Verkehr

EU passt CO₂‑Regeln für schwere Nutzfahrzeuge gezielt an | ABC-Z

Kern der nun beschlossenen Änderung ist eine Anpassung des Mechanismus zur Berechnung von Emissionsgutschriften für die Berichtsjahre 2025 bis 2029. Künftig können Hersteller Emissionsgutschriften generieren, sobald die durchschnittlichen Emissionen ihrer neu zugelassenen Fahrzeuge unter dem geltenden Zielwert von minus 15 Prozent liegen.

Bislang mussten die Emissionen entlang einer linearen Reduktionskurve bewertet werden, was aus Sicht der Industrie zu einer unnötigen Einschränkung geführt hatte. Durch die neue Regelung können Emissionsgutschriften früher aufgebaut und gezielt auf die deutlich anspruchsvolleren Zielwerte ab 2030 angerechnet werden. Die rechtlich festgelegten Zielvorgaben bleiben dabei unverändert.

Die Anpassung gilt ausschließlich für die von der HDV‑CO₂‑Verordnung erfassten schweren Nutzfahrzeuge. Stadtbusse sind ausdrücklich ausgenommen, da sie anderen Beschaffungsmechanismen unterliegen und die Infrastrukturverfügbarkeit dort weiter fortgeschritten ist.

Unabhängig von der regulatorischen Anpassung sieht ACEA weiterhin erhebliche Herausforderungen bei der Marktdurchdringung emissionsfreier Nutzfahrzeuge. Im Jahr 2025 lag der Anteil von Zero‑Emission‑Fahrzeugen bei schweren Lkw über 16 Tonnen bei lediglich 2,0 Prozent. Bei mittelschweren Lkw zwischen 3,5 und 16 Tonnen betrug der Anteil 14,8 Prozent.

Nach Einschätzung des Verbands verdeutlichen diese Zahlen die wachsende Lücke zwischen den ambitionierten CO₂‑Vorgaben für Hersteller und den realen Einsatzbedingungen. Insbesondere der Mangel an geeigneter Lade‑ und Wasserstoffinfrastruktur für schwere Nutzfahrzeuge, hohe Energiekosten sowie eine fragile Wirtschaftlichkeit für Transportunternehmen bremsen den Hochlauf.

ACEA betont, dass die beschlossene Anpassung bewusst eng gefasst ist. Sie verändert weder die CO₂‑Zielwerte für 2030, 2035 oder 2040 noch greift sie strukturelle Probleme auf der Nachfrageseite auf. Weder werden zusätzliche Verpflichtungen im Rahmen der Alternative Fuels Infrastructure Regulation (AFIR) eingeführt, noch enthält die Änderung neue finanzielle Instrumente zur Beschleunigung des Infrastrukturausbaus.

Karin Rådström, Präsidentin und CEO von Daimler Truck sowie Vorsitzende des Nutzfahrzeug‑Vorstands von ACEA, erklärt: „Die Nutzfahrzeugindustrie steht fest zur Dekarbonisierung – und wir investieren seit Jahren massiv in emissionsfreie Technologien. Den jüngsten Schritt der europäischen Institutionen begrüßen wir sehr: Dass das Übererfüllen unserer CO₂‑Ziele künftig angerechnet wird, ist eine faire und wichtige Korrektur. Doch das allein reicht nicht aus, um den Übergang zu einem CO₂‑neutralen Verkehr sicherzustellen. Wir benötigen dringend eine umfassende Überprüfung der CO₂‑Regulierung, damit die ambitionierten Reduktionsziele mit dem Ausbau der Infrastruktur und der wirtschaftlichen Tragfähigkeit für unsere Kunden verknüpft werden. Nur so können wir gemeinsam vorankommen.“

(Wörtlich:„The commercial vehicle industry is firmly committed to decarbonisation—and we have been investing heavily in zero-emission technologies for years. We very much welcome the latest move of the European Institutions: The fact that exceeding our CO2 targets will be credited in the future is a fair and important corrective step. But it is not enough to ensure the transition toward CO2-neutral transport. We urgently need a comprehensive review of CO2 regulations so that the ambitious reduction goals are linked to infrastructure rollout and economic viability for our customers – this will enable us to move forward together.“)

Die gezielte Änderung schafft nach Einschätzung von ACEA weiterhin Anreize, emissionsfreie Nutzfahrzeuge frühzeitig in den Markt zu bringen. Ihr Erfolg hängt jedoch maßgeblich davon ab, ob die realen Einsatzbedingungen rasch verbessert werden.

Vor diesem Hintergrund fordert der Verband, die anstehende Überprüfung der HDV‑CO₂‑Verordnung vorzuziehen. Zentrale Aufgabe müsse es sein, die bestehende Lücke zwischen regulatorischem Anspruch und infrastruktureller Realität zu schließen, um den Übergang zu emissionsfreiem Straßengüterverkehr in ganz Europa praktikabel zu gestalten.

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