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Erol Sander, Francis Fulton-Smith und eine Boyband mit fast 60: “Ist schon irgendwie cool” | ABC-Z

Man nehme zwei TV-Stars mit Gesangsausbildung und einen Profi-Swing-Sänger á la Frank Sinatra, stecke sie in edle Smokings – und fertig ist die Formation “Gentlemen Forever”. Ganz so einfach ist es natürlich nicht – die Männer berichten von Mut, Fleiß und Demut, aber auch von ganz viel Spaß.

Die AZ traf Erol Sander (57), Francis Fulton-Smith (59) und Dave Kaufmann (56) zum exklusiven Interview im Seehaus im Englischen Garten, kleines Fotoshooting im Regen inbegriffen. Anlass ist die Aufnahme des neuen Songs “Die Zeit”, für die Erol Sander eigens aus Köln angereist war. Mit dabei: Plattenboss und Manager Ralf Schedler (RS Records im Vertrieb von Universal Music).

“Die Vision habe ich schon seit zehn Jahren”

AZ: Hallo die Herren, wie entstand die Idee zur gemeinsamen Band?
DAVE KAUFMANN: Die Vision habe ich schon seit zehn Jahren, habe den Erol und den Francis regelrecht gestalkt auf eine lustige Art, weil ich davon überzeugt war, dass wir großartig harmonieren. Dann habe ich den Musikproduzenten Wolfgang Moroder bei einem Event kennengelernt, er war begeistert von der Idee und wir trafen uns alle zu Probeaufnahmen. So nahm alles seinen Lauf. Gerade arbeiten wir an unserem ersten Album mit sieben, acht Songs, die eigens für uns geschrieben wurden, und tollen Coverversionen; es soll im Herbst erscheinen, zudem planen wir viele Live-Auftritte. Mit fast 60 noch eine Boyband zu gründen, ist schon irgendwie cool (lacht).
EROL SANDER: 150 Jahre plus, Männer in den besten Jahren eben! Der neue Song, den wir gerade aufnehmen, heißt “Die Zeit”, es ist wieder eine Message an unsere Fans, auch eine Musik, die unsere Gefühle trifft, auf eine wortwörtlich gesagte, interessante Weise. Wir gehen auf den Alltag, auf die Menschen zu, versuchen, ihre eigenen Sorgen aufzufangen und vielleicht in positive Energie umzuwandeln. Und ein Lied haben wir speziell den Ladys gewidmet, es heißt “An alle Frauen in der Welt” – Wertschätzung und Respekt zu vermitteln, ist unsere Mission.

Fliegen denn im Aufnahmestudio in der Maxvorstadt auch mal die Fetzen?
FRANCIS FULTON-SMITH: Wir sind schon drei starke Persönlichkeiten! Aber es geht ganz friedlich zu, weil es uns enorm viel Spaß macht. Wir bereiten uns gut vor, es ist beinharte Arbeit, die sehr viel Konzentration erfordert. Und natürlich haben wir alle noch einen “Zweitjob”, der Erol hat drei Filmprojekte in der Pipeline, ich habe gerade eine achtteilige Serie von der ARD zu “Ludwig II.” als Kronprinz Luitpold in Prag und im Schloss Schleißheim abgedreht und der Dave hat ja noch seine Band “Dave Kaufmann & The Sunshine Boys”, der nächste Auftritt ist am 21. April im Nightclub im Bayerischen Hof.

“Wir plädieren dafür, respektvoll mit Frauen umzugehen”

Markenzeichen der Gentlemen Forever: ein fescher Smoking!
FULTON-SMITH: Ja, das sehen wir optisch als eine schöne Marktlücke, wir suchen übrigens noch einen Ausstatter. (lacht) Ich finde den Namen perfekt für uns, das ist unser Statement, wir bedienen eine klare Schlager- und Swing-Nische. Ich selbst sehe mich in jeder Hinsicht als Gentleman, habe von meinen Eltern eine gute Erziehung genossen, komme noch aus einer Zeit, in der das vollkommen unreflektiert gemacht wurde, man ist zum Beispiel aufgestanden, wenn die Frau am Tisch aufstand. Wir plädieren in unseren Liedertexten dafür, respektvoll mit Frauen umzugehen. Ich glaube, das ist eine Lebensweise, die uns drei verbindet, und das strahlen wir auch aus. Ein respektvolles Miteinander ist im Moment in unserer Gesellschaft nicht so gegeben, da könnten die Gentlemen ein Statement setzen, dass man nochmals seine eigenen Gepflogenheiten und Habitus überdenkt – und vielleicht so manches übernimmt, was schon mal da war.

Mal ganz was anderes, Herr Sander, vermissen Sie München?
SANDER: Niemals hätte ich mir vorstellen können, aus Oberbayern wegzugehen. Vor zwei Jahren bin ich der Liebe wegen nach Köln gezogen (Maskenbildnerin Rebecca Oehlmann; Hochzeit nicht ausgeschlossen; d. Red.). Meine Stieftochter wohnt auch dort, und meine zwei Jungs, die in Paris bei ihrer Mutter (Caroline Goddet, d. Red.) leben, sind mit dem Zug in dreieinhalb Stunden bei uns! München bleibt aber nach wie vor meine Heimat.

Vier Kinder zwischen 21 Monaten und 23 Jahren – wie sind Sie als Vater?
SANDER: Ich versuche, der Vater zu sein, den ich selbst nie hatte! Meine Eltern haben sich sehr früh getrennt, damals in der Türkei. Meine Mutter hat mich zu einem Kavalier erzogen, der den Damen die Türe aufhält und Wertschätzung zeigt. Das Bild meines Vaters lebt jeden Tag in meinem Kopf, ich vermisse ihn und konnte nie eine Vater-Sohn-Beziehung aufbauen. Also gebe ich meinen Kindern das, was ich von meinem Vater erwartet habe: Bescheidenheit, Demut, Geradlinigkeit und Respekt. Und auch immer ehrlich zu sein, das ist das Wichtigste.

Und wie ist das bei Ihnen, Herr Kaufmann, Ihr Vater war ja der bekannte Schauspieler Günther Kaufmann.
DAVE KAUFMANN: Er war viel unterwegs, meine Mutter hat mich großartige Werte wie Dankbarkeit, Humor in allen Lebenslagen und Demut gelehrt. Und Respekt vor allen Lebewesen und der Natur. Das macht für mich einen Gentleman aus, ich sehe mich als Oldschool-Typ, das gebe ich auch an meine elfjährige Tochter Charmaine weiter. Ich bin ein verrückter Vater, vermittle ihr Selbstvertrauen und will, dass sie weiß, dass ich auf der Welt nichts mehr liebe als sie!

Gibt es ein gemeinsames Credo?
ALLE UNISONO: Einer für alle, alle für einen! Wir Jungs sind harmonisch, mit den Gentlemen wohl eine aussterbende Spezies, bauen uns auch gerade eine Freundschaft auf und lernen, mit uns und mit unseren Makeln umzugehen.

Ah, jetzt wird’s spannend! Diese wären?
SANDER: Ich bin ein Mensch, der sehr ungeduldig ist.
FULTON-SMITH: Die Ungeduld hat er von mir gelernt (lacht).
KAUFMANN: Und ich bin oft zu direkt und lerne gerade: Schweigen ist manchmal Gold!

Vielen Dank für das Gespräch.

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