Eiskunstläuferin Alysa Liu: Diese Olympiasiegerin verkörpert eine ganze Generation | ABC-Z

Die Amerikanerin Alysa Liu gewinnt Gold im Eiskunstlaufen. Es ist der große Lohn für einen mutigen, rebellischen Lebensweg. Mit ihrer Einstellung dürfte die 20-Jährige vielen Frauen Motivation und Inspiration sein.
Sie gilt als rebellisch, als selbstbestimmt und unkonventionell. US-Eiskunstläuferin Alysa Liu entspricht nicht dem typischen Bild einer professionellen Eiskunstläuferin – weder auf dem Eis noch abseits davon. Weder optisch noch künstlerisch. Eines aber ist nicht diskutabel: ihr Können.
Nicht einmal zwei Jahre nach ihrem Comeback hat sich die 20-Jährige mit einer fehlerfreien Kür bei den Winterspielen in Italien zur Olympiasiegerin gekrönt. Liu verbesserte sich nach dem Kürprogramm vom dritten auf den ersten Rang.
Zweite wurde die Japanerin Kaori Sakamoto vor ihrer Teamkollegin Ami Nakai, die mit 17 Jahren ihr olympisches Debüt feierte. Für Sakamoto, die bereits vor vier Jahren Bronze gewann, war der Auftritt in Italien der Abschied von der olympischen Bühne. Nach der Saison beendet sie ihre Karriere.
Doch Liu stahl den beiden Asiatinnen die Show. Sie ist die erste amerikanische Eiskunstlauf-Olympiasiegerin bei den Frauen seit Sarah Hughes 2002 in Salt Lake City. „Es war so schön, ihre Freude zu sehen, ihre Unbeschwertheit. Sie hat ihre Sprünge mit ganz großer Sicherheit gezeigt“, sagte die zweimalige Olympiasiegerin Katarina Witt in der ARD. „Es war eine sehr gute Konkurrenz, nicht so ein Sturzfestival wie bei den Männern.“
2022 hatte Liu überraschend entschieden, ihre stets von ihrem Vater begleitete Laufbahn nicht weiter fortzuführen. Sie fühlte sich fremdbestimmt, in ein Korsett gezwungen und bevormundet. Ihr fehlte die Freiheit, auch das allgemein gängige Schönheitsideal in ihrem Sport missfiel ihr. Essstörungen waren kein Opfer, das sie bringen würde. Sie war damals 16 Jahre alt – und beendete ihre Karriere, ehe sie überhaupt so richtig begonnen hatte.
Ähnlich überraschend, dass sie dann doch wieder zurückkam – allerdings unter ihren Bedingungen. „Sie kam in meinem Büro auf mich zu und sagte: ‚Ich habe eine sehr wichtige Neuigkeit: Ich möchte wieder Schlittschuh laufen‘“, erzählte ihr Vater, der Anwalt Arthur Liu der „New York Times“: „Und dann sagte sie mir, dass ich überhaupt nicht mehr dabei sein würde, dass ich nicht mehr Teil des Teams sei.“ Mit Tränen in den Augen fügte er hinzu: „Ich muss ehrlich sein, das hat wehgetan.“
Seine Tochter aber hatte erkannt, was sie brauchte: Sie wollte selbst entscheiden, wie und wann sie trainiert, wollte bei der Musikauswahl und der Wahl ihrer Wettkampfkleider mitbestimmen. Seitdem, sagte ihr Vater der „New York Times“ sei ihm klar geworden: Damit Alysa in den Sport zurückkehren könne, müsse er sie gehen lassen.
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„Ich konnte ihr wirklich nicht verdenken, dass sie ihren eigenen Weg gehen wollte“, sagt Liu senior, der vor mehr als 35 Jahren als politischer Flüchtling in die USA kam, nachdem er während der Niederschlagung der Proteste auf dem Tiananmen-Platz in China Studentenproteste organisiert hatte. „Wir sind beide sehr freiheitsliebend.“
Seine Tochter kehrte also zur Saison 2024/2025 zurück und wurde auf Anhieb Weltmeisterin. Mit ihrer Courage und ihrer Selbstbestimmung dürfte sie vielen als Vorbild und Inspiration dienen. Im immer noch biederen, konservativen Eiskunstlaufen ist sie inmitten vieler Eispüppchen mit ihren mal strähnig, mal stufig gefärbten Haaren und Gesichtspiercings ein buntes Element. Sie steht für Modernität und Emanzipation und verkörpert damit die neue Generation.
Ab sofort tut sie dies als Olympiasiegerin. Dass sie im Moment ihres Triumphs zunächst damit beschäftigt war, die völlig überwältigte Bronzemedaillen Ami Nakai zu beruhigen, ehe sie sich über ihren eigenen Titel freute, beschreibt sie treffend. Liu will Erfolg und Misserfolg nicht persönlich nehmen, und es ist eben diese fehlende Verbissenheit, die ihr auf dem Eis die wunderbare Leichtigkeit verleiht. Liu, die optisch an die Musikerin Billie Eilish erinnert, hat vor allem Spaß.
Amber Glenn verbessert sich noch auf Platz fünf
Den hatte zumindest am Donnerstagabend auch die amerikanische Meisterin Amber Glenn, die im Kurzprogramm noch schwer gepatzt hatte und sich mit ihrer wunderbaren Kür noch vom 13. auf den fünften Platz verbesserte. Für eine Medaille reichte es trotz der drittbesten Kür aber nicht.
Für Deutschland war keine Läuferin dabei, eine in Deutschland gebürtige Sportlerin nahm trotzdem teil. Die für Rumänien startende Julia Sauter belegte den 17. Rang. Als sie 15 Jahre alt war, wurde sie in Deutschland aus dem Kader sortiert, weil sie keine zwei verschiedenen Dreifachsprünge beherrschte. In der Kür sprang sie insgesamt sechs Dreifachsprünge, davon vier verschiedene.
„Ich unterstütze unsere deutschen Läufer, ich wohne in Deutschland. Ich liebe unsere deutschen Paare und ich feuere die genauso an, aber für meine Karriere ist es das Land Rumänien“, sagte Sauter, die in Baden-Württemberg geboren wurde.





















