E-Zigaretten gefährlicher als gedacht? Neue Studie schlägt Alarm wegen Krebsverdacht | ABC-Z

Millionen Menschen in Deutschland dampfen. Vor allem unter Jüngeren sind E-Zigaretten populär: mal geschniegelt wie ein Lippenstift, mal so harmlos gestaltet wie ein USB-Stick. Im Inneren arbeitet immer dasselbe Prinzip: Eine Lithium-Ionen-Batterie erhitzt eine meist nikotinhaltige Flüssigkeit, die als Aerosol eingeatmet wird. Weil dabei nichts verbrennt wie in der klassischen Zigarette, gilt das Vapen vielen als die sauberere, womöglich fast harmlose Form des Nikotinkonsums.
Doch genau an diesem Bild rüttelt nun eine neue Studie. Australische Krebsforscher haben mehr als hundert Arbeiten aus den Jahren 2017 bis 2025 ausgewertet. Ihr Befund, veröffentlicht in der Fachzeitschrift „Carcinogenesis“: Nikotinhaltige E-Zigaretten könnten wahrscheinlich Mund- und Lungenkrebs verursachen. Studienleiter Bernard Stewart erklärte, die Hinweise aus der Forschung zeigten inzwischen auffällig deutlich in diese Richtung.
E-Zigaretten und Krebsrisiko: Warum die Belege erst jetzt deutlicher werden
Die Warnung wiegt auch deshalb schwer, weil die Forschung E-Zigaretten lange vorsichtiger beurteilte. Zwischen 2017 und 2019, schreibt Stewart auf der Plattform „The Conversation“, hätten viele Wissenschaftler zwar einen Verdacht formuliert, aber noch kaum belastbare Belege gesehen.
Das hat auch mit der vergleichsweise kurzen Geschichte des Produkts zu tun. E-Zigaretten spielen erst seit etwa 2010 eine größere Rolle auf dem Nikotinmarkt. Die Forscher konnten sich deshalb nicht auf große Langzeitbeobachtungen bereits erkrankter Vaper stützen. Stattdessen werteten sie Fallberichte, Laborstudien und Tierversuche aus.
Sie suchten nach frühen Warnzeichen im Körper: nach DNA-Schäden, nach Entzündungen und nach sogenanntem oxidativem Stress, also Zellstress, der entsteht, wenn aggressive Sauerstoffverbindungen Gewebe angreifen. Solche Veränderungen in Zellen und Gewebe gelten als Biomarker und können auf eine spätere Krebsentwicklung hindeuten. Studien, in denen Menschen parallel Tabak und E-Zigaretten nutzten, schloss das Team aus, um den Effekt des Vapens möglichst klarer zu erfassen.
Krebsgefahr durch Vapes: Welche Stoffe Forscher im Aerosol fanden
Was die Forscher fanden, ist mindestens beunruhigend. In Lunge und Mundhöhle von Konsumenten zeigen sich laut der Analyse DNA-Schäden und andere solche Biomarker. Nach Ansicht der Autoren hängt das vor allem mit den Stoffen zusammen, die Nutzer mit dem Aerosol einatmen.
In der Studie heißt es, in den Dämpfen seien wiederholt Substanzen nachgewiesen worden, die als krebserregend gelten oder im Verdacht stehen, Krebs zu begünstigen. Dazu zählen Nitrosamine sowie flüchtige chemische Verbindungen wie Formaldehyd, Acrylamid und Acrylnitril. Auch Schwermetalle fanden sich im Aerosol; sie können aus den Heizelementen der Geräte stammen.
Zusätzlich verweisen die Autoren auf Tierversuche, die den Verdacht weiter erhärten. In Studien mit Mäusen führte die wiederholte Inhalation typischer E-Zigaretten-Aerosole häufiger zu Tumorwachstum. In einer Untersuchung, auf die sich die Übersichtsarbeit stützt, entwickelten Tiere, die den Dampf 54 Wochen lang einatmeten, deutlich öfter bösartige Tumore im Lungengewebe, als nicht exponierte Kontrolltiere.
FAQ Vaporizer
1. Was ist ein Vaporizer?
Ein Vaporizer ist ein Gerät, das Kräuter, Öle oder Konzentrate durch Erhitzen verdampft. Dadurch werden die Wirkstoffe freigesetzt, ohne dass das Material verbrannt wird. Nutzer inhalieren den Dampf, was als eine gesündere Alternative zum Rauchen gilt. Wichtig zu wissen ist: Jede Art von Verdampfen kann zu Lungenschäden führen. Dass ein Produkt „gesünder“ als das andere ist, lässt sich in diesem Fall also nicht sagen. Davor warnt etwa die US-amerikanische Gesundheitsbehörde CDC.
2. Welche Arten von Vaporizern gibt es?
Es gibt tragbare und stationäre Vaporizer. Tragbare Modelle sind kompakt und für unterwegs geeignet, während stationäre Geräte größer sind und mehr Leistung bieten. Beide Typen können Konduktions- oder Konvektionsheizung nutzen. Tragbare Verdampfer gibt es als elektronische oder mechanische Vaporizer. Während elektronische Geräte einfach und präzise zu bedienen sind, müssen mechanische Vaporizer mittels einer externen Wärmequelle manuell erhitzt werden.
