eine gute Gesellschaft einsetzen und dabei lediglich „die falschen Mittel wählen“. „Man muss sich immer klarmachen, dass das bei Linksextremisten mitnichten der Fall ist. Sehen Sie nur die Methoden, die die Antifa anwendet, um ihre Positionen durchzudrücken. Das sind zum Teil sehr gewalttätige Methoden.“
„Vor allen Dingen ist es immer so, dass die Antifa darüber entscheidet, welche Positionen eigentlich richtig sind und welche Positionen akzeptabel sind in der gesellschaftlichen Debatte. Sobald sie eine aus deren Sicht inakzeptable Position vertreten, werden sie ausgegrenzt und als Faschist gelabelt“, führt Hansen aus. Hier gebe es eine Verharmlosung, die daher rühre, dass Leute über Linksextremisten sagen: „Die sind für mehr Gleichheit, Rechtsextremisten für mehr Ungleichheit.“
Dabei sei, so Hansen, das richtige Maß von Gleichheit und Ungleichheit das, was eine Gesellschaft auszeichne. „Und die offene Debatte darüber, wie das eigentlich definiert werden soll. Und nicht die Auseinandersetzung auf der Straße, wie wir es ja hier auch auf den Bildern sehen können.“
„Gesellschaftsordnung an, in der es keine freie Debatte mehr gibt“
Deutlich wird Hansen auch beim Thema Freiheit: „Linksextremisten streben ja eine Gesellschaftsordnung an, in der es keine freie Debatte mehr gibt, sondern in der nur noch ihre Positionen überhaupt artikuliert werden können. Also ganz in dem Spektrum jetzt der marxistisch-leninistisch orientierten Linksextremisten.“ Sie würden eine Rückkehr zur Zeit der DDR anstreben. „Das sagen die ganz offen.“ Gleichzeitig gebe es auch noch die autonome Szene. Dort gebe es eine Vorstellung von Freiheit, „die gänzlich ungebunden ist und keinen Rechtsstaat kennt.“
Dass Demonstranten gegen die AfD gemeinsam mit gewaltbereiten Linksextremen demonstrieren, wie zuletzt bei der Gründungsveranstaltung der neuen Nachwuchsorganisation der AfD – „Generation Deutschland“ – kritisiert Hansen deutlich.
Es müsse Klarheit herrschen unter Demonstranten, dass bestimmte Gruppierungen ausgeschlossen werden: „Dass also Demonstranten gegen die AfD klar sagen, wir demonstrieren gegen die AfD, aber wir wollen das auf keinen Fall tun, zusammen mit Leuten, die DKP-Fahnen schwenken oder MLPD-Fahnen, das ist also eine Maoist-Stalinistische Partei, die auch da regelmäßig unterwegs ist. Oder eben die Fahnen der autonomen Antifa, diese schwarz-rote Doppelfahne.“ Dann habe man es nämlich mit Verfassungsfeinden zu tun, so Hansen. Man brauche den 360-Grad-Blick, insbesondere bei Demonstrationen, sagt Hansen. „Das gilt natürlich für alle Spektren.“
„Aktuell haben wir natürlich eine gewisse Zunahme der Mobilisierung aufgrund der Entwicklung bei der AfD“, sagt Hansen bei WELT TV. Zuwachs in den Umfragewerten für die AfD führe zu einer gewissen Mobilisierung im linken und linksextremistischen Spektrum. „Der Linksextremismus war immer da und wir sehen ihn im Übrigen ja nicht nur in diesem Spektrum, in der Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus, sondern auch bei den antiisraelischen Demonstrationen seit dem Oktober 23.“
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