Entdecke Alt-Tempelhof – Vom den seltenen Habichskräutern zu den Relikten der Dampflok-Periode | ABC-Z

Alt‑Tempelhof gehört zu den geschichtsträchtigsten Ortsteilen Berlins. Bekannt ist der Stadtteil vor allem durch den ehemaligen Zentralflughafen Berlin‑Tempelhof, der bereits 1923 den Linienverkehr aufnahm und bis 2008 zu den drei internationalen Flughäfen im Großraum Berlin zählte.
Doch Tempelhof ist weit mehr als ein Ort der Luftfahrtgeschichte. Ein Spaziergang durch Alt‑Tempelhof (am Ende der Tour ein Wegstück in Schöneberg) führt tief hinein in spannende historische Ereignisse und architektonische Besonderheiten.
Startpunkt Landschaftsfriedhof Eythstraße
Eine ausführliche Tourbeschreibung – vom U‑Bahnhof Alt‑Tempelhof bis zum S‑Bahnhof Priesterweg – bietet die lialo‑App. „In Tempelhof steht ein Ochse aus Berlin“.
Sie lässt sich problemlos mit dem Smartphone öffnen.
Dies ist der 5. und letzte Teil der Tour.
Der Spaziergang beginnt auf dem Friedhof in der Eythstraße.
Der Friedhof ist ein botanisches Kleinod: Neun seltene Arten der Habichskräuter sind hier angesiedelt – ein Schatz für den Naturschutz. Auf dem Rundgang kann es passieren, dass zutrauliche Eichhörnchen über den Weg laufen, denn sie haben hier ihr Revier.

Den Friedhof verlassend, geht es links über die Domnauer Straße weiter bis zur Lindenhofsiedlung, die sich zum Ende der Straße rechts erstreckt. Die Siedlung entstand von 1918 bis 1921 nach Plänen des Schöneberger Stadtbaurates Martin Wagner und des Architekten Bruno Traut. (der u.a. auch für die Hufeisensiedlung in Britz, die Siedlung am Schillerpark in Wedding, die Waldsiedlung Onkel-Toms-Hütte und die Siedlung Eichkamp mitverantwortlich zeichnete).

Die zweigeschossigen Reihenhäuser mit Gärten und zusätzlich einer Parkanlage wurden als Genossenschaftsbau errichtet. Die Planer orientierten sich an der Idee einer Gartenstadt. Der Lindenhof – eine Pioniersiedlung mit Vorbild-Charakter – zeichnete sich vor allem durch guten Wohnraum zu günstigen Konditionen, zahlreiche Gemeinschaftseinrichtungen und die Möglichkeit der Selbstversorgung in Hausgärten aus.
80 Prozent der Siedlung war zerstört
Im Zweiten Weltkrieg wurden nahezu 80 Prozent der Lindenhofbauten zerstört. Teile konnten wieder aufgebaut werden. Seit den Jahren des Wiederaufbaus bis heute lassen sich im Lindenhof die verschiedenen Architekturstile des 20. Jahrhunderts ablesen. Die historische Siedlung wirkt aufgrund ihrer Lage und Architektur wie eine Insel innerhalb der Großstadt. Als ehemalige Gartenstadt zeichnet sich der Lindenhof durch seine parkähnlichen Freiflächen mit altem Baumbestand und eigenem Weiher aus, der aus einem eiszeitlichen Pfuhl entstanden ist. Im Lindenhof leben rund 2500 Bewohner in 232 Häusern mit insgesamt 1262 Wohnungen.
Wir verlassen die Siedlung über die Brücke und gehen gleich rechts weiter am Weiher entlang. Nach 170 Metern überqueren wir an der Ampel die Röblingstraße und unterqueren wenige Meter weiter die S-Bahnlinie.

Ein Euro für die Natur
Gleich hinter der Brücke geht es rechts die Treppen hoch in den Natur-Park Schöneberger Südgelände (vorher bitte noch einen Euro in den Automaten werfen).
Der kleine Obulus ist gut angelegt, denn der Park bietet ein abwechslungsreiches Angebot.
Wer die Stufen nicht bewältigen kann oder will, der folgt der Straße weiter bis zum S-Bahnhof Priesterweg. Dort ist ein ebenerdiger Eingang in den Park.
Der Ausbau des Naturparks erfolgte unter Regie der landeseigenen Grün Berlin, die den Park konzipiert hat und auch verwaltet.
Nach der Eröffnung der Berlin-Anhaltischen Eisenbahn im Jahr 1841 und der Berlin-Dresdener Eisenbahn 1875 verliefen die Gleise beider Bahnstrecken nördlich des heutigen Prellerwegs auf einer gemeinsamen Trasse.
Dampfende Lokomotiven versetzten die Landschaft in Rauch und Ruß
Ab 1889 fuhren hier täglich dampfende Lokomotiven und versetzten die Landschaft in Rauch und Russ. Hier wurde 1931 das Bahnbetriebswerk „Tempelhof Rangierbahnhof“ aufgebaut, auf dessen Ruinen der heutige Spaziergang erfolgt.
1952 erfolgte die Schließung des Anhalter Bahnhofs, ebenso wurde die Westhälfte des Rangierbahnhofs Tempelhof stillgelegt. Der Rangierbahnhof wurden allmählich von der Natur zurückerobert.
1995 übereignete die Deutsche Bahn AG dem Berliner Senat das Gelände als Ausgleich zu Eingriffen in die Natur, die im Zusammenhang mit dem Ausbau von Verkehrsanlagen in der Innenstadt entstanden. So entstand ein Naturidyll, das seines Gleichen sucht.
Es entstand eine Naturlandschaft mit Relikten aus der Dampflok-Ära
Aus der Bahnwüste entwickelten sich wertvolle Trockenrasen, Hochstaudenflure und ein urwüchsiger Wald – ohne Einfluss des Menschen.
Es entstand eine einzigartige Naturlandschaft mit markanten Relikten der Dampflok-Ära, die überall auf dem Gelände verstreut zu finden sind und eine spannende Geschichte erzählen über Natur und Technik. Es lohnt sich allemal auf eigene Faust auf Entdeckungsreise zu gehen, die man bis zum Bahnhof Südkreuz ausdehnen kann.
Text und Fotos: Klaus Tolkmitt





















