Duell mit FC Bayern: Bei Ibrahim Maza gerät Pep Guardiola ins Schwärmen | ABC-Z

Noch ist unklar, wer am Saisonende zum besten Transfer des Bundesligajahres gekürt wird, aber der Kreis der für diese Auszeichnung in Frage kommenden Spieler ist überschaubar. Leipzigs Yan Diomande ist ein Kandidat, genau wie Luis Diaz vom FC Bayern und Ibrahim Maza, der im vergangenen Sommer von Hertha BSC zu Bayer Leverkusen wechselte. Am Samstag bestreiten Diaz und Maza mit ihren Klubs in Leverkusen ein direktes Duell gegeneinander, während Diomande mit Leipzig in Stuttgart zum zweiten Topspiel des Wochenendes antritt. Das sind gute Gelegenheiten für Eigenwerbung, wobei Maza seinen Kollegen in einer Kategorie längst enteilt ist: bei den Spitznamen, die für ihn erdacht wurden.
Diomande glitzert ganz ohne Zusatz, und Diaz ist als „Lucho“ bekannt, was einerseits den Vornamen Luis enthält und andererseits „Kämpfer“ bedeutet. Maza wird im Alltag „Ibo“ genannt, um seine Spielweise zu beschreiben, wurden während der vergangenen Monate etliche interessante Wortkreationen geschaffen: In Algerien, für dieses Land spielt er, hat sich während des Afrika-Cups im Januar die Schmeichelei „Mazadona“ durchgesetzt. In den Geschichten, die über den 20 Jahre alten Leverkusener erzählt werden, tauchen Bezeichnungen wie „Passions-Dribbler“, „Ballstreichler“, „Show-Spieler im besten Sinne“ auf.
Benjamin Weber, der Sportdirektor von Mazas früherem Klub Hertha BSC, hat den Mittelfeldspieler einst für seine „Käfigkicker-Mentalität“ gelobt, und Leverkusens Trainer Kasper Hjulmand bezeichnet den algerischen Nationalspieler anerkennend als „Superlerner“.
Mal „Zehner“, mal „Sechser“
Maza ist so etwas wie die Entdeckung der Saison bei Bayer 04, wo er sich nach eineinhalb Jahren bei Hertha in der zweiten Bundesliga eigentlich erstmal langsam in das höhere Niveau einarbeiten sollte. Nun ist er schon nach wenigen Monaten unersetzlich und regelmäßig der auffälligste Gestalter im Spiel von Bayer 04. Mal im offensiven Mittelfeldzentrum, aber auch als „Sechser“ hat er schon sehr stabil mitgewirkt im Ensemble von Kasper Hjulmand. „Er ist ein Spieler, der gut beobachtet, schnell versteht und dazulernt“, sagt Simon Rolfes, der Geschäftsführer Sport im Werksklub. „Und er ist offen, will sich verbessern und respektiert die Notwendigkeiten einer jeden Position.“
Maza selbst hat sich allerdings immer wieder als „Zehner“ bezeichnet, und die Wege, die er mit und ohne Ball durch den Raum beschreitet, erinnern viele Zuschauer tatsächlich an die größte Nummer Zehn, die es in Leverkusen je gab: Florian Wirtz. Weil alles zu fließen scheint, wenn Maza sich bewegt. Hier eine Drehung, da ein Angebot zum Doppelpass, gefolgt von einem kleinen Lupfer oder auch mal einem Diagonalball aus dem Fußgelenk. Und ähnlich wie im Fall von Wirtz ist auch die Karriere des Sohnes einer Vietnamesin und eines Algeriers gründlich durchgeplant.
Eine zentrale Rolle spielt dabei sein Vater, der als Nuklearmediziner in Berlin arbeitet. Frühere Angebote schlugen die Familie und ihr Berater aus, damit Maza seine ersten Schritte im Erwachsenenfußball in Ruhe in der zweiten Liga in seiner Heimatstadt machen kann, wo er bei den Reinickendorfer Füchsen mit dem Fußballspielen begann. Als Zehnjähriger wechselte er zur Hertha, wurde Profi und vom früheren Trainer Pal Dardai einmal so harsch auf seine Schwächen angesprochen, dass ihm die Tränen kamen. „Er kann defensiv nicht spazieren gehen“, hatte Dardai erklärt. Aber Maza ist einer, der sich solche Worte zu Herzen nimmt, statt mit jugendlichem Trotz zu reagieren.
Kritik von Bundestrainer Nagelsmann
Im Sommer wählten Maza und seine Vertrauten dann Leverkusen als passenden Verein, obgleich auch Freiburg oder Stuttgart interessiert gewesen sein sollen. Vermutlich hatte das nicht zuletzt finanzielle Gründe, aber zur Überraschung vieler Beobachter passt auch das Niveau. Bereits nach einem halben Jahr in der Champions League hat Maza die Neugier der allergrößten Vereine geweckt. Beim Afrika-Cup soll er gründlich von den Scouts des FC Barcelona beobachtet worden sein; zwei Tore, eine Vorlage und durchweg starke Leistungen dürften das Interesse der Spanier noch einmal verstärkt haben.
Selbst der große Pep Guardiola schwärmte schon von dem gebürtigen Berliner, als Leverkusen im Herbst mit Bayer Leverkusen mit 2:0 bei Manchester City gewann und der Spanier neben den Problemen seiner eigenen Mannschaft ausdrücklich die Fähigkeiten Mazas als Grund für die Niederlage anführte. Öffentliche Kritik an dem talentierten Spieler hat in dieser Saison bisher nur Bundestrainer Julian Nagelsmann geäußert.
Denn Maza hat 2024 entschieden, seine Karrierechancen in der deutschen Nationalmannschaft ungenutzt zu lassen. „Mit Spielern wie Musiala, Wirtz und anderen dachte ich, dass ich auf der Position des Spielmachers bessere Chancen hätte, mit Algerien bei der Weltmeisterschaft zu spielen“, lautet seine Begründung, was Nagelsmann nicht gefällt. „Die Nationalmannschaft hat nichts damit zu tun, ob ich da oder da eher spielen kann. Es geht darum, ob ich stolz bin, für das Land zu spielen, oder nicht. Und nicht darum, ob ein Musiala da spielt oder ein Wirtz.“
Im Moment kann sich Maza in seiner Entscheidung bestätigt fühlen. Bei Algerien ist er bei der WM gesetzt, wird verehrt und kann sich auf große Duelle in der Gruppenphase gegen Argentinien, Österreich und Jordanien freuen. Nach einer Saison im Klub, in der noch der Sieg im DFB-Pokal möglich ist, in der kommenden Woche eine Champions-League-Reise zum FC Arsenal ansteht und am Samstag der FC Bayern (15.30/live bei Sky und im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga) in Leverkusen zu Gast sein wird.





















