Ermittlungen zu Hilton-Hotels | FAZ | ABC-Z

Der Bundesnachrichtendienst und der Verfassungsschutz beschäftigen sich nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit dem Fall Ali Aliakbar Ansari, dem Gründer der iranischen Ayandeh-Bank. Ansari kontrolliert über ein verschachteltes Unternehmensgeflecht Immobilien im Wert von rund 400 Millionen Euro in Europa – darunter auch zwei Hilton-Hotels in Frankfurt.
Dem 57 Jahre alten Banker wird in Großbritannien vorgeworfen, Aktivitäten der Islamischen Revolutionsgarde finanziert zu haben. Außerdem gibt es den Verdacht, dass er als Strohmann für den Sohn von Ajatollah Ali Khamenei fungiert. Großbritannien hat Ansaris Vermögen auf der Insel – geschätzt 150 Millionen Euro – schon im Oktober eingefroren und ihn sanktioniert.
Seit die EU die Islamische Revolutionsgarde (IRGC) Ende Januar nach der tödlichen Niederschlagung der Proteste zur Terrororganisation erklärt hat, wächst auch in Deutschland der Druck, das Geschäftsgeflecht zu durchleuchten, der sich nun noch einmal verschärfen dürfte. In Geheimdienstkreisen kursieren nach Informationen der F.A.Z. Warnungen, Hotels mit Iran-Bezug zu meiden – aus Sorge vor möglichen Abhöraktionen.
Im Hilton-Konzern herrscht Aufregung
Im Hilton Hotel Frankfurt Gravenbruch, einem ehemaligen Kempinski-Luxushotel, hat unter anderem die deutsche Fußball-Nationalmannschaft schon häufiger übernachtet. Obwohl die Iran-Verbindung seit Wochen mediales Thema ist, beantwortet die US-Zentrale und Europazentrale der Hotelkette Hilton Presseanfragen bislang nicht. Auch zu möglichen Geheimdienstwarnungen vor Abhöraktionen nahm Hilton auf F.A.Z.-Anfrage bis Redaktionsschluss nicht Stellung.
Intern sorgt der Fall im Konzern Hilton Worldwide aber für erhebliche Aufregung. Nach Informationen der F.A.Z. unterzieht der Konzern mittlerweile die Geschäftsbeziehungen zu Ansari-Gesellschaften einer eingehenden Prüfung. Dazu gehören die Allsco Gravenbruch Hotelbetriebsgesellschaft mbH und die Tidalwave Holdings in den Niederlanden und Luxemburg, die Ansari über eine Offshore-Gesellschaft im Karibikstaat St. Kitts und Nevis hält.
Beziehungen zu einem Finanzier der Revolutionsgarde könnten für den US-Konzern Hilton besonders gefährlich werden, denn Washington hat die IRGC schon 2019 als Terrororganisation gelistet und sanktioniert mit ihr verbundene Organisationen und Personen. Die Medienberichte über Hilton-Hotels mit Iran-Bezug stellen für den Konzern schon jetzt ein Reputations- und Geschäftsrisiko dar.
„Erheblicher wirtschaftlicher Schaden“
Empfindlich getroffen hat die beiden Frankfurter Hotels die Entscheidung der großen Online-Reiseportale Booking.com und Expedia, die Hotels auf ihren Seiten zu sperren und schon getätigte Buchungen zu stornieren. Das Steigenberger-Golfresort und Luxushotel Camp de Mar auf Mallorca, das ebenfalls wegen Ansari-Verbindungen in die Medien geriet und von Booking suspendiert wurde, beklagt einen „erheblichen wirtschaftlichen Schaden“.
Ansari wird nicht nur vorgeworfen, Aktivitäten der Islamischen Revolutionsgarde finanziert zu haben. Hinzu kommt der brisante Verdacht, dass Ansari nur ein Strohmann gewesen sein soll, der die Geschäfte für den Sohn von Irans „Oberstem Führer“, Ajatollah Ali Khamenei, getätigt hat. Modschtaba Khamenei ist einer der mächtigsten Männer des Mullah-Regimes. Iran, der seit Jahren unter westlichen Sanktionen steht, könnte so Einnahmen aus Ölgeschäften recyceln und in Europa anlegen.
