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Erding: Kinderklinik plant stationäre Abteilung im Klinikum – Erding | ABC-Z

Bekommt das Klinikum Erding wieder eine stationäre Kinderabteilung? Eine Münchner Kinderarztpraxis will sie in den Räumen des Krankenhauses betreiben, der Antrag liegt bereits im Gesundheitsministerium. Eine Pressemitteilung des Landratsamts klingt, als sei die Entscheidung fast gefallen – doch tatsächlich ist noch nichts entschieden.

Seit vielen Jahren wird im Landkreis Erding über eine Kinderabteilung am Klinikum in der Großen Kreisstadt diskutiert. Eltern müssen in Notfall entweder in eine der Kinderkliniken in München fahren oder ins Kinderkrankenhaus St. Marien in Landshut. Nun soll die Einrichtung einer Kinderabteilung in Erding endlich mithilfe eines innovativen „Klinik in Klinik“-Konzepts realisiert werden.

Wie das Landratsamt mitteilt, ist eine Kooperation mit einem Münchner Klinikträger geplant. Dabei handle es sich „um das familiengeführte Unternehmen der Familie Mayer, das seit über 40 Jahren auf Pädiatrie spezialisiert ist und über ein breites Behandlungsspektrum verfügt“. Die Klinik habe bereits den Antrag auf Etablierung dieser Fachabteilung beim Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention gestellt. Laut SZ-Recherchen handelt es sich dabei um die M1 Privatklinik für Kinder- und Jugendmedizin mit Sitz in der Münchner Innenstadt.

Das Konzept von „Klinik in Klinik“ sieht so aus: Der Münchner Klinikträger betreibt mit seinem eigenen ärztlichen und pflegerischem Personal die Versorgung der Kinder- und Jugendlichen, während das Klinikum die notwendigen Räume, die Infrastruktur sowie verschiedene medizinische Dienstleistungen und Service-Leistungen gegen Entgelt erbringt.

Das Klinikum Erding ist in den vergangenen 50 Jahren immer weiter modernisiert worden. (Foto: Foto: Renate Schmidt)

Für die erforderlichen Umbaumaßnahmen hat der Landkreis im Haushalt 2026 vorsorglich Finanzmittel in Höhe von 3,5 Millionen Euro in den Haushalt eingeplant. Die Gesamtinvestitionen von voraussichtlich 5,5 Millionen Euro, verteilt auf zwei Jahre, „werden durch einen langfristigen Mietvertrag mit dem Kooperationspartner vollständig refinanziert“, teilt das Landratsamt auf Nachfrage mit. Die Fraktionen im Kreistag haben laut Landrat Martin Bayerstorfer (CSU)  bereits ihre Unterstützung signalisiert.

„Die Errichtung einer eigenen Kinderklinik ist ein entscheidender Beitrag zur Versorgungssicherheit unserer Familien und stellt sicher, dass kranke Kinder künftig direkt in ihrer Heimat bestmöglich versorgt werden können“, wird Landrat Bayerstorfer in einer Pressemitteilung zitiert. Er zeigt sich sehr optimistisch: „Wir stehen in den Startlöchern und hoffen, zügig mit der Umsetzung beginnen zu dürfen, um dieses wichtige Angebot zeitnah zu realisieren.“ Gleichzeitig biete das angrenzende Bildungszentrum die Chance, künftig auch Kinderkrankenpflegerinnen und -pfleger direkt vor Ort auszubilden.

Je nach Wohnort führt Eltern aus dem Landkreis Erding im Notfall der nächste Weg ins Kinderkrankenhaus nach Landshut. 
Je nach Wohnort führt Eltern aus dem Landkreis Erding im Notfall der nächste Weg ins Kinderkrankenhaus nach Landshut.  (Foto: Foto: privat)

Nach der endgültigen Freigabe wird laut Bayerstorfer „mit einem Umsetzungszeitraum von etwa 18 Monaten gerechnet“.  Vor sechs Jahren, ebenfalls kurz vor der Kommunalwahl, hatte der Erdinger Landrat schon einmal zuversichtlich mitgeteilt, man sei bei einer kinderheilkundlichen Abteilung im Klinikum auf einem guten Weg. Damals liefen Gespräche des Landkreises mit dem Gesundheitsministerium. Doch im Dezember 2022 folgte der endgültige Rückzieher.

Das bayerische Gesundheitsministerium konkretisiert auf Nachfrage das aktuelle Vorhaben: Beantragt sei die Aufnahme eines eigenständigen Krankenhauses mit den Fachrichtungen Kinder- und Jugendmedizin sowie Kinder- und Jugendchirurgie in den Krankenhausplan des Freistaats. Der Betrieb solle im Rahmen eines Klinik-in-Klinik-Konzepts im Klinikum des Landkreises Erding erfolgen, bestätigt das Ministerium. Es verweist darauf, dass es in Bayern bereits vergleichbare Modelle gebe.

Ein Beispiel ist das Klinikum Nürnberg. Es betreibt eine Außenstelle für Pädiatrie in Neumarkt/Oberpfalz

Beispielsweise würden manche Krankenhäuser einzelne Fachbereiche beziehungsweise Fachrichtungen an einem anderen, fremden Klinikstandort als sogenannte Außenstellen betreiben. Beispiele für die Pädiatrie seien Außenstellen des Klinikums Nürnberg in Neumarkt in der Oberpfalz oder der Cnopf’schen Kinderklinik in Ansbach.

Noch ist offen, ob das ambitionierte Projekt in Erding tatsächlich realisiert wird. Das bayerische Ministerium für Gesundheit erklärt, wie es weitergeht: Sobald alle erforderlichen Unterlagen vorlägen, werde der Antrag der Münchner Klinik auf die Tagesordnung des Krankenhausplanungsausschusses gesetzt und zur Beratung vorgelegt. Die Sitzungen dieses Ausschusses finden allerdings nur zweimal im Jahr – im Mai und November – statt. Danach geht es noch eine Runde weiter. Im Anschluss an die Beratung und Abstimmung im Ausschuss erfolgt die Entscheidung durch die Krankenhausplanungsbehörde.

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