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Moosburg: Im Stadtrat steht die erste Machtprobe bevor – Freising | ABC-Z

Der Start in eine neue Amtsperiode ist für Stadt- und Gemeinderäte eine spannende Zeit. Neue Ratsmitglieder müssen sich einarbeiten und ihren Platz finden, die Machtverhältnisse haben sich meist verändert. In Moosburg ist das konservative Lager bei der Wahl gestärkt worden. CSU und Freie Wähler stellen nun zwölf der 24 Ratsmitglieder, mit dem neuen Bürgermeister Maximilian Mader verfügen die Christsozialen über eine weitere Stimme, die bei kontroversen Abstimmungen das Zünglein an der Waage sein kann. Ein erster Test, wie sich das Klima entwickeln könnte, ist die konstituierende Sitzung Anfang Mai mit der Wahl der Bürgermeister-Stellvertreter.

Der noch amtierende Bürgermeister Josef Dollinger (parteilos) ist stolz darauf, dass in den vergangenen Jahren viele Beschlüsse im Stadtrat einstimmig erfolgt sind und Parteipolitik oft nicht im Vordergrund stand. Er hoffe, dass die überparteiliche Arbeit weitergehe und künftig nicht stärker polarisiert werde, sagt Dollinger, der in dem neuen Gremium nicht mehr vertreten sein wird. Er war als unabhängiger Kandidat ohne eigene Liste angetreten, musste sich Mader aber geschlagen geben. Zündstoff könnte schon die Wahl des oder der weiteren Bürgermeister bieten.

Zweitstärkste Fraktion nach der CSU, die mit acht Sitzen zwei mehr geholt hat als 2020, sind wieder die Grünen mit nun fünf Stadträten. Sie stellen einen weniger als bisher. Fraktionschef Michael Stanglmaier ist bisher Dritter Bürgermeister. Vor sechs Jahren verlor er die Abstimmung um den ersten Stellvertreter des Rathauschefs gegen Georg Hadersdorfer von der CSU, die vor der Stichwahl eine Wahlempfehlung für den damals noch der FW angehörenden Dollinger abgegeben hatte. Dieses Mal war es umgekehrt: Die Freien Wähler unterstützten vor dem zweiten Wahlgang Mader und nicht ihr ehemaliges Mitglied Dollinger. Das könnte ein Baustein zum Erfolg Maders gewesen sein, sagt FW-Fraktionsvorsitzender Reinhard Lauterbach.

Seit der Wahl habe er in der Sache keine Gespräche mehr geführt. Wenn es „gewünscht“ werde, stehe er als Zweiter Bürgermeister zur Verfügung. Bleibt für die Grünen also möglicherweise wieder der zweite Stellvertreterposten – oder gar keiner. Denn Lauterbach stellt infrage, ob man einen Dritten Bürgermeister angesichts der angespannten Finanzen der Stadt überhaupt benötige. Die Zahl der Referenten sollte ebenfalls prüfen werden, fordert er.

Gratulation am Wahlabend: Grünen-Stadträtin Verena Beibl und der neu gewählte Bürgermeister Maximilian Mader (CSU). Petra Schnirch

Mader bestätigt, dass eine solche Überlegung im Raum stehe. Auch er verweist auf die Finanzlage. Man müsse alles auf den Prüfstand stellen. Er habe in der Sache allerdings noch keine Gespräche geführt, es sei noch keine Entscheidung getroffen worden. Im Übrigen sei er „nicht nur Bürgermeister für CSU und Freie Wähler, sondern für alle Moosburger“, betont er. Wichtig sei, die jeweils beste Lösung für die Stadt zu finden. Lauterbach sagt auf die Frage, ob er glaubt, dass es künftig zu einer stärkeren Blockbildung im Stadtrat kommen könnte, knapp: Das bedeute ja nicht, dass Anträge von Freien Wählern und CSU sonst keine Zustimmung finden könnten.

Kontrovers könnte aber bereits die erste Stadtratssitzung unter Maders Leitung werden: Michael Stanglmaier von den Grünen erhebt selbstbewusst Anspruch auf das Amt des Zweiten Bürgermeisters. Bei der Kommunalwahl hatte er nach Mader und Dollinger das drittbeste Ergebnis eingefahren, deutlich vor Lauterbach. Zudem haben die Grünen einen Sitz mehr im Stadtrat als die Freien Wähler. Die politische Realität sei ihm aber bewusst, die Gefahr einer Polarisierung nicht von der Hand zu weisen.

Stanglmaier hofft dennoch auf ein konstruktives Miteinander im neuen Gremium und ein Klima der Wertschätzung. „Die Zusammenarbeit darf keine Einbahnstraße sein.“ Das werde sich bereits bei der Wahl des oder der stellvertretenden Bürgermeister zeigen. Anders als Mader sei er in der Kommunalpolitik sehr erfahren. Dem Stadtrat gehört Stanglmaier seit 26 Jahren an, seit zwölf Jahren ist er Dritter Bürgermeister. CSU-Ortsvorsitzender Mader ist im Stadtrat bisher nicht vertreten. Er will jetzt erst einmal Gespräche führen, „um die beste Lösung zu finden“.

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