Eisschnellläufer Finn Sonnekalb vor Start bei Olympia 2026 | ABC-Z

Er ist erst 18 Jahre alt und trägt trotzdem bereits die Hoffnungen eines ganzen Verbandes: Finn Sonnekalb. Am Mittwoch geht der Eisschnellläufer bei den Olympischen Winterspielen erstmals an den Start.
Finn Sonnekalbs außergewöhnliches Talent zwang seinen Vater in sein ganz eigenes Olympia-Abenteuer. Weil der deutsche Eisschnellläufer mit nur 18 Jahren erstmals an Winterspielen teilnimmt, reiste der Vater zur Unterstützung aus Erfurt mit dem Fahrrad nach Norditalien – und löste so ein Versprechen ein. “Im Jahr 2024 habe ich ihm gesagt: Wenn du es schaffst, 2026 nach Mailand zu kommen, dann komme ich mit dem Rad runtergefahren. Das muss ich jetzt einlösen“, sagte Papa Gerrit Schädler dem MDR.
Am Montagnachmittag erreichte er nach fast 1.000 Kilometern in den Beinen sein Ziel, die Tortur endlich vorbei. “Ich bin bei Minus neun Grad gestartet, tiefster Winter, das war schon hart“, gab der 53-Jährige bei der Ankunft in Mailand zu. “Ich bin erleichert, es war wirklich schön. Es war kalt, aber jetzt bin ich da, cool“, so Schädler weiter.
Rechtzeitig also, um seinen Sohn, den deutschen Shootingstar auf dem Eis, auf dessen Nebenstrecke über 1.000 Meter (am 11. Februar ab 18:30 Uhr, live in der ARD) beim ersten olympischen Wettkampf zu unterstützen. Druck macht Finn Sonnekalb sich nicht. “Ich würde gerne in die Top-Plätze laufen. Das wäre echt schön“, sagte Sonnekalb. “Aber ich mache mir da wirklich keine Platte. Ich mache mein Ding und gucke, wofür es reichen wird.“
Sonnekalb weckt Hoffnung auf erste Medaille seit 2010
Sonnekalb ist ein Glücksfall für das seit Jahren arg gebeutelte deutsche Eisschnelllaufen. Bei den vergangenen drei Winterspielen in Sotschi (2014), Pyeongchang (2018) und Peking (2022) blieb der einst erfolgsverwöhnte Verband ohne Medaille. Die Hoffnungen, dass Sonnekalb die quälend lange Durststrecke in Mailand beendet, sind nicht unbegründet, vor allem in seiner Königsdisziplin über 1.500 Meter (19. Februar).
Der Erfurter gewann bei internationalen Junioren-Meisterschaften Goldmedaillen in Serie, holte bei den Olympischen Jugendspielen in Gangwon 2024 sowie der Junioren-WM im Februar 2025 drei Titel. In seiner ersten Weltcup-Saison im Seniorenbereich lief der Deutsche Meister über 1.000 Meter und 1.500 Meter drei Mal aufs Podium. “Alles, was er dieses Jahr schon geschafft hat – der Teller ist voll“, sagte Sonnekalbs Vater am Montag. “Und alles was jetzt noch kommen sollte, ist Zugabe.“
Routinier Beckert bremst Erwartungen an Sonnekalb
Sonnekalbs Mannschaftskollege Patrick Beckert, der in Mailand seine fünften Winterspiele bestreitet, warnt vor zu hohen Erwartungen an den Jungstar. “Man darf nicht vergessen, dass er 18 Jahre alt ist“, sagte Beckert. Sonnekalb sei die “Zukunft des Eisschnelllaufens, aber er sollte nicht die Last tragen, dass er die Medaillen holen muss“.
Anders als Routinier Beckert steht Sonnekalb im Team Deutschland für die neue Generation. Der Teenager tritt mit erfrischender Lockerheit auf, teilt seine Erlebnisse und die gute Laune bereitwillig in den Sozialen Medien. Vom Sprung auf das Podium und einer Medaille würde er dort allzu gern berichten.
Mit ganz viel Lockerheit und guter Laune: Finn Sonnekalb gibt sein Olympia-Debüt bei den Winterspielen 2026
Sonnekalb liebt das Gefühl des Gewinnens
Sonnekalb liebt das Gefühl des Gewinnens, er habe einen “Drang, einfach besser als irgendjemand zu sein. Das treibt mich an. Ich möchte nicht sagen, dass jemand schneller ist. Ich mag das nicht“, sagte Sonnekalb: “Jedes Mal, wenn ich auf der Bahn stehe, will ich gewinnen. Ich bin ein Wettkampftyp.” Der rote Bereich ist seine Komfortzone. Auch im Training bevorzugt er die kurzen, harten Tempoeinheiten. Im Wettkampf ist er bereit, “über die Kotzgrenze” hinauszugehen.
Sein Vater Gerrit Schädler wird sich nach seiner Fahrradtour über die Alpen in Mailand selbst ein Bild davon machen.





















