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Ein Schwabinger Märchen: Wie diese drei Frauen zu Schutzengeln einer 83-Jährigen wurden | ABC-Z

Es gibt sie noch, die Geschichten von selbstloser Solidarität und großer Hilfsbereitschaft. Auch in München. Gisela Maier (Name geändert) kann eine davon erzählen.

Die 83-jährige Schwabingerin musste vor zwei Wochen aus ihrer brennenden Wohnung in der Düsseldorfer Straße fliehen. Sie habe sich selber noch retten können, war auf Socken nach unten vor das Haus gelaufen. Eigentlich wollte sie nicht, aber die Retter bestanden darauf, sie ins Krankenhaus zu bringen. Dort blieb sie auch über Nacht.

Das Schwabinger Haus.
Das Schwabinger Haus.
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Derweil machte sich Nurten Kör (47), Chefin des Antep-Kebab-Imbisses an der Belgradstraße, die die Rauchsäule gesehen hatte, große Sorgen um ihre Stammkundin und gute Bekannte Gisela Maier. Am Vormittag hatte man noch gemeinsam Tee getrunken. „Ich ahnte, dass es bei ihr brannte“, erzählt Nurten Kör von dem Tag des Brandes.

Sie lief deshalb in die Düsseldorfer Straße und zu dem brennenden Mehrfamilienhaus. Die 83-Jährige war nicht da. Feuerwehr und Sanitäter konnten ihr keine Auskunft geben. „Ein Nachbar hat mir dann gesagt, dass sie lebt.“ Die Erleichterung war groß. Aber wo sich Gisela Maier aufhielt, blieb immer noch ein Rätsel.

Helferinnen in der Not: Nurten Kör und ihre Töchter Filiz und Yeliz. Die Frauen nahmen die 83-jährige Gisela Maier (die nicht aufs Foto wollte) nach einem Wohnungsbrand bei sich auf.
Helferinnen in der Not: Nurten Kör und ihre Töchter Filiz und Yeliz. Die Frauen nahmen die 83-jährige Gisela Maier (die nicht aufs Foto wollte) nach einem Wohnungsbrand bei sich auf.
© Sigi Müller
Helferinnen in der Not: Nurten Kör und ihre Töchter Filiz und Yeliz. Die Frauen nahmen die 83-jährige Gisela Maier (die nicht aufs Foto wollte) nach einem Wohnungsbrand bei sich auf.

von Sigi Müller

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Die Familie Kör telefonierte alle Krankenhäuser ab und wurden endlich fündig. Nurten Kör und ihre Tochter Yeliz (22) fuhren dorthin und holten Maier ab. „Als ich Gisela im Krankenhaus wiedergesehen habe, musste ich weinen“, erinnert sich Nurten Kör. Für sie sei Gisela Maier „so etwas wie meine Mama“.

Es mutet wie ein Schwabinger Märchen an

Die 83-Jährige hatte nur eine leichte Rauchvergiftung erlitten, sagt sie. Die Wohnung war aber völlig verrußt und unbewohnbar, Inzwischen wurden auch die Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen. Gisela Maier aber musste schriftlich ihre Zustimmung geben, das Krankenhaus zu verlassen. Dann ging es mit der Familie Kör zurück nach Schwabing.

Es mutet ein wenig wie ein Märchen an: Die Frauen nahmen Gisela Maier zu sich nach Hause, wuschen sie und kleideten sie mit frischen Sachen ein. Sie gaben ihr zu essen und nahmen sie für die ersten Tage ohne Wohnung bei sich auf.

Am Mittwoch soll sie jetzt erstmal in eine neue Wohnung einziehen. Die Sanierungsarbeiten in ihrer Wohnung dürften noch eine Weile dauern. Bis dahin lebt sie bei einer Nachbarin, die bereits den Kater von Gisela Maier in Obhut genommen hat. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte.


Gisela Maier empfindet große Dankbarkeit.
Was ihr mit der Familie Kör geschehen ist, hat für die 83-Jährige eine Botschaft, erklärt sie dem AZ-Reporter: „Ich habe kein Verständnis für Menschen, die Vorurteile gegen Ausländer schüren.“

Deshalb hat sie die AZ angerufen und ihre Geschichte von Solidarität und Hilfsbereitschaft erzählt.

 

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