Erding: Felix Stern bereitet sich auf Abi-Prüfung an der Orgel vor – Erding | ABC-Z

Fürs Pressefoto zieht Felix Stern kurz den Anorak aus. Es ist ganz schön frisch in der Moosinninger Kirche an diesem Mittwoch Ende Dezember. Der 18-Jährige sitzt auf der Empore von St. Emmeram an der Orgel und übt fürs Abitur. Angelika Tasler hört aufmerksam zu und sie schaut ganz genau auf seine Hände und vor allem auf die Füße.
Die Orgel werde nicht ohne Grund die Königin der Instrumente genannt, denn sie könne alle Instrumente eines Orchesters nachahmen, erzählt Angelika Tasler. Die Orgellehrerin von Felix Stern ist Kirchenmusikerin, Dirigentin, Organistin, Musikwissenschaftlerin und Buchautorin mit Doktortitel und seit 2022 für den großen Pfarrverband St. Anna im Moosrain mit acht Kirchen zuständig. Beim Üben hat Felix Stern also gleich acht Orgeln zur Auswahl, „und jede klingt anders“, versichert er.
In St. Emmeram spielt er auf einer Elektroorgel, die je nach Knopfdruck die Klangfarbe wechseln kann, mal hell, mal dunkel, mal tönt es nach Trompete, dann nach Cembalo. Drei Manuale, jedes mit eigenem Klang, stehen dem Orgelschüler dort zur Verfügung.
Angefangen hat Felix Stern mit Klavier. In der Grundschule ermunterte ihn eine Lehrerin, sich dem Kinderchor am Gärtnerplatztheater in München anzuschließen. Das habe ihm sehr viel Spaß gemacht, vor allem die Opernaufführungen. Ein paar Jahre später bot Angelika Tasler Orgelunterricht im Pfarrverband St. Anna an, zu dem auch Sterns Wohnort Ottenhofen gehört. „Das Orgelspiel hat mir gleich gut gefallen – und jetzt sitze ich hier“, sagt der 18-Jährige und lacht.
Was ihm am Orgelspiel gefällt: Es gebe so viel Klänge, so viele Ausdrucksmöglichkeiten, „so vieles, worauf man achten muss“. Ein neues Stück zu erlernen, sei jedes Mal wieder eine Herausforderung, sagt Angelika Tasler, die ersten zwei Wochen seien entscheidend, ob man mit dem Stück zurechtkomme oder nicht. Wenn er merke, dass es gelingt, „dann ist das ein ganz tolles Gefühl“, fügt Felix Stern hinzu.
In knapp zwei Monaten wird der Schüler am Erdinger Korbinian-Aigner-Gymnasium (KAG) auf dem Instrument die Abiturprüfung im Leistungsfach Musik ablegen, sein drittes Abi-Fach neben Deutsch und Mathe. Orgelspiel sei bisher am KAG noch nie gewählt worden und daher ist es „schon etwas Ungewöhnliches“ sagt sein Musiklehrer am KAG, Frank Ludwig.
Weil sich das Instrument nun mal nicht zum Mitschleppen eignet und es keine Schulorgel gibt, erhält Felix Stern extern Unterricht durch Angelika Tasler, und für Frank Ludwig bedeutet das, dass er zu den praktischen Prüfungen zu einer der Kirchen des Pfarrverbands St. Anna reisen muss. Mit dabei ist immer ein Kollege, denn grundsätzlich finde das Vorspielen vor zwei Lehrkräften statt, sagt Ludwig. Im Laufe der Jahrgangsstufen 12 und 13 hat er so bereits verschiedene Kirchen im Pfarrverband St. Anna kennengelernt.


Jedes Instrument sei eine Herausforderung, betont der Musiklehrer. Bei der Orgel beeindrucken ihn die Größe, die Klanggewalt und der besondere Raum. „Wir sind stolz auf Felix“, sagt Schulleiterin Andrea Hafner. Er habe bereits Schulgottesdienste begleitet, „sein Orgelspiel ist immer ein Genuss“. Er werde sicher auch den Abi-Gottesdienst auf der Orgel spielen, sagt Hafner.
Sein Traum: Ein Orgelstudium in Wien
Das große Ziel von Felix Stern ist das Studium der Orgelmusik. Die Bewerbungen für die Hochschulen laufen bereits. Sein Traumstudienort wäre Wien, verrät der 18-Jährige. Dort gebe es ausreichend Kirchen zum Üben. Köln und Stuttgart heißen die Mitfavoriten.
Ein Wagnis sei ein Orgelstudium allemal. „Es ist sehr anspruchsvoll und hart“, weiß Tasler. Die Aufnahmeprüfungen seien „extrem selektiv“, zudem würden die Studienplätze immer weiter abgebaut. Die Anzahl späterer Arbeitsstellen ist auch nicht üppig. Viele wählen parallel ein Pädagogik-Studium. Felix Stern will sich dennoch ganz aufs Orgelstudium konzentrieren. „Das ist mein Ziel.“
Sechs Wochen hat der 18-Jährige im Rahmen der praktischen Abiturprüfung Zeit, sich auf das Pflichtstück vorzubereiten, dazu kommen ein Wahlstück und ein Stück, das er vom Blatt spielen muss. „Sechs Wochen Vorbereitungszeit ist für ein so komplexes Instrument wie die Orgel keine lange Zeit“, betont Angelika Tasler. Wer sieht, wie die Finger von Felix Stern über die Manuale fliegen und die Füße über die Pedale tanzen, der bekommt eine leise Ahnung davon.
Felix Stern trägt an diesem kalten Dezembertag dünne Lederschuhe mit kleinem Absatz. Die Schuhe müssen eng am Fuß anliegen, damit er die Pedale gut spüren und sie – mal mit dem Absatz, mal mit der Fußspitze – gut treffen kann. Friert es einen denn nicht an den Zehen? Orgellehrerin Angelika Tasler lächelt und kramt in der Handtasche. Sie holt ein Päckchen hervor: Zum Glück gibt es Wärmepads für die Schuhe.





















