Kultur

Doku „Forest Up in the Mountain“: Ermittlungen in Patagonien | ABC-Z

Kurzzeitig weckten die Bilder von verheerenden Waldbränden aus dem argentinischen Patagonien im Januar 2026 unsere Aufmerksamkeit.

Der Dokumentarfilm „Bosque arriba en la montaña“ (Forest Up in the Mountain) verbindet die Rekonstruktion eines Verbrechens, das sich 2017 am Lago Mascardi in den Wäldern des Nationalparks Nahuel Huapi ereignete, mit den historischen Erfahrungen der Mapuche, der indigenen Bevölkerung im argentinischen Patagonien.

In weißen Schutzanzügen streifen Mitglieder der PFA, der Policia Federal Argentina, auf Spurensuche durchs Unterholz. In der Eingangsszene werden Patronenhülsen und andere Beweisstücke im Wald sichergestellt. Auch einige Zeugen werden von Angehörigen der Justiz am Tatort befragt. Das alles findet inmitten einer unberührt scheinenden Natur statt. Unvermittelt gibt die Kamera den Blick frei auf eine atemberaubende Seenlandschaft mit schneebedecktem Andenpanorama.

Der Film

„Forest Up in the Mountain“:

16. 2., 13 Uhr, Zoo Palast 2

18. 2., 15 Uhr, Cinemaxx 5

Über mehrere Jahre begleitete die Dokumentarfilmerin Sofía Bordenave mit einem Team die schleppenden Ermittlungen und den Prozess gegen fünf Polizisten einer Spezialeinheit wegen des Mordes an Rafael Nahuel. Der zweiundzwanzigjährige Mapuche war bei dem Zusammenstoß mit den Sicherheitskräften nach einem Schuss in den Rücken im Wald gestorben.

Fotografien aus dem Puelmapu

Die Dokumentation der Ermittlung führt Bordenave zusammen mit Gesprächen und historischen Fotografien aus dem Puelmapu, dem argentinischen Territorium der Mapuche. Darin wird deutlich, wie die Folgen der systematischen Vertreibung und die Auslöschung gewachsener Gemeinschaften bis in die Gegenwart hinein wirken.

Mit dem sogenannten „Wüstenkrieg“ hatte das argentinische Militär ab 1878 begonnen, die Urbevölkerung Patagoniens zu unterwerfen. Sie zu vertreiben und zu vernichten, mit dem Ziel der Expansion des argentinischen Staatsgebiets und wirtschaftlichen Erschließung für die Nation.

Lorena Cañuqueo und viele junge Mapuche ihrer Generation wuchsen in Städten wie Bariloche auf, ohne den familiären Hintergrund zu kennen, doch mit Marginalisierung konfrontiert. Über Jugendrevolte und Punk-Musik findet sie Ende der 1990er Jahren einen selbstbewussten Zugang zur Kultur ihrer Vorfahren.

Verlust der ursprünglichen Wälder im Süden Argentiniens

Andere wie Mirta Ñancunao hatten auf dem Land schon in der Kindheit durch die Überlieferungen ihrer 1901 geborenen Mutter von dem sukzessiven Landraub, den verweigerten Eigentumstiteln, der Zwangsarbeit sowie der verlorenen Sprache, dem Mapudungun, gehört.

Vor der Kamera erinnert Mirta Ñancunao daran, wie die intensive Bewirtschaftung der Ländereien durch die eintreffenden Siedler in Patagonien bald zum Verlust der ursprünglichen Wälder im Süden Argentiniens führte. In den 1930 Jahren begann eine industrielle Forstwirtschaft, diese durch Monokulturen mit schnell wachsenden (und brennenden) Kiefern zu ersetzen.

Aus solch unterschiedlichen Quellen, sowie Archivmaterial, Tatortfotos, topografischen Karten, Naturaufnahmen und Bildschirmaufzeichnungen der Gerichtsverhandlung, die online stattfinden musste, formt Sofía Bordenave mutig ihre eigene Filmsprache.

Wirkungsvoll entwickelt sie aus dem spröden Material auch eine Art Analogie zur holprigen Kommunikation im Gerichtsaal. Immer wieder muss die aufgezeichnete Verhandlung unterbrochen werden. Die Internetverbindung funktioniert nicht zuverlässig, Fragen werden von den Angeklagten nicht verstanden, Techniker werden zu Hilfe gerufen.

In der Zwischenzeit wird Kaffee serviert.

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