Sport

Doping bei Olympia: Es gibt große Lücken im Kontrollsystem – Sport | ABC-Z

Mehr als ein Drittel der Teilnehmer an den Olympischen Winterspielen sind in der Vorbereitung auf die Wettkämpfe nicht oder seltener als empfohlen auf Doping getestet worden. Das ergibt sich aus einer Statistik, die die fürs Anti-Doping-Programm zuständige International Testing Authority (ITA) am Mittwoch vorstellte. Zwar sprach ITA-Generaldirektor Benjamin Cohen davon, dass es die besten Zahlen seien, die es je bei Olympischen Spielen gegeben habe. Tatsächlich ist es aber nur bei 63 Prozent der rund 3000 an den Start gehenden Athleten im gewünschten Ausmaß zu Dopingkontrollen gekommen.

29 Prozent sind zwar mindestens einmal, aber seltener als empfohlen getestet worden, und acht Prozent gar nicht. Diese Statistik umfasst die Sammlung von Tests seit August, die wahlweise von den nationalen Anti-Doping-Agenturen oder den internationalen Fachverbänden erhoben worden sind, im Detail können sich die Zahlen laut ITA auch noch ändern.

„Wenn die Zahlen stimmen, ist das besorgniserregend“, sagt Wada-Chef Witold Banka. (Foto: Mike Lawrie/Getty Images)

Dabei gibt es signifikante Unterschiede zwischen verschiedenen Ländern und Sportarten. Auffällig ist insbesondere, dass einige der besten Wintersportnationen auf sehr schlechte Werte kommen. Im norwegischen Team zum Beispiel, das bei den vergangenen Olympischen Winterspielen in Peking mit 16 Goldmedaillen und 37 Podiumsplätzen klar den ersten Platz im Medaillenspiegel belegte und dieses Ergebnis auch in Mailand wieder erreichen könnte, sind 13 Prozent der Sportler kein einziges Mal und 20 Prozent nicht ausreichend getestet worden. In der französischen Mannschaft sind gerade mal 35 Prozent im empfohlenen Umfang überprüft worden, in der schwedischen sogar nur 30 Prozent. Andere Delegationen wie Deutschland (96), die USA (95) oder auch die neutralen Athleten aus Russland und Belarus (100) schneiden da erheblich besser ab.

15 Prozent der Langläufer sind gar nicht getestet worden

Wie viele Tests empfohlen werden, unterscheidet sich von Sportart zu Sportart. Diese werden von den Anti-Doping-Instanzen in verschiedene Risikoklassen eingeteilt. Umso erstaunlicher ist es, wie selten die Starter in einigen besonders risikobehafteten Sportarten zu Kontrollen gebeten worden sind. So sind beispielsweise 15 Prozent der Langläufer gar nicht getestet worden, und 28 Prozent nicht ausreichend. Spitzenreiter bei den Nichttests wiederum ist die Sparte Ski alpin mit 30 Prozent komplett ungetesteten Athleten. ITA-Direktor Cohen gab an, dass es verschiedene Gründe geben könne, warum ein Athlet gar nicht getestet worden sei: eine späte Qualifikation oder kurzfristige Nominierung für die Spiele, eine Verletzung, aber auch die Kontrollressourcen im Herkunftsland.

Die schlechten Werte für die Topnationen Norwegen und Schweden werden noch verschärft durch die Ergebnisse einer anonymen Umfrage, die zuletzt vier Medien gemeinsam in den skandinavischen Ländern vornahmen. Demnach gaben fast 50 Prozent der Sportler aus den Olympiakadern von Norwegen, Schweden, Dänemark und Finnland an, im Zeitraum zwischen dem 1. September 2024 und dem 1. September 2025 überhaupt nicht getestet worden zu sein. Die ITA wollte diese Zahlen nicht kommentieren, weil man nicht wisse, wie genau sie zustande gekommen seien. Der Präsident der Welt-Anti-Doping-Agentur, Witold Banka, sagte dazu: „Wenn die Zahlen stimmen, ist das für die Wada sehr besorgniserregend.“

Das Testsystem der globalen Anti-Doping-Instanzen gilt generell zwar als anfällig und bedingt wirksam. Nach den Erfahrungen der Dopinggeschichte können viele Substanzen ohnehin nicht nachgewiesen werden, auch werden eher unbekannte Athleten als Spitzensportler als Manipulateure erwischt. Zudem ist es wichtig, wann die Tests angesetzt werden, denn oft findet eine Manipulation nicht im oder unmittelbar vor dem Wettkampf selbst statt, sondern in den Wochen und Monaten davor. Dennoch kann allein die Existenz von Tests zumindest teilweise abschreckenden Charakter haben – und weckt es Zweifel an der Integrität der Wettbewerbe, wenn so viele Sportler nicht oder nicht ausreichend getestet worden sind. Während der Spiele selbst sollen rund 3000 Dopingproben genommen werden, das ist im Schnitt eine pro Athlet. Die Proben werden zehn Jahre lang aufbewahrt.

Back to top button