Er hat Verlaat verdrängt! Reinthaler mit klaren Worten an die Abwehrkollegen | ABC-Z

AZ: Herr Reinthaler, im vergangenen Oktober hatten Sie kurz nach der Verpflichtung des Trainers bereits gemutmaßt, dass die Verbindung TSV 1860 und Markus Kauczinski passen könnte. Das “Könnte” könnte man jetzt streichen, oder?
MAX REINTHALER: Ja, aus heutiger Sicht schon. Ich habe damals auch gesagt, das werden wir die nächsten Wochen sehen. Die Wochen waren dann gut, die Monate waren gut, aber wir wissen auch, Fußball ist Tagesgeschäft, bei diesem Verein noch mehr wie bei anderen. Wir als Mannschaft können nur schauen, von Woche für Woche unsere Leistung zu bringen, Spiele zu gewinnen – und auch wenn es mal nicht läuft, trotzdem dranzubleiben.
Reinthaler über die Beziehung zu Kauczinski: “Ich weiß, wie er damit umgeht”
Aber man gewöhnt sich auch an diese Turbulenzen.
Man muss als Mannschaft an das glauben, was man macht, nicht überheblich sein, aber trotzdem auch immer eine innere Ruhe haben und von dem überzeugt sein, was man macht. Und natürlich, wenn es nicht läuft, auch klar ansprechen, was nicht gut ist, um einfach immer wieder was draufzusetzen.
Es ist auch nicht von der Hand zu weisen, dass es zwischen Ihrer besten Phase bei Sechzig und dem Trainer einen Zusammenhang gibt. Seit dem 1. November haben Sie jedes Liga-Spiel über 90 Minuten absolviert.
Ich habe ja damals schon gesagt, dass ich den Trainer aus einer sehr erfolgreichen Zeit, die wir zusammen hatten, kenne. Trotzdem weiß ich auch, wie er damit umgeht. Kein Spieler kriegt einen Freifahrtschein, egal bei welcher personellen Entscheidung, das ist einfach klar. Grundsätzlich wusste ich von Anfang an, was er von mir verlangt. Er wusste, glaube ich auch, was er von mir bekommt. Und dann waren die Resultate, die wir geholt haben, irgendwo eine Bestätigung. Aber es geht weiter und wenn die Resultate nicht so bleiben, dann wird sich auch wieder was verändern. Deswegen geht es für uns als Spieler darum, das Teamziel in den Vordergrund zu stellen und persönliche Schicksale hintenan.
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Löwen-Abwehrspieler sah sich nie als “zweite Wahl”
Was Ihre Position angeht, ist sicher nicht leicht für einen Trainer zu sagen: Kapitän Jesper Verlaat ist wieder fit, aber ich verändere dennoch nichts, denn es hat sich so bewährt.
Es wird oft ein bisschen vernachlässigt, dass wir allgemein viele gute Spieler haben. Vorne haben wir nicht nur Kevin Volland, wir haben David Philipp, Fitze Wolfram, Steini, Hobschi, Flo und Sigi natürlich. Und genauso ist es hinten. Das ist von Anfang an klar gewesen, dass wir einen sehr ausgeglichenen, guten Kader haben. Deshalb habe ich mich auch in der Phase, wo ein anderer Trainer sich für jemand anders entschieden hat, nie als zweite Wahl gesehen. Es sind viele umkämpfte Plätze, immer wieder Woche für Woche. Es läuft einfach gerade in der Konstellation, das hilft jedem einzelnen Spieler, länger auf dem Platz zu stehen. Ich finde auch, dass die Medien da oft ein bisschen zu viel hineininterpretieren, in Namen, in die Binde, Co oder Kapitän, was auch immer. Wenn du nicht deine Leistung bringst oder wenn sie jemand anderes bringt, hast du keine Garantie.
Ist es aus Spielersicht nicht auch etwas Gutes, wenn man sieht, da ist ein Trainer, bei dem kriegt man nichts geschenkt, nur weil man eine bestimmte Rolle hat, sondern er erwartet, dass man sich alles verdient?
Zu 100 Prozent. Ich glaube, das ist auch gerade eine Zutat, die unsere erfolgreiche Phase ausmacht. Dass einfach jeder Spieler das Gefühl hat, dass jeder gleich bewertet wird. Und trotzdem hat jeder Spieler auch dieses Vertrauen vom Trainer, dass er weiß, er kann auf alle zurückgreifen. Diese Mischung hat er einfach. Und das können wir als Mannschaft gerade gut kanalisieren. Und wie gesagt, positive Resultate, gute Resultate sind natürlich immer fürs Mannschaftsgefüge einfacher.

