Politik

Donald Trump: US-Eishockeyteam als Marionetten bei State-of-the-Union-Rede | ABC-Z

Man kann sich durchaus fragen, ob Deutschland noch eine „Sportnation“ ist. Oder eher nicht, wie Markus Gaugisch, der fürs Frauenteam zuständige Handball-Bundestrainer, in einem gerade erschienenen Interview nahegelegt hat. Seine Haltung begründete Gaugisch im „Mannheimer Morgen“ unter anderem damit: „Als Profisportlerin oder Profisportler genießt man in Deutschland ganz sicher nicht die Wertschätzung wie in anderen Ländern.“

Trumps Botschaft dient nur ihm selbst

Unter seiner Führung, so schwadronierte der Präsident, könnten sich die Vereinigten Staaten wieder ans Gewinnen gewöhnen, nachdem sie jahrelang nur Niederlagen hatten hinnehmen müssen. Ob sich die bei der Rede 17 anwesenden Eishockeyprofis – acht Goldmedaillengewinner ließen sich nicht blicken – aus Überzeugung oder Naivität in den Dienst des zunehmend autokratisch herrschenden Präsidenten und seiner Agenda stellten, ist im Endeffekt egal. Die Botschaft ist klar. And the winner is: Donald J. Trump!

Das Bild, das den Amerikanern bei Trumps „State of the Union“ geboten wurde, war reinste MAGA-Propaganda: harte Kerle mit weißer Hautfarbe, die auf dem Eis ehrliche Arbeit verrichten, die aber ihre Fäuste sprechen lassen, sobald ihnen jemand krumm kommt, und dabei dem Vaterland ihre Zähne opfern wie Jack Hughes, der im Finale gegen Kanada mit blutverschmiertem Mund den entscheidenden Treffer zum 2:1 erzielte.

Auch in ihrer Macho-Attitüde passen sich die Eishockeyprofis Trump an: Sie feixen, wenn der Präsident einen dummen Spruch über das ebenfalls mit olympischem Gold dekorierte US-Frauenteam macht. Und sie offenbaren ihre Haltung wie Hughes, der die US-Sportnation als „Eishockey-Bruderschaft“ bezeichnete. Schwestern sind ausgeschlossen unter den NHL-Bros, die überwiegend der Republikanischen Partei zuneigen. Da kann es niemanden verwundern, dass die Eishockeyfrauen es ablehnten, bei der Trump-Show als Staffage zu dienen und freundliche Miene zum spalterischen Spiel zu machen.

Dass in den USA erfolgreiche Sportler verehrt werden und dabei Pathos, Patriotismus und Populismus einhergehen, hat eine Tradition. Doch diesmal hätte der erste Olympiasieg seit dem „Miracle on Ice“ vor 46 Jahren ein Zeichen der Versöhnung, zumindest der vorübergehenden Befriedung setzen können.

Fast 21 Millionen Amerikaner verfolgten am Sonntagmorgen das olympische Finale, so viele TV-Zuschauer hatte noch nie zuvor eine Sportübertragung, die vor neun Uhr morgens begann. So ein Ereignis könnte, auf politisch zurückhaltende Weise gefeiert, ein Zusammengehörigkeitsgefühl über gesellschaftliche Grenzen hinweg stiften.

Dass Trump an einer geeinten Sportnation nichts liegt, ist bekannt. Dass aber Eishockeymänner, berauscht vom Erfolg in Mailand und von der folgenden Party in Miami, nicht aus ihrer Haut konnten oder wollten, ist eine verpasste Chance. So wurden 17 Männer zu Marionetten des Präsidenten, der angesichts schlechter Umfragewerte dringend Abglanz brauchte.

Back to top button