Donald Trump verhöhnt Ex-Präsidenten mit Gedenktafeln im Weißen Haus | ABC-Z

Im Weißen Haus sorgt der von Donald Trump initiierte „Presidential Walk of Fame“ für Aufsehen. Entlang der Kolonnaden wurden neue Gedenktafeln angebracht, die die Amtszeiten von Trumps Vorgängern beleuchten – allerdings in äußerst kontroversem Ton. Die Texte auf den Tafeln erinnern an Trumps polarisierende Social-Media-Beiträge: scharfe Kritik, persönliche Angriffe und fragwürdige Behauptungen.
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Trump selbst wird auf seiner Gedenktafel als Meilenstein der amerikanischen Geschichte gefeiert. Dort werden seine „beispiellosen Errungenschaften“ hervorgehoben: Darunter seine „historischen Abraham-Abkommen“, der Wiederaufbau des US-Militärs und sein angeblicher Beitrag zur „größten Wirtschaft, die die Welt je gesehen hat“. Von seinem „Goldenen Zeitalter Amerikas“ ist ebenso die Rede, wie von der Behauptung, er habe zwei Mordversuche sowie eine „Instrumentalisierung der Strafverfolgung“ gegen sich überlebt – inklusive des triumphalen Sieges bei der Wahl 2024.
Trump über Joe Biden: „Der schlechteste Präsident der amerikanischen Geschichte“
Im Gegensatz dazu kommen seine Vorgänger kaum gut weg. Joe Biden bekommt noch nicht einmal ein Porträt-Foto. Das Bild seiner Tafel zeigt die automatische Signiermaschine, die Biden laut Trump benutzt haben soll. Auf seiner Tafel wird Joe Biden als „der schlechteste Präsident in der amerikanischen Geschichte“ bezeichnet. Neben Vorwürfen über „beispiellose Katastrophen“, wie Inflation oder den chaotischen Abzug aus Afghanistan, wird auch wieder Trumps bekannte und widerlegte Behauptung aufgewärmt, Biden habe „die korrupteste Wahl der Geschichte“ gewonnen. Besonders provokativ ist der Hinweis darauf, dass Biden angeblich nach einer schwachen Präsidentschaftsdebatte 2024 „in Schande aus dem Wahlkampf um seine Wiederwahl zurückgetreten“ sei.
Auch Barack Obama bleibt nicht verschont. Seine Tafel nennt ihn eine „umstrittene politische Figur“ und hebt die Gesundheitsreform „Obamacare“ sowie das Pariser Klimaabkommen als Fehler seiner Amtszeit hervor – beide Maßnahmen wurden von Trump später rückgängig gemacht. Besonders scharf werden Verschwörungstheorien über Obamas angebliche Beteiligung am „Russland-Schwindel“ oder am „Ausspionieren“ von Trumps Wahlkampf 2016 wiederholt. Sein vollständiger Name „Barack Hussein Obama“ wird dabei bewusst provokativ verwendet.
Porträts mit neuen Plaketten mit erklärendem Text sind auf dem „Presidential Walk of Fame“ an der Kolonnade des Weißen Hauses zu sehen. Donald Trump soll die Texte zum Teil selber verfasst haben. Seine Vorgänger kommen dabei nicht gut weg.
© Mark Schiefelbein/AP/dpa | Mark Schiefelbein
Bill Clinton: Seitenhieb auf Niederlage seiner Frau Hillary
Selbst Bill Clinton wird nicht ausgenommen: Neben einem kurzen Rückblick auf seine Präsidentschaft ist auch die Niederlage seiner Frau Hillary Clinton bei der Wahl 2016 gegen Trump vermerkt – ein Seitenhieb, der sich direkt an die politischen Gegner richtet, während er Trumps Anhängern Genugtuung verschafft.
Die Beschreibungen polarisieren. Laut der Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, wurden viele der Texte direkt von Trump selbst verfasst. Der „Presidential Walk of Fame“ sei als „Homage an frühere Präsidenten – gute, schlechte und alle dazwischen“ gedacht, erklärte Leavitt weiter. Doch die Texte scheinen weniger eine Hommage als vielmehr ein Versuch der Abrechnung mit politischen Gegnern zu sein.
„Presidential Walk of Fame“ löst gemischte Reaktionen aus
Auch auf den Capitol Hill lösen die Tafeln gemischte Reaktionen aus. Senatorin Lisa Murkowski, die oft kritisch gegenüber ihrer eigenen Partei Stellung bezieht, kritisierte die Aktion scharf. „Das ist wirklich beunruhigend“, erklärte sie. „Das sind gewählte Präsidenten dieses Landes – ob ich ihre Politik unterstützte oder nicht, sie haben gedient und Opfer gebracht. Es ist unangemessen, ihre Verdienste neu definieren zu wollen.“
In Kontrast dazu zeigte sich Senator Lindsey Graham deutlich gelassener. „Vielleicht ist da ja etwas Amüsantes dabei“, meinte er, bevor er den Fokus auf die Vereinigten Staaten verlorene Zwischenwahlen lenkte. „Das bringt uns nicht weiter. Wir sollten unsere Energie auf die Probleme der Bürger konzentrieren.“
Wer die Finanzierung und Installation der Tafeln getragen hat, ist bislang unklar. Anfragen dazu bleiben unbeantwortet.


















