Meinungen

Was läuft außer Olympia im Fernsehen? Die besten Filme im Programm am Wochenende – Medien | ABC-Z

Gesellschaftsdrama, Arte, Sonntag, 20.15 Uhr

Selbst im deutschsprachigen Wikipedia-Eintrag zu Robert Altmans Film von 2001 ist der Cast in zwei Gruppen aufgeteilt: in die „Above Stairs“ und die „Below Stairs“. Die Schauspielerinnen und Schauspieler werden also danach sortiert, ob sie eine Figur aus der gesellschaftlichen Oberschicht oder aus der Dienerschaft spielen. Ob ihre Rollen ober- oder unterhalb der Treppe des Herrschaftssitzes Gosford Park angesiedelt sind. Clever an Altmans Sittengemälde ist, dass er es nicht bei einer simplen und damit erwartbaren Gegenüberstellung der beiden Sphären belässt, sondern innerhalb beider Gruppen jeweils dieselben Macht- und Hierarchiestrukturen zeigt. Mögen sich die Herrschaften und das Personal auch in ihren Methoden voneinander unterscheiden, die Mechanismen sind ganz ähnlich. Eine weitere Gemeinsamkeit: Die Besetzung ist oben wie unten fantastisch – Maggie Smith, Michael Gambon, Kristin Scott Thomas, Clive Owen, Helen Mirren, Alan Bates, Emily Watson …

Milk

Drama, ZDF Neo, Samstag, 20.15 Uhr

Gewalt in Amtsgebäuden gibt es in den USA nicht erst seit dem Sturm auf das Kapitol. 1978 wurde im Rathaus von San Francisco der demokratische Stadtrat Harvey Milk erschossen. Milk war sich bewusst, in Gefahr zu sein, denn er hatte ein Jahr vor seinem Tod ein Tonband aufgenommen mit seinem weltanschaulichen Vermächtnis. Dass er zur Zielscheibe für jemanden werden könne, der „innerlich verunsichert, ängstlich oder verwirrt“ ist, wie er darauf festgehalten hat, lag tatsächlich auf der Hand. Denn Milk war ein Aktivist der Schwulenbewegung. Gus Van Sant hat Milks Leben verfilmt, mit einem famosen Sean Penn in der Titelrolle. Es ist auch die Geschichte einer persönlichen Emanzipation – ursprünglich hatte Milk sich angepasst, seine Homosexualität versteckt. Wissend, dass er auch in einer (damals) so liberalen Stadt wie San Francisco nicht sicher ist.

Sicario

Thriller, Pro Sieben, Nacht zu Montag, 1.30 Uhr

An der amerikanisch-mexikanischen Grenze herrscht Krieg. Die Drogenkartelle aus dem Süden bedienen die Nachfrage im Norden, und sie sind dabei extrem skrupellos. Darin stehen ihnen die US-Einheiten, von denen sie bekämpft werden, jedoch in nichts nach. Darum kreist der Film des Regisseurs Denis Villeneuve: wie die Jagd auf Monster die Jäger selbst zu Monstern macht. Emily Blunt spielt eine FBI-Agentin, die gemeinsam mit zwei Kerlen – Josh Brolin, Benicio Del Toro – hinter die feindlichen Linien dringt und in der Grenzstadt El Paso Operationen durchführt. Dabei orientieren sich die älteren Haudegen an eigenen Gesetzen, die alles andere als konform gehen mit dem, was juristisch und moralisch richtig ist. Wie hoch, fragt Villeneuve, darf der Preis für die USA sein für einen Erfolg in diesem Krieg? Davor läuft die in vielfacher Hinsicht entgrenzte Fortsetzung, „Sicario 2“ (Pro Sieben, Sonntag, 23.10 Uhr).

Kehraus

Satire, BR, Samstag, 23.45 Uhr

Eine Chefetage, die ihre Mitarbeiter insgeheim mit Kameras überwachen lässt. Und der Belegschaft kurz darauf – während einer Faschingsfeier – wie nebenbei mitteilt, dass sie gefeuert ist. Der Kunde nicht als König, sondern als Kretin, den es auszubeuten und zu hintergehen gilt. Die alte Bundesrepublik, das München der Achtzigerjahre, erscheint hier nicht gemütlich, auch nicht „Monaco Franze“-jovial – Helmut Dietl hat seine Serie 1983 gedreht, im selben Jahr wie Gerhard Polt seine Satire –, sondern beinhart menschenfeindlich, ausbeuterisch, hinterfotzig im schlechtesten Sinn. Der Gabelstaplerfahrer Ferdinand Weitel lässt sich am Rosenmontag bei einem Haustürgeschäft Versicherungen aufschwatzen, bereut das und versucht am Faschingsdienstag, von seinem Rücktrittsrecht Gebrauch zu machen. Hätte er sich bloß mal gegen die Schamlosigkeiten von Versicherungsgesellschaften versichert.

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