Drei Stichwahlen im Landkreis Ebersberg: Auf Social Media wird unterschiedlich originell geworben – Ebersberg | ABC-Z

Irgendwo in Vaterstetten: Dem roten Fahrrad geht es gut, einem Post zufolge auf der Facebook-Seite der Vaterstettener SPD. Ganz selbstverständlich ist das ja in diesen Zeiten nicht. Ein paar Kilometer von der Großgemeinde entfernt, in Pliening, war ein zu Werbezwecken bündnis-grün bemaltes Pedalfahrzeug kurz vor dem ersten Wahlgang der Kommunalwahlen mutwillig zerlegt worden. Das rote Fahrrad indes gehört der SPD und will gefunden werden. So jedenfalls die Anregung der Vaterstettener Sozialdemokraten.
„Foto machen, posten, markieren“ steht unter dem Bild des „Stichwahl-Radls“, mit dem Bürgermeisterkandidatin Maria Wirnitzer vor dem entscheidenden Wahlgang am kommenden Sonntag noch einmal kräftig Werbung in eigener Sache machen möchte. 35,5 Prozent der Stimmen hatte sie im ersten Wahlgang gegen den Amtsinhaber von der CSU geholt, mit einem, wie sie selbst sagt, intensiven Haustürwahlkampf und vielen Ortsterminen, auch per Fahrrad. Alles sauber dokumentiert auf Instagram und Facebook. Und nicht zuletzt, weil die Grünen – nicht nur in Pliening – einen guten Draht zum Rad haben, hat die rote Kandidatin die Unterstützung des Vaterstettener Grünen-Ortsverbands sicher.
:Triumphe und Stichwahlen
In Ebersberg, Grafing und Poing setzen sich bei der Bürgermeisterwahl die Amtsinhaber deutlich durch. In Vaterstetten und Zorneding wird es am 22. März Stichwahlen geben.
Wirnitzers Gegenpart in der Stichwahl, Leonhard Spitzauer, setzt weniger auf alternative Fortbewegungsmittel auf seinem Weg zurück in den ersten Stock des Rathauses, als auf ganz traditionellen bayerischen Antrieb. Ordentlich Schub soll die Grußbotschaft einer prominenten Parteifreundin geben. Landtagspräsidentin Ilse Aigner macht in einem Post auf Spitzauers Instagramseite zwischen Plakaten vom Kandidaten nebst Familie und Fotos vom Hergoldinger Stammtisch Stimmung für den amtierenden Bürgermeister. Anhand der erwähnten Fotos erfährt der geneigte Wähler – untermalt von einer Blasmusikhymne aufs bayerische Bier –, dass das Team aus Baldham seinen Titel im Baumstammsägen bei der Dorfolympiade erfolgreich verteidigt hat. Also vermutlich ist die Welt in Hergolding noch in Ordnung. Unterstützung erfährt der Kandidat übrigens von der Vaterstettener FDP.
Falk Skeide, unabhängiger Bürgermeisterkandidat in Zorneding und im normalen Leben zweirädrig motorisierter Plastikmüll-Pirat, ist im Endspurt bis zur Stichwahl ums Rathaus nicht mit seiner Harley unterwegs. Zumindest findet man Hinweise auf seine Mission – Müllvermeidung – und seine Leidenschaft – das Motorrad – nicht auf seiner offiziellen Kandidatenseite. Dafür eine Menge sachlicher Einlassungen, Empfehlungen und guter Wünsche von seinen Unterstützern, anderen Gemeinderatskandidaten und Bürgern. Die dem 50-Jährigen immerhin 37,9 Prozent ihrer Stimmen gegeben haben. „Hat nicht jeder erwartet“, sagt er selbst dazu vor Zimmerblume und Wohnzimmerregal – und könnte dabei auch an seinen christsozialen Kontrahenten am kommenden Sonntag gedacht haben, Piet Mayr.
Seit 2008 führt der 69-jährige CSU-Mann die Geschäfte der Gemeinde Zorneding und würde das gern noch sechs weitere Jahre tun, wie er klargemacht hat. Über die Stichwahl allerdings verliert Mayr auf seiner Homepage selbst kein Wort, stattdessen blinkt das Wörtchen „Danke“ in bunten Lettern über einem Bild der bereits gewählten CSU-Kandidaten für den Gemeinderat. Und dann ist da noch ein Viele-Köpfe-Plakat der örtlichen FDP, die nach dem Ausscheiden der eigenen Kandidatin nun gern hätte, dass in Zorneding alles bleibt, wie es ist. Grüne, SPD und Freie Wähler möchten das nicht, sie hatten Skeide als gemeinsamen Kandidaten nominiert.
In Pliening haben die Grünen-Räder inzwischen ausgedient, was die Kommunalwahl angeht zumindest. Bürgermeisterkandidatin Brigitte Freund hat es zwar trotz einiger Sabotageversuche von Unbekannten in den Kreistag, aber nicht in die Plieninger Stichwahl geschafft. Die Dame ist also gewissermaßen aus dem Spiel, wer am Ende Schachmatt gesetzt wird, entscheidet sich zwischen zwei Männern. René Buchmann, 45, Kronprinz des Noch-Amtsinhabers von der CSU, tritt gegen den gleichaltrigen Anton Holzner an. Holzner hat für das Neue Forum, eine unabhängige Wählergruppe (die allerdings in der Vergangenheit nicht eben dadurch auffällig geworden ist, dass sie häufig gegen die CSU im Gemeinderat gestimmt hätte) im ersten Wahlgang 38,9 Prozent geholt und damit nur gut zwei Prozent weniger als der Kandidat von der CSU.
Eine sehr ausgeglichene Partie also, die scheinbar noch Orientierungspunkte für die Plieninger Wähler braucht. Die Grünen, drittstärkste Fraktion im Gemeinderat, haben einen Fragenkatalog und die Antworten der Kandidaten auf ihrer Seite veröffentlicht, geben definitiv keine Wahlempfehlung. René Buchmann hält auf Instagram tapfer Wahlplakate hoch, wirbt mit Anpacken, Umsetzen und Zusammenarbeit. Anton Holzner dagegen setzt sich schon mal den Hut auf: den Imkerhut. Unter dem er gut geschützt und ausgerüstet mit Corporate-identity-geframten Handschuhen in der Türkis-Farbe der eigenen Wahlplakate einen Einblick in seine Bienenstöcke gewährt und dem Plieninger Wähler quasi virtuellen Honig ums Maul schmiert. Eine Königin zumindest hat er dort schon.





















