Erding darf Jagd auf Saatkrähen machen – Erding | ABC-Z

Seit zehn Jahren versucht die Stadt Erding, die Saatkrähenpopulation im Stadtpark einzudämmen, aber die Tiere werden immer mehr. Zuletzt wurden 1750 Brutpaare gezählt, 3500 Vögel. Altenheim und angrenzende Schulen können kaum ein Fenster kippen, weil das Gekrächze ohrenbetäubend ist, der Kot der Tiere verätzt geparkte Autos und Parkanlagen. Hinzu kommen die Schäden in der umliegenden Landwirtschaft. Die Krähen fressen Saatkörner und Feldfrüchte und reißen Folienballen auf. Nach Angaben des Erdinger Bauernverbandes entstehen dadurch jährlich Kosten in Höhe von rund 80 000 Euro.
Nach jahrelangen erfolglosen Bemühungen mit anderen Methoden wie Entfernung der Nester hat die Regierung von Oberbayern nach einem Forschungsprojekt der Hochschule Weihenstephan grünes Licht für den Einsatz eines Falkners und eines Jägers gegeben. Von sofort an, aber nur bis zum Beginn der Schonzeit am 15. März, dürfen Saatkrähen im Stadtpark und in ihrem bevorzugten Nahrungsgebiet in der Kompostieranlage Wurzer bejagt werden. Ein Job mit Fingerspitzengefühl: Die Vögel sollen dabei möglichst nicht auf die landwirtschaftlichen Flächen vertrieben werden, sondern in Ausgleichsflächen mit geeigneten Buchenbeständen abwandern. Aber so lautet lediglich die Theorie, letztendlich entscheiden die Vögel.
Im 19. Jahrhundert zog die preußische Armee noch mit dem Gewehr im Anschlag gegen Kormorane zu Felde, die in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern den Fischern die Beute wegfraßen und rotteten sie dabei fast aus. Auch in anderen Bundesländern wurden im frühen 20. Jahrhundert „Schadvögel“ dezimiert. Sobald sie Eier gelegt hatten, schoss man mit Schrot von unten durch das Nest – Rührei statt Nachwuchs. Das waren andere Zeiten, in der Jägerschaft hat längst ein Umdenken eingesetzt. Die Saatkrähe soll ihren Platz in der Natur behalten, aber eine weitere ungehemmte Vermehrung, so der gesellschaftliche und politische Auftrag, ist ebenfalls nicht erwünscht.
Die Tiere sollen merken, dass es im Stadtpark für sie gefährlich ist
Thomas Schreder (CSU) ist Umweltreferent des Stadtrats, Vorsitzender des Erdinger Kreisjagdverbandes und Biologe. Im Auftrag der Stadt sucht er seit Jahren nach einer Lösung für die Krähenproblematik. Er erklärt, dass bei dieser Aktion keine gravierende Dezimierung der Vögel geplant sei. Vielmehr will man den intelligenten Krähen den Eindruck vermitteln, dass es im Stadtpark gefährlich für sie sei.
Die Mittel sind ohnehin eingeschränkt. Schrot ist in der Stadt aus Sicherheitsgründen nicht zugelassen, stattdessen kommt ein Luftgewehr zum Einsatz. Allerdings eines, dass über eine deutlich höhere Durchschlagskraft verfügt, als man es beispielsweise im Sportschützenbereich verwendet. Unterstützt wird der Schütze von einem Falkner. Dessen Greifvogel hat einen gefährlichen Job, denn Krähen sind wehrhaft und attackieren Angreifer. Daher soll ein Wüstenbussard eingesetzt werden: „Der schießt nach oben, schnappt sich eine Krähe und geht damit sofort wieder zu Boden, um sie dort zu kröpfen“, sagt Schreder. „Die Krähen werden ihn hassen.“
Eine weitere Jagd auf die Krähen soll auf der Kompostieranlage der Firma Wurzer in Eitting stattfinden. Dort finden die Krähen im Biomüll Würmer, Schnecken und Käfer und können leicht geschossen werden. Flankierend dazu sollen auf Feldern um Erding Greifvogelattrappen und Ballons installiert werden, um die Vögel zu verscheuchen.
Schreder sagt, diese Maßnahmen seien seiner Ansicht nach nicht ausreichend: „Die Population ist so groß und sie wird weiterwachsen. Es gibt noch genug freie Bäume und Nahrung. Man müsste die Bestände der Saatkrähen an die der Rabenkrähen angleichen, aber da ist das Landesamt für Umwelt nicht mitgegangen.“ Man sollte eine Zielgröße für die Population ins Auge fassen, das sei aber bisher immer abgelehnt und nicht einmal diskutiert worden. „Man hat lange nicht auf die Nöte der Landwirtschaft, der Bevölkerung und der Stadt gehört. Nun ist es leider so ein Extremfall geworden. Es ärgert mich, dass man nicht früher tätig geworden ist.“





















