EU-Kommission: Tiktok soll Angebot radikal umbauen | ABC-Z

Die Europäische Kommission verlangt von der Plattform Tiktok, ihr Angebot substanziell zu verändern. Es geht unter anderem um verpflichtende Zeit-Limits und Pausen, vor allem nachts. Tiktok schütze Nutzer bisher zu wenig davor, von seinem Dienst abhängig zu werden, argumentiert die Kommission. Das gelte insbesondere für Jugendliche im Alter zwischen zwölf und fünfzehn Jahren.
Die Kommission setze damit als erster Akteur der Welt Maßstäbe gegen das süchtig machende Design von Online-Plattformen, sagte ein hochrangiger EU-Beamter. Die Empfehlungen basieren auf dem noch vorläufigen Ergebnis einer Ende Februar 2024 eingeleiteten Untersuchung.
Weitere Verfahren gegen Meta und Instagram
Tiktok verstößt demnach gegen das EU-Digitalgesetz DSA. Dem Unternehmen droht eine Strafe von bis zu sechs Prozent seines Umsatzes auf der Welt. Das Verfahren gegen Tiktok ist nicht das einzige seiner Art. Die Kommission untersucht auch, ob Meta und Instagram minderjährige Nutzer ausreichend schützen.
„Soziale Medien können der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen schaden“, betonte die zuständige EU-Kommissarin Henna Virkkunen. Die EU schütze ihre Kinder und Bürger online.
Nutzer verlieren Selbstkontrolle
Die Kommission steht momentan allerdings in der Kritik, da sie sich bisher nicht hinter die Forderung nach einem Social-Media-Verbot für Jugendliche gestellt hat. Australien ist damit vorgeprescht. In der EU planen unter anderem Spanien und Frankreich ein solches Verbot.
Tiktok „belohne“ seine Nutzer andauernd mit neuen Inhalten, wenn sie nach unten scrollten, bemängelt die Kommission in dem aktuellen Verfahren. Dieses „unendliche Scrollen“ setzte das Gehirn in einen „Autopilotmodus“. Das führe zu zwanghaftem Verhalten.
Die Nutzer verlören die Selbstkontrolle. Das hätten wissenschaftliche Studien gezeigt, betont die Kommission. Weiter kritisiert die Kommission Funktionen wie Autoplay und Pushnachrichten.
Eltern sind mit Kontrolle überfordert
Unabhängig davon habe Tiktok etwa zu wenig analysiert, wie viel Zeit Minderjährige nachts auf der Plattform verbrächten. Die bestehende Kontrolle der Bildschirmzeit durch die Nutzer selbst oder die Eltern von Minderjährigen genüge offenkundig nicht, um das Suchtrisiko ausreichend zu senken. Sie ließen sich leicht umgehen. Die Eltern seien mit den Kontrollen oft überfordert.
Die Kommission verlangt deshalb, „dass Tiktok das grundlegende Design seines Dienstes ändern muss“. Das „unendliche Scrollen“ soll verschwinden. Zudem dringt die Kommission auf wirksame Bildschirmzeitpausen, insbesondere nachts. Schließlich soll Tiktok sein stark personalisiertes Empfehlungssystem anpassen. Am Ende müsse aber Tiktok selbst entscheiden, wie es die Bedenken genau ausräumen wolle, hieß es.
Algorithmus soll Pausen einlegen
Der Algorithmus soll den Nutzern zudem nicht automatisch immer neue Videos zuspielen. Das soll verhindern, dass sie viel länger auf Tiktok bleiben als geplant – und wie in ein Kaninchenloch fallen. Der Begriff „Rabbit Hole Effect“ ist eine Anspielung auf Alice im Wunderland.
Tiktok hat nun zunächst einmal die Möglichkeit, sich zu dem Ergebnis des Verfahrens zu äußern. Bis dahin gilt es als vorläufig. Die Plattform kann auch ihr Angebot anpassen. Erst danach kann die Kommission Strafen verhängen. Auch Zwangsgelder sind möglich, wenn Tiktok die kritisierten Funktionen nicht ändert.
Einen Zeitrahmen gibt es dafür nicht. Die Kommission werde aber alles daran setzen, so schnell wie möglich zu handeln, sagte ein hochrangiger Beamter.
Der aktuelle Fall ist nicht das einzige Verfahren, das gegen Tiktok läuft. Schon im Oktober hatte die Kommission Tiktok, aber auch Facebook und Instagram vorgeworfen, Wissenschaftlern den Zugang zu seinen Daten zu erschweren. Auch das verstößt gegen den DSA.





