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“Unsere Spielweise ist jetzt auch nicht so schlimm”
Wie würden Sie die Spielweise der Löwen gerade beschreiben? Die Mannschaft punktet konstant, sie punktet nicht immer schön, aber sie punktet.
Unsere Spielweise ist jetzt auch nicht so schlimm, wie es nach außen betitelt wird. Wir sind jetzt oben dran und es geht einfach ums Spiele gewinnen. Was ich positiv finde, gerade auch was die mannschaftliche Reife angeht, dass wir nicht noch das zweite Tor machen müssen. Ich glaube, den Fußball, den wir spielen, den spielen wir gut bis Stand jetzt. Wir wissen, dass wir natürlich immer besser spielen können. Auch wenn man ein super Spiel hinlegt, will man Sachen verbessern.
Spüren Sie, dass der Glaube an die Mannschaft wächst, der Zuspruch wächst?
Der Glaube in der Mannschaft ist noch wichtiger. Und klar, je mehr Spiele du gewinnst, je mehr Erfolgserlebnisse du hast, desto größer wird der Glaube an das Ganze, desto größer wird das ganze Gefühl. Wir wissen aber auch, dass dieses Gefühl sehr schnell wieder einstürzen kann. Wir haben jetzt Wochen der Wahrheit vor uns, wir haben noch nichts geschafft – und das ist uns auch bewusst und deswegen versuchen wir sehr neutral an die Sache ranzugehen. Es ist natürlich schön, dass die Fans, dass das Stadion uns dieses Jahr auch in den Heimspielen immer trägt. Das ist einfach ein Push, das haben wir uns auch erarbeitet. Aber ich sag’ es wieder, alles worüber wir jetzt reden, ist eine Momentaufnahme, das kann in drei Wochen wieder ganz anders aussehen. Deswegen liegt es an uns als Mannschaft, dass die Worte auch in drei Wochen Bestand haben.

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Mediale Druck ist beim TSV 1860 ein “Riesenunterschied”
Jetzt kommt am Samstag mit dem Heimspiel gegen Wehen Wiesbaden eine Begegnung mit einer besonderen Vergangenheit, sowohl für Sie als auch für den Trainer. Was ist der große Unterschied? Das Drumherum, dort beschaulich und hier viel hektischer?
Wir waren schon ein bisschen in einer anderen Situation. Wir waren nie so richtig abgeschrieben. Wir waren, glaube ich, in der Winterpause auf dem zweiten, dritten Platz, sind dann richtig gut reingestartet, haben dann aber in der entscheidenden Phase Riesenprobleme bekommen. Der Druck ist auch gestiegen. Man hat das Gefühl gehabt, da ist wirklich was drin. Und dieser mediale Druck hier ist natürlich ein Riesenunterschied. Trotzdem hatte man im Verhältnis dort nicht dieses Kribbeln, dieses Pushen von den Fans, vom ganzen Umfeld, dass auch ein bisschen tragen kann. Das Mannschaftsgefüge kann man ein bisschen vergleichen. Jeder stellt seine persönlichen Bedürfnisse noch einen Tick mehr nach hinten und trotzdem will jeder Spieler einen Teil fürs große Ganze beitragen. Wenn jemand rein rotiert, wenn jemand wieder zurückrotiert, es ist einfach diese Geschlossenheit, die wir haben. Jeder will, dass wir was erreichen – und jetzt kommen die entscheidenden zehn Spiele.
Vor der Saison hieß es, wir wollen im Frühjahr in Schlagdistanz sein. Jetzt ist das Frühjahr da, zwei Monate sind es noch, ihr seid in Schlagdistanz. Bläst man jetzt groß zum Angriff oder hält man trotzdem den Ball weiter flach?
Es sind acht Mannschaften in Schlagdistanz. Aber jede der acht Mannschaften weiß auch, wenn du drei schlechte Wochen hast, dann bist du nicht mehr in Schlagdistanz. Klar kommen jetzt direkte Duelle, Sechs-Punkte Spiele, wie immer heißt, aber sind trotzdem nur drei zu vergeben. Wir wollen einfach drei Punkte Woche für Woche und einen Baustein nach dem anderen setzen. Das ist die Marschroute, die vorgegeben wird, die wir auch als Team haben. So sind wir die letzten Wochen gut gefahren und so hoffen wir die nächsten Wochen auch gut zu fahren.





