3. Was ist Konduktion und Konvektion?
Konduktion bezieht sich auf die direkte Erhitzung des Materials durch Kontakt mit einer heißen Oberfläche. Konvektion verwendet Heißluft, die durch das Material strömt und es gleichmäßig erhitzt. Beide Methoden haben Vor- und Nachteile in Bezug auf Effizienz und Geschmack. Bei manchen Vaporizern wie dem Zen Stylus kann man wählen, welche Technik im Verdampfer verbaut sein soll – manche Vaporizer wie der Mighty nutzen auch eine Mischung aus beiden Methoden.
4. Wie viel kostet ein guter Vaporizer?
Die Preise für Vaporizer variieren stark. Einfache Modelle beginnen bei etwa 50 Euro, während hochwertige Geräte bis zu 400 Euro oder mehr kosten können. Ein guter Vaporizer kostet im Durchschnitt zwischen 150 und 250 Euro. Einkalkuliert werden sollten auch Zubehörteile wie Kräutermühlen oder Dosierkapseln. Elektronische Vaporizer sind zudem mit einem Akku ausgestattet, der wie in allen Elektrogeräten irgendwann getauscht werden muss. Einen Vergleich von Vaporizern unter 100 Euro finden Sie hier.
6. Sind Vaporizer legal?
Die Legalität von Vaporizern hängt vom verwendeten Material ab. Vaporizer selbst sind in vielen Ländern legal – aber die Nutzung bestimmter Substanzen kann gesetzlich eingeschränkt sein. In Deutschland etwa ist der Konsum von Cannabis via Vaporizer teils legal. In anderen Ländern wiederum sind Verdampfer erlaubt, aber nicht der Cannabiskonsum. Daher ist es wichtig, sich über die im jeweiligen Land geltenden lokalen Gesetze und Vorschriften zu informieren.
E-Zigaretten im Vergleich zu Tabak: Warum Vapes wohl weniger schädlich sind
Ute Mons vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg geht trotz der neuen Befunde davon aus, dass herkömmliche Zigaretten deutlich riskanter sind als E-Zigaretten. In einer Einordnung für das Science Media Center Deutschland sagt sie, dass die Menge krebserregender Stoffe im Aerosol von E-Zigaretten klar unter der im Tabakrauch liege. Deshalb dürfte auch das Krebsrisiko geringer sein als beim Rauchen klassischer Zigaretten.
Peter Hajek von der Queen Mary University of London hält vor allem den fehlenden Vergleich mit Tabak für problematisch. Gegenüber dem britischen Science Media Centre kritisiert er, die Übersichtsarbeit schlage bereits bei kleinsten Spuren verdächtiger Stoffe Alarm, ohne deren tatsächliche Menge ausreichend einzuordnen. Entscheidend sei jedoch, wie stark Nutzer im Vergleich zum Tabakrauch tatsächlich belastet werden. Vapes setzten sie nur einem kleinen Teil der krebserregenden Stoffe aus, die in Zigarettenrauch stecken – und vielen anderen überhaupt nicht.
Auch beim Nikotin widerspricht er den Autoren. Anders als die Übersichtsarbeit hält Hajek Nikotin selbst nicht für einen Stoff, der Krebs auslöst. Die zitierten Effekte seien häufig in Tierversuchen mit überhöhten Nikotindosen beobachtet worden und daher für den freiwilligen Konsum beim Menschen nur begrenzt aussagekräftig.

Langzeitfolgen von E-Zigaretten: Warum es noch keine endgültige Antwort gibt
Die entscheidende Frage ist deshalb weiter offen: Wie groß ist das Risiko wirklich? Darauf kann derzeit niemand eine präzise Antwort geben. Martin Widschwendter von der Universität Innsbruck weist in einem Statement für das Science Media Center Deutschland, darauf hin, dass Lungenkrebs meist eine Latenzzeit von 20 bis 40 Jahren hat. Das bedeutet: Selbst wenn E-Zigaretten Krebs auslösen, wird sich das in vielen Fällen erst sehr viel später zeigen.
Hinzu kommt ein methodisches Problem. In vielen bisherigen Studien haben die meisten Nutzer von E-Zigaretten früher oder parallel auch Tabak geraucht. Wenn sie später erkranken, lässt sich nur schwer auseinanderhalten, welcher Anteil auf klassische Zigaretten zurückgeht und welcher auf das Vapen.
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Gerade deshalb ist die neue Studie keine endgültige Abrechnung, aber eine deutliche Warnung. Der Eindruck, E-Zigaretten seien die saubere und weitgehend folgenlose Alternative zur Zigarette, lässt sich so jedenfalls kaum noch aufrechterhalten. Wer dampft, tauscht das Risiko womöglich nicht aus, sondern verändert nur seine Form.





















