Doch kein frisches Salzwasser für die Ostsee – Wissen | ABC-Z

67 Zentimeter unter dem langjährigen mittleren Wasserstand lag die Ostsee im Februar, nachdem eine außergewöhnlich anhaltende Ostwindlage gut 275 Kubikkilometer Wasser gen Westen aus dem Meeresbecken gepresst hatte. Ein historischer Tiefstand, so tief war der Pegel seit Beginn der Messungen 1886 noch nie gesunken. Für Ökologen und Meeresbiologen war das eine gute Nachricht: So wäre Platz für frisches und salzhaltiges Wasser aus der Nordsee gewesen. Nur der Wind hätte drehen müssen. Ein paar Wochen starker Westwind hätten genügt, um den biologischen Zustand Ostsee wenigstens zeitweise deutlich zu verbessern. Doch das Wetter hat nicht mitgespielt, das erhoffte Umweltwunder blieb aus.
Bisher sei kein großer Salzwassereinbruch aus der Nord- in die Ostsee erfolgt, teilte das Leibniz-Institut für Ostseeforschung in Warnemünde (IOW) mit. Der Wasserstand in der Ostsee habe sich von minus 67 Zentimeter am 5. Februar auf minus 19 Zentimeter unter dem Mittelwasserstand bis zum 10. März wieder angefüllt. „Das Wasser, das im Wesentlichen für diesen Ausgleich gesorgt hat, ist das ausgeströmte salzarme Ostseewasser mit etwas Vermischung von Wassermassen aus dem Kattegat, das nun zurückgeströmt ist, nachdem der starke Winddruck aus Ost nachgelassen hat“, heißt es vom IOW. Starke, anhaltende Winde aus westlichen Richtungen, die zusätzlich auch größere Mengen Nordseewasser in die Ostsee hätten drücken können, habe es bisher nicht gegeben.
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Das Wasser der Ostsee steht 67 Zentimeter unter seinem normalen Pegelstand, doch Meeresforscher Michael Naumann sieht darin eine große Chance für das Meer. Vorausgesetzt, das Wetter spielt mit.
Obwohl die Anrainerstaaten seit über 30 Jahren den Nährstoffzufluss etwa durch überschüssigen Dünger von den Feldern in die Ostsee stark begrenzt haben, ist der Zustand der Ostsee noch immer schlecht, sagte der IOW-Geograf Michael Naumann im Februar der SZ. Ein Drittel der Ostseefläche sei am Meeresboden nicht mehr für höheres Leben nutzbar, weil dort eigentlich permanent Sauerstoffmangel herrsche. Es werde noch Jahrzehnte dauern, bis diese Überdüngung wieder korrigiert ist. Naumann und seine Kollegen hatten gehofft, dass der Prozess durch einen mächtigen Salzwassereinbruch im Frühjahr beschleunigt würde. Doch dazu kam es auch diesmal bislang nicht.
Laut Mitteilung des IOW weist das bisher zurückgeströmte Wasser nur leicht erhöhte Salzgehalte von 11 bis 13,5 Gramm pro Liter auf. Nordseewasser enthält etwa 33 Gramm Salz je Liter. Im besten Falle wäre salzigeres und sauerstoffreicheres Wasser aus der Nordsee am Grund der Ostsee entlang bis in die hinteren Becken des Binnenmeeres geströmt und hätte Sauerstoff in die tiefen Schichten gebracht. Doch die Dichte der eingeströmten Wassermassen war nicht hoch genug, „sodass sie das Bodenwasser der zentralen Ostsee nicht erreichen und so auch nicht für eine Belüftung der dortigen Sauerstoffmangelgebiete sorgen können“, heißt es vom IOW. Nur im Gebiet zwischen Dänemark und Deutschland sei etwas salzigeres Wasser in die tieferen Schichten gelangt, jedoch wäre es bereits recht sauerstoffarm und könne kaum zur Wiederbelebung dieser Zonen beitragen.
Mit dem aktuell noch niedrigen Wasserstand 19 Zentimeter unter dem langjährigen Mittel sei die Ostsee „immer noch bereit für einen größeren Salzwassereinbruch“, schreibt das IOW. Allerdings sei in den nächsten Tagen die Wetterlage dafür nicht gegeben. „Das stabile Hoch mit Süd- bis Südwestströmung bleibt wetterbestimmend.“ Das immerhin ist verantwortlich für das milde Frühlingswetter in den vergangenen zwei Wochen.





















