Ein Plädoyer für gute Weingläser | ABC-Z

Was liest man nicht alles über gute Tischmanieren. Man soll die richtige Körperhaltung haben, mit Besteck umgehen können, lautlos essen und den Ellbogen nicht auf den Tisch stützen. Über die Respektlosigkeit und den groben Umgang mit Wein findet man bei Knigge & Co. nichts.
Es ist in Deutschland zur Gewohnheit geworden, selbst edelste Tropfen in klobige und billige Gläser zu gießen. Dann wird vornehm geprostet, genippt und getrunken, ohne dass es jemand etwa anstößig findet, dass der Champagner aus billigen Flöten auf den Gaumen fließt. Der Fingernagel des Daumens gleitet genüsslich am dicken Stiel entlang, und die Lippen legen sich auf die plumpe Wulst des Glasrandes. Schon die Form der Flöte ist eine Frechheit. Entsorgt sie, und kauft ordentliche Weingläser!
Ein Weinglas bleibt
Etwas größere für Weißwein sind ein guter Anfang, darüber freut sich jeder Schaumwein. Eines darf gerne 40 oder 50 Euro kosten. Verschluckt? Ob Tennistrainerstunde, Monatsgebühr für ein Sky-Abo oder 30 Liter Benzin: Dieses Geld ist schnell weg, ein Weinglas bleibt. An Weihnachten kommt dann das Burgunderglas dazu. Verteilt man die Käufe aufs Jahr, hat man am Ende einen Satz Gläser auch für Gäste. Fünfzig Euro für ein mundgeblasenes Weinglas sind angemessen, wenn man sieht, wie sich hart arbeitende und ständig schwitzende Glasbläser vor dem glühenden Ofen die Pfeife in die Hand geben.
Wer Handarbeit nicht mag und auf Maschinen steht, sollte das Ikea-Regal ignorieren und sich von namhaften Glasherstellern welche für 20 oder 30 Euro das Stück kaufen. Sie können mittlerweile mit ihren mundgeblasenen Pendants mithalten, sind für Laien häufig nicht zu unterscheiden. Der Wein, die Nase und der Gaumen werden es danken. Aus einem schlechten Wein kann man zwar mit keinem Glas der Welt einen guten machen. Aber aus dem falschen Kelch schmeckt der beste Wein der Welt nur mäßig. Es ist Zeit für geschmackvollere Tischmanieren.





















