Bezirke

Ein Grünwalder Verein unterstützt Schulen in Sri Lanka – Landkreis München | ABC-Z

Wenn der Wecker an einem Wochentag um 6.45 Uhr klingelt und Claudia Luft auf ihr Handy blickt, schlagen ihr nicht als Erstes ernüchternde Weltnachrichten von Hass und Krieg entgegen. Sie blickt in lachende Gesichter von Kindern, die in der Schule vor einem warmen Mittagessen sitzen – am anderen Ende der Welt, in Sri Lanka. Es sind Fotos, die sie jeden Morgen in ihrem Whatsapp-Kanal erhält. Dann weiß Claudia Luft, dass es eine gute Entscheidung war, gemeinsam mit ihrer Freundin Grit Graßberger den Verein Juniti in Grünwald zu gründen.

Weiße Traumstände, Kokospalmen, grüne Teeberge, fantastische Nationalparks, Menschen voller Gastfreundlichkeit – so wird Sri Lanka von Reiseanbietern im Internet angepriesen. Beliebt sind Ayurveda-Kuren in traumhaften Resorts im Süden des Landes, wo Reisende bei Yoga, Meditation und ausgewogener Ernährung Körper, Geist und Seele wieder in Einklang bringen wollen. Eine solche Kur haben auch die beiden Freundinnen Claudia Luft und Grit Graßberger im Frühjahr 2023 gemacht.

Abseits der malerischen Strände in den Touristenregionen finde sich in Sri Lanka aber auch bittere Armut, erzählt Claudia Luft in einem Videotelefonat Mitte Januar, während sie gerade erneut dort zur Kur ist. Die anhaltende Wirtschaftskrise seit 2022, die die Lebensmittelpreise in die Höhe schießen ließ, habe vor allem die Menschen im Landesinneren, in der Region Badulla, schwer getroffen, berichtet sie. Dort leben viele Familien vom Teeanbau, sie erhalten als Teepflücker nur geringe Löhne, es gibt Hunger, dürftige Gesundheitsversorgung und schlechte Wohnverhältnisse. Eltern schicken ihre Kinder aus Scham nicht mehr zur Schule, weil sie das Geld für die Schulspeisung nicht aufbringen können. Die Kinder sind oft mangelernährt, stehen unter Stress und vermissen emotionale Stabilität.

Nun müsste man sich in einem schönen Ayurveda-Resort über all dies keine Gedanken machen. Man müsste auch sein Hotel gar nicht verlassen während eines Aufenthalts, es gibt dort alles und davon genug. Doch das reichte den Freundinnen im Frühjahr 2023 nicht. Claudia Luft verließ damals das Resort. Sie kam mit Einheimischen ins Gespräch und erfuhr von der Not in dem Land.  Abends, am gedeckten Tisch im Resort, sprachen die Freundinnen darüber. „Wir müssen etwas machen“, war der Satz, der sich im Kopf von Claudia Luft festsetzte, so berichtet sie heute.

Die Vereinsgründerin hat sich schon als Jugendliche engagiert

Wieder zu Hause in Deutschland hat sie das Thema nicht losgelassen. Die bedürftigen Kinder seien ihr ans Herz gegangen, erzählt sie. Gleichzeitig hatte sie im Leben schon eine wichtige Erfahrung gemacht: dass man etwas bewegen kann. Seit ihrem 16. Lebensjahr sei sie immer wieder in verschiedenen Projekten ehrenamtlich aktiv gewesen, erzählt sie, während bei dem Videotelefonat der Indische Ozean im Hintergrund rauscht. Als Jugendliche lebte sie mit ihrer Familie an der Ostsee und gründete eine Umwelt-AG, um den Müll, den die Touristen hinterließen, aufzuräumen. Später engagierte sie bei sich bei Brunnen- und Solarprojekten in Afrika und Brasilien. Als Ökonomin, Psychologin und selbständige Unternehmerin im Bereich erneuerbare Energien und nachhaltige Wirtschaftsentwicklung – so beschreibt sie ihre berufliche Tätigkeit – muss sie immer wieder unterschiedliche Positionen zusammenbringen. Das hilft der Münchnerin, die ihre Firma in Grünwald hat, auch im Ehrenamt.

