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Geschichte: Erinnerung an die Sendlinger Mordweihnacht – Fürstenfeldbruck | ABC-Z

Die Weihnachtszeit vor 320 Jahren war in Bayern alles andere als friedlich, denn bei einem Versuch der Oberländer, München von den habsburgisch-kaiserlichen Besatzern zu befreien, wurden in der Christnacht 1705 bei Sendling etwa 1100 Aufständische von den Österreichern niedergemetzelt. In dieser „Sendlinger Mordweihnacht“ verloren auch Aufständische aus der Region ihr Leben, was darauf schließen lässt, dass die Bedrückung durch die Besatzer bayernweit die Bevölkerung aufgebracht hatte. Tatsächlich hatten sich in der Oberpfalz, in Niederbayern (Unterländer) und in Oberbayern (Oberländer) Zentren des Aufstandes gebildet.

Zur Vorgeschichte: Nachdem 1700 König Karl II. von Spanien kinderlos gestorben war, wollten sowohl Kaiser Leopold von Österreich als auch König Ludwig XIV. von Frankreich, die beide mit einer Schwester des Verstorbenen verheiratet waren, das Erbe antreten. Aus dem Streit wurde der Spanische Erbfolgekrieg, in dem Bayerns Kurfürst Max Emanuel Frankreich unterstützte, weil er Vorteile für sich und das Land erhoffte.

Im Jahre 1704 hatten die Bayern nach vielen begrenzten Plünderungen durch die Österreicher in der Schlacht bei Höchstädt (Schwaben) eine entscheidende Niederlage erlitten, in deren Folge kaiserliche Truppen das Land besetzten und das niedere Volk hemmungslos mit hohen Steuern und der Pflicht, Truppen zu versorgen, auspressten. Jakob Groß schreibt dazu in seiner Chronik von Fürstenfeldbruck (1877): „Die Willkür der Sieger kannte keine Grenzen. Sie bezogen Winterquartiere. Jedes Haus erhielt Soldaten und jedem musste täglich ein Pfund Fleisch, zwei Pfund Brot, eine Maß Wein und für das Pferd sechs Pfund Haber und acht Pfund Heu oder stattdessen wöchentlich drei Gulden verabreicht werden.“

Der Hass auf die Kaiserlichen gründete aber auch auf Ereignissen vor der Schlacht bei Höchstädt. Aus einem Grafrather Mirakelbuch hat der Altphilologe und Rasso-Forscher Ernst Meßmer übersetzt, dass die gefassten Gebeine des Ortsheiligen mehrmals nach München gebracht wurden, um sie vor Plünderung zu schützen. Der Chorherr Antonius Riedl vom Kloster in Dießen (Ammersee) schrieb nieder, dass die Kaiserlichen den Markt Bruck „in Schutt und Asche“ legten, das Kloster Fürstenfeld plünderten und Ortschaften wie Oberlappach, Rottbach und Deisenhofen heimsuchten.

Gedenktafel in der Allinger Kirche: Seit 1905 wird dort an die Gefallenen aus dem Ort erinnert. (Foto: Gemeinde Alling)

Guido Treffler schreibt in der Chronik von Althegnenberg, in der Hofmark Hegnenberg sei durch Schutzgeld und Plünderungen „alleine 1704/1705 ein Schaden von über 41 000 Gulden entstanden“. Im Heimatbuch Fürstenfeldbruck von 1952 wird das Jahr 1704 als „besonders schlimm“ bezeichnet, weil die feindlichen Truppen Rottbach und Umgebung brandschatzten sowie Puch, Mittelstetten, Tegernbach, Jesenwang und weitere Dörfer niederbrannten. Auch Esting und Maisach seien in Flammen aufgegangen und noch 1707 seien dort von 86 Firsten nur 62 „notdürftig“ wieder aufgebaut gewesen.

Gemäß Einschätzung vieler Historiker brachte die rücksichtslose Rekrutierung von Soldaten für das Habsburger Heer das Fass zum Überlaufen. So war zum Beispiel an die Landgerichte Bruck und Dachau der Befehl ergangen, Soldaten zu stellen. Da dies aber nicht erfolgte, begann „eine systematische, rücksichtslose Suche nach wehrfähigen Männern“, wie es in mehreren Ortschroniken heißt.

Schließlich formierte sich in der Weihnachtswoche 1705 unter dem Wahlspruch „lieber bairisch sterben, als kaiserlich verderben“ das Aufstandsheer der Oberländer, um München zu befreien. Doch das ging gründlich schief, weil die Kaiserlichen das vereinbarte gemeinsame Losschlagen mit den Unterländern unterbinden und auch in München eine Rebellion verhindern konnten. Als rund 3000 Oberländer, hinsichtlich Bewaffnung und Kriegstaktik ohnehin unterlegen, am Heiligen Abend Richtung München vorrückten, wurden sie von kaiserlichen Soldaten überfallen, in den Sendlinger Friedhof zurückgedrängt und dort gnadenlos erschlagen oder erschossen.

Blick auf die Allinger Kirche.
Blick auf die Allinger Kirche. (Foto: Günther Reger)

In den Jahrbüchern der Münchner Kapuziner heißt es: „Die kaiserliche Soldateska hat zu Sendling mit grauser Mörderei 1100 in rasender Wut hingemetzelt, in dem sie am Tage, wo der Heiland durch seine Geburt, um uns das Leben zu geben, auf die Welt kam, dieser einfältigen Herde zwei- bis dreimal wortbrüchig das Leben nahm.“ Aus den Amtsakten der damaligen Hofmarken und Schergenämter ist ersichtlich, wer aus ihrem Einflussbereich am Aufstand beteiligt war, zu Tode kam oder entkommen konnte.

So ist für Gilching festgehalten, dass ein Joseph Hueber (18 Jahre) zwar fliehen konnte, wenige Tage später aber an den Folgen starb. Aus Puchheim ist ein Georg Killer als verstorben vermerkt, aus Schöngeising ist der Bauer Georg Huerner (28 Jahre) als gefallen registriert und aus Wildenroth (Grafrath) der Bettler Andreas Kirchmayr (39). Dem Kirchenbuch der Pfarrei Unterpfaffenhofen, sind die Namen von zwölf Toten aus Alling genannt.

Aus Anlass des Gedenkens an die Sendlinger Mordweihnacht wurde 1905 in der Allinger Kirche, an der Wand der Eingangsvorhalle, eine Tafel mit den Namen dieser in der Sendlinger Mordweihnacht Gefallenen angebracht. Laut Kirchenbuch sind fünf der zwölf im Allinger Friedhof beerdigt, die übrigen „wahrscheinlich in Sendling“.

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