Wirtschaft

Donald Trump plant den größten Triumphbogen der Welt | ABC-Z

Das Verhältnis der Vereinigten Staaten zu Frankreich ist nicht so einfach. Einerseits: die Freiheitsstatue, ein Geschenk der Franzosen. Andererseits, die Präsidenten: De Gaulle wollte nicht in die Nato, Chirac nicht den Krieg im Irak mitmachen, empörte Amerikaner benannten die „French Fries“ in „Freedom Fries“ um. Dazu kommen Sprachbarrieren: Am Gare Montparnasse gibt es einen Straßenmusiker, der dort sein Lieblingslied von Paul McCartney vorträgt, ein Lied, in dem sehr oft der Buchstabe H vorkommt, mit dem die französischen Zunge aber hadert, „I will always be / oping, ‚oping / You will always be olding / olding my eart in your and“ singt der Mann zum Amüsement der englischsprachigen Touristen.

Über solche Intonationsbarrieren machte sich Trump neulich lustig, als er Präsident Macron nachäffte. In Wirklichkeit aber sieht er sich in Konkurrenz zu Frankreich. „Das Einzige, was Frankreich hat, ist Geschichte“, sagte Trump einmal. „Wissen Sie, irgendwann werden wir auch diese Geschichte haben“. Weswegen Trump jetzt die Pläne für einen Triumphbogen vorstellte, den er in Washington nach dem Vorbild des Pariser Arc de Triomphe errichten lassen will.

Musk und Zuckerberg träumen von der Größe des alten Roms

Der bezieht sich seinerseits auf Vorbilder aus dem antiken Rom –  und das ist eindeutig der heimliche Sehnsuchtsort der neuen Herrscher von Amerika: Elon Musk ließ sein Rechenzentrum „Colossus“ nennen und sich im Kolosseum fotografieren, wo er auch einen Kampf gegen Mark Zuckerberg plante, der seinerseits mit einem T-Shirt mit der Aufschrift „Aut Zuck aut nihil“ herumläuft, eine Anspielung an den lateinischen Satz „Aut Caesar aut nihil“, was kurz gesagt heißt, dass er sich mindestens als neuen Cäsar sieht; auch die Frisur passt.

Geht es auch bei Trumps Bogen um die Inszenierung von Amerikas Gegenwart als neue Antike? Der Arc de Trump des Präsidenten soll 76 Meter hoch werden, höher als der von Napoleon 1806 zur Erinnerung an ihn und die Schlacht von Austerlitz in Auftrag gegebene, knapp fünfzig Meter hohe Arc de Triomphe in Paris. Und auch deutlich höher als der zur Zeit höchste Triumphbogen der Welt, der in Pjöngjang steht, was dafür spricht, dass die Höhe neuerer Triumphbögen eine Art umgekehrter Demokratieindikator sein könnte.

Auf Trumps Bogen thront eine geflügelte, goldene Siegesgöttin, die von Adlern sekundiert wird. Auf den Modellfotos sehen diese Adler aus einigen Blickwinkeln allerdings wie Fäuste mit emporgerecktem Mittelfinger aus. Wenn das keiner merkt und der Bogen so gebaut werden würde, würden sie für die Erinnerung an eine Zeit stehen, in der es noch Widerstand gegen Trump gab.

Wenn das keiner merkt, und der Bogen so gebaut werden würde, wären sie lesbar als Erinnerung an eine Zeit, in der es noch Kritik am goldenen Präsidenten gab. Doch die wird in der Hauptstadt trotz vereinzelter Proteste immer leiser. Viele konservative Amerikaner fordern seit längerem neue nationale Symbolbauten, zuletzt der Architekturkritiker und New-Urbanism-Anhänger Catesby Leigh, der schrieb, Amerika habe genug von den „geschichtsvergessenen Memes der Woke-Bewegung oder der ästhetischen Kargheit der Architektur-Moderne“; ein Triumphbogen würde Amerika an sein Streben nach Harmonie der Union und an seine historische Größe erinnern.

Trumps Antwort auf die Frage, woran der Bogen mit der goldenen Göttin denn erinnern solle außer an 250 Jahre Unabhängigkeit von Europa, und für wen er errichtet werde, fiel anders und deutlich aus. Sie lautete: „Für mich.” Doch die Geschichte, die Trump mit seinem Bogen beschwören will, gibt auch Kritikern des „Vibe Shift“ Hoffnung –  besonders die französische: Lange bevor der Pariser Triumphbogen fertig war, wurde derjenige, der ihn planen ließ, auf eine sehr abgelegene Insel verbannt.

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