Im Sommer 2023 reiste Luft noch einmal alleine nach Sri Lanka, um herauszufinden, was genau sie beitragen könnte, damit es den Kindern dort langfristig besser geht. Es brauchte noch ein paar intensive Recherche-Schleifen, gute Kontakte in Sri Lanka, die ihr über einen Geschäftspartner vermittelt wurden, und Ausdauer bei einem langwierigen Vereinsgründungsprozess, bis der Verein Juniti geboren war. Claudia Luft ist seitdem Vorsitzende, Grit Graßberger ihre Stellvertreterin. Ihr gemeinsames Ziel: bei den Kleinsten ansetzen, den Vorschulkindern im Alter zwischen vier und fünf Jahren in der Region Badulla, und dort einen Grundstein für Bildung legen. Es ist die Chance, eines Tages der Armut zu entkommen und ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Um das zu erreichen, finanziert der Verein warme Mittagessen für die Kinder sowie Schul- und Lernmaterialien, auch Schuluniformen. Vor allem die Mahlzeiten sind die Voraussetzung, dass Eltern ihre Kinder zur Schule schicken.

Seit Beginn der Essensausgabe im Mai 2024 hätten an sechs Schulen in der Region Badulla 40 000 Essen an die Kinder ausgegeben werden können, erzählt Claudia Luft: „Das ist eine gigantische Nummer.“ Täglich erhalten ihr zufolge mehr als 140 Kinder eine warme Mahlzeit, es kommen wieder deutlich mehr Kinder in die Schulen und alle paar Wochen untersucht sie eine Ärztin. Um Hilfe zur Selbsthilfe zu etablieren, sind die Mütter der Kinder in das Projekt eingebunden und helfen beim Kochen. Finanziert wird das Ganze aus Spendengeldern und Mitgliedsbeiträgen, die Juniti in Deutschland zusammenträgt.

Claudia Luft (vorne)  und ihre Freundin Grit Graßberger (Mitte) helfen beim Neubau der Schule in Oliyamandiya in der Region Badulla in Sri Lanka. (Foto: privat)

Dabei sind auch die Kinder der Vereinsgründerinnen eingebunden, die beiden Familien sind seit vielen Jahren befreundet. Julius, Nike und Tim bilden mit ihren Anfangsbuchstaben den Vereinsnamen Juniti, sie pflegen den Instagram-Kanal und haben schon einen Spendenlauf an einer Schule organisiert, um Geld für den Verein zu sammeln. Das ganze Projekt funktioniert auch deshalb aus der Ferne, weil die beiden Frauen – beide sind Mitglieder im Rotary Club – Kontakt zu den Rotariern in Badulla aufnehmen konnten und inzwischen eine enge Partnerschaft pflegen. So betreuen zwei Club-Mitglieder die Umsetzung des Projekts am Ort und kümmern sich um die Essensausgabe. Sie sind es auch, die täglich die Fotos der Kinder aufs Handy schicken.

Claudia Luft ist nicht umsonst Ökonomin, sie setzt auch mal nüchterne Zahlen ein, um Sponsoren zu beeindrucken. Dazu zitiert sie aus dem World Bank Human Capital Index: Jeder Dollar Investition in frühkindliche Bildung bringt bis zu 13 Dollar Ertrag über eine Lebensspanne hinweg, es ist der höchste Ertrag im Vergleich zu anderen sozialen Maßnahmen. Mit 15 Euro pro Monat kann über Juniti ein Kind mit Essen und Schulmaterial versorgt werden. „Es tut gut, dass wir etwas erreichen können“, sagt Claudia Luft, für die Juniti zum „Herzensprojekt“ geworden ist.  „Jeder, dem es gut geht, kann etwas zurückgeben.“ Inzwischen reisen auch Freunde und Unterstützer des Vereins nach Sri Lanka und besuchen die Schulen.

Beim Bau der neuen Schule werden Grit Graßberger (ganz links) und Claudia Luft (hinten rechts)  von dem deutschen Architekten Daniel Neuer (ganz rechts) unterstützt.
Beim Bau der neuen Schule werden Grit Graßberger (ganz links) und Claudia Luft (hinten rechts)  von dem deutschen Architekten Daniel Neuer (ganz rechts) unterstützt. (Foto: privat)

Juniti will noch mehr Schulen fördern, auch ein Projekt für Frauen in Sri Lanka wollen die Freundinnen aufsetzen, denn diese seien stark benachteiligt in dem Land, berichtet Claudia Luft. Doch vorerst hat ein anderes Projekt Priorität. Nach einem zerstörerischen Zyklon, der das Land im November heimgesucht hat, ist die geförderte Schule in Oliyamandiya einsturzgefährdet. Die Kinder bleiben zu Hause, weil die Ersatzschule viel zu weit entfernt ist. Juniti hat mit einem Spendenaufruf in Windeseile 16 000 Euro eingesammelt, erzählt die Vereinsvorsitzende im Online-Telefonat. Nachdem die Kur beendet ist, wird sie ihre Freundin Grit am Flughafen abholen. Ein paar Tage später schickt sie Fotos, die die beiden in Gummistiefeln zeigen, wie sie beim Bau einer neuen Schule helfen. Für noch mehr Fotos von glücklichen Kindern.

Back to top button