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Eröffnungsfeier: Mehr Minimalismus wagen – Cortina als Vorbild | ABC-Z

Die Olympischen Winterspiele sind eröffnet. Bei der Feier im Stadion von Mailand tanzen Pop-Stars auf einer riesigen Bühne, in Cortina d‘Ampezzo die Sportler durch die Straßen. Das Herz der Spiele liegt im Wintersportort, der mit der kleinen Feier ein Signal sendet: Minimalismus wagen.

Junior Harris hatte den Anschluss verpasst. Der jamaikanische Bobfahrer stand am Absperrgitter in der Fußgängerzone von Cortina d‘Ampezzo und tanzte vor Freude mit den Zuschauern. Er klatschte mit den Fans ab, genoss den Moment und vergaß dabei offensichtlich die Zeit. Denn sein Team war bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele schon 15 Meter weiter. Anschieber Harris bewies seine Sprinterqualitäten und holte zur Freude der Umstehenden seine Mannschaft schnell wieder ein.

Während sich bei der Feier im Stadion von Mailand Staatsgäste und Promis auf den Tribünen ein Stelldichein gaben, Mariah Carey die Lippen zum Playback bewegte und eine aufwendige Show inszeniert wurde, tanzten die Athleten durch das Zentrum des kleinen Wintersportortes. Sie standen im Mittelpunkt und niemand anderes. So wie der Sport bei den Olympischen Spielen im Fokus stehen sollte.

Die kleine Feier in Cortina wagte Herz und Minimalismus und erzielte damit maximale Wirkung. Die Athleten starteten ihren Einlauf neben einem Supermarkt. Sie tanzten, sprangen und genossen die 150 Meter vorbei an Sportgeschäften und Bars bis zum Piazza Angelo Dibona unter dem Jubel der Fans, die auf Balkonen und in Zweierreihen an der Strecke standen. Immer wieder stoppten sie für gemeinsame Fotos. Anders als in Mailand wurde die kleine israelische Delegation nicht ausgepfiffen, sondern mit warmem Applaus empfangen.

„Da habe ich Gänsehaut bekommen“, sagt Skeleton-Pilot Axel Jungk

Im Hintergrund thronte die berühmte Tofana-Piste, auf der am Sonntag die Abfahrt der Frauen stattfinden wird. Der Eiskanal und die Curling-Arena sind nur wenige Meter entfernt – das Herz der Olympischen Spiele schlägt in Cortina d‘Ampezzo.

„Es war wirklich cooler als erwartet. Mailand wäre noch einmal krasser gewesen, aber hier durch die Gassen zu laufen und zu sehen, dass sehr viele Leute da waren, die geschrieen und gejubelt haben – da habe ich eine Gänsehaut bekommen. Es war sehr, sehr schön“, sagte Skeleton-Pilot Axel Jungk.

Es bedurfte eben keiner Laser-Show, keiner Pop-Diva, die ihr Programm abspult und keiner vollgepackten Ehrentribüne, um Gänsehaut-Atmosphäre zu schaffen. Dies hat der Wintersportort, schon vor 70 Jahren Gastgeber der die Olympischen Spiele war, durch seinen Flair geschafft.

Natürlich kann bei den Ausmaßen der Olympischen Spiele die Eröffnungsfeier nicht nur in engen Gassen eines kleinen Städtchens stattfinden. Aber die Premiere dieser Variante zeigt, wie wohltuend Nahbarkeit und Bescheidenheit sein kann. Das Herz der Olympischen Spiele sendet eine Botschaft an das Internationale Olympisches Komitee: mehr Minimalismus wagen.

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