Ansari lässt über seinen Anwalt ausrichten, dass er den Vorwurf zurückweise, Beziehungen zu den Islamischen Revolutionsgarden oder zu Modschtaba Khamenei zu pflegen. Fachleute halten das für unglaubwürdig. Es sei „ein offenes Geheimnis in Iran“, dass Ansaris Vermögenswerte letztlich auf Khamenei zurückgeführt werden könnten, sagt Farzin Nadimi der F.A.Z. Nadimi ist Experte für Sicherheitspolitik. Der Wissenschaftler forscht als Senior Fellow am Washington Institute for the Near East und untersucht seit Jahren auch das Finanz- und Geschäftsgeflecht von Irans Machtelite. Die Beziehungen zwischen den Mullahs und den Oligarchen seien komplex und lange verdeckt gewesen, aber inzwischen gebe es doch genügend Beweise.
Enge Beziehungen in Machtkreise
„Wir wissen jetzt zum Beispiel, wer oft in Ansaris 50.000 Quadratmeter großem Anwesen zwischen Teheran und Karadsch war, mehrere Leute, die Modschtaba Khamenei sehr nahestehen: Mohammad Pakpour, der aktuelle Kommandeur der Revolutionsgarden, Mohammad Karami, der Kommandeur der IRGC-Bodentruppen, der Polizeisprecher, der Vertreter des Obersten Führers in Karadsch und zwei bekannte religiöse Sänger, sogenannte Maddahs, die mit dem Haus des Obersten Führers in Verbindung stehen“, erklärt Nadimi.
„Hinzu kommt Ansaris enge Beziehung zu Gholam-Ali Haddad-Adel, dem Schwiegervater von Modschtaba Khamenei, und zum Schwiegervater von Meysam Khamenei, des jüngsten Sohns von Ali Khamenei.“ Die Beziehungen in die obersten Machtkreise sind also äußerst eng und vielschichtig. Und Informationen über das Mega-Projekt Iran Mall, ein Einkaufszentrum in Teheran, das die Ayandeh-Bank bis zu ihrem Kollaps im vergangenen Jahr finanzierte, zeigten ebenfalls, dass hinter einem Großteil von Ansaris Vermögen tatsächlich Modschtaba Khamenei, der Sohn des Obersten Führers Irans, stecke, betont Nadimi. Auch mindestens ein westlicher Geheimdienst ist davon überzeugt, berichtete kürzlich die Nachrichtenagentur Bloomberg.
Ansaris Investments irritieren Viele
In Deutschland hatte sich der hessische Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori (SPD) kritisch geäußert. In der Europäischen Union müsse „massiv und konsequent gegen Praktiken der Geldwäsche und Terrorfinanzierung des iranischen Mullah-Regimes vorgegangen werden“, hatte er der F.A.Z. gesagt, ohne sich dezidiert zu den Hilton-Hotels in Frankfurt zu äußern. Zu den neuen Informationen zu einer möglichen Abhörgefahr wollte sich der Bundesnachrichtendienst auf Anfrage nicht äußern. Das Bundesamt für Verfassungsschutz teilt auf Anfrage mit, dass es öffentlich zu „Angelegenheiten, die etwaige nachrichtendienstliche Erkenntnisse oder Tätigkeiten betreffen, grundsätzlich nicht öffentlich Stellung“ nehme. „Damit ist keine Aussage getroffen, ob der jeweilige Sachverhalt zutreffend ist oder nicht.“
Dass Ansari über Jahre so große Investments in Europa tätigen konnte, irritiert Viele. „Hier ist ein iranischer Oligarch, der es irgendwie geschafft hat, unter der Nase der Europäer ein Wirtschaftsimperium in der EU und im Vereinigten Königreich anzuhäufen“, sagt der Geschichtsprofessor und Iran-Kenner Ali Ansari von der Universität St. Andrews, der zufällig den gleichen Namen trägt und nicht mit ihm verwandt ist. „Es ist ein trauriges Zeugnis für die Fähigkeit der Europäer, solche Vorfälle zu überwachen und zu verhindern.“





















