Dinosaurier: Unbekannter Verwandter des T-Rex? Archäologen graben riesigen Schienbeinknochen aus |ABC-Z

Beinahe einen Meter lang ist der Schienbeinknochen, den Forscher in New Mexico gefunden haben. Das Fossil könnte zu einem bislang unbekannten Tyrannosaurier gehören – und mit dem Tyrannosaurus rex verwandt sein.
Ein in den USA entdeckter Schienbeinknochen könnte zu einem Tyrannosaurier gehören, der einen gemeinsamen Vorfahren mit Tyrannosaurus rex hatte. Das Knochenfossil ist 96 Zentimeter lang und hat einen Durchmesser von 12,8 Zentimetern. Die Länge entspricht 84 Prozent des Schienbeinknochens von Sue, dem größten bekannten Tyrannosaurus rex.
Der nun entdeckte Dinosaurier könnte ein Gewicht von 4700 Kilogramm gehabt haben, schreiben Nicholas Longrich von der University of Bath (Großbritannien) und seine Kollegen in der Fachzeitschrift „Scientific Reports“.
Die Tyrannosaurier gehörten zu den letzten und größten Raubsauriern, schreiben die Studienautoren. Fossilien dieser Familie der Theropoden wurden in Asien und Nordamerika gefunden. Das jetzt beschriebene Fossil haben Wissenschaftler in der Hunter-Wash-Unterformation der Kirtland-Formation in New Mexico entdeckt, weshalb Longrich und Kollegen den zugehörigen Saurier Hunter-Wash