Echt oder falsch? Eine Ausstellung in Kassel zeigt eine Decke, die einem kaiserlichen Dackel gehört haben soll. | ABC-Z

Dass die Schönheit im Auge des Betrachters liegt, gilt besonders für Dackel. Dem einen erscheinen sie als kläffende Nervensägen mit grotesk kurzen Beinen, die anderen schmelzen unter dem Blick treuer brauner Augen dahin. Einer dieser Dackelfreunde war Kaiser Wilhelm II., der im Lauf der Zeit viele von ihnen liebte, ganz besonders aber den Hund Erdmann. Als der 1901 starb, ließ ihm der Kaiser im Park Kassel Wilhelmshöhe, durch den der Monarch mit dem Hund gern flaniert war, einen Stein setzen: „Andenken an meinen treuen Dachshund Erdmann 1890–1901“ steht darauf zu lesen, Unterschrift: „W II“.
Inzwischen hat der Hund, über dessen Leben man kaum etwas weiß, eine eigene Wikipedia-Seite bekommen, und die Institution „Hessen Kassel Heritage“ (HKH), die unter anderem so erlesene Objekte wie den Park Wilhelmshöhe samt Schloss, Löwenburg und Herkules verwaltet, veranstaltet öffentliche Dackelspaziergänge für Menschen, die mit dem letzten deutschen Kaiser diese Neigung teilen.
In diesem Zusammenhang informierte ein Redakteur der Fachzeitschrift „Wild und Hund“ vor knapp sechs Jahren die Mitarbeiter von HKH über eine bevorstehende Auktion. Angeboten wurde ein Dackelmantel, bestickt mit „Erdmann“, erworben angeblich 1995 bei einer Versteigerung aus badischem Adelsbesitz – das Auktionshaus ist sonst auch bekannt für den Handel mit NS-Devotionalien wie Hitlers Socken.
Für insgesamt 4500 Euro erwarb HKH den Mantel in der Erwartung, damit ein Kleidungsstück des ikonischen Hundes zu bekommen. In die Freude über den Kauf platzte die Fundamentalkritik der Kunsthistorikerin Andrea Linnebach, die den Mantel mit guten Argumenten für eine plumpe Fälschung hält. Zumindest spricht nichts dafür, dass Kaisers Erdmann jemals diese Decke getragen hätte.
Nun zeigt das Hessische Landesmuseum das Stück unter dem Ausstellungsmotto „Erdmann oder Fakeman?“, dazu Filme, die das Pro und Kontra unterstützen sollen, und überlässt am Ende den Besuchern das Urteil über die Echtheit. Kann man sich so aus der Affäre stehlen? Der Sammlungsleiter Justus Lange rechtfertigt den Ankauf unter anderem mit dem Hinweis, dass es eben wenige solcher Objekte im Handel gebe. Und zitiert den inzwischen geschassten HKH-Direktor Martin Eberle mit den Worten, da biete man doch selbstverständlich mit, „das Ding“ müsse einfach sein.
Langes Distanzierung vom Ankauf ist deutlich, die Frage, was tun mit dem teuren Stück, stellt sich umso dringlicher. Andrea Linnebach schlägt vor, die Decke dem Regensburger Dackelmuseum zu spenden. Glänzende Idee.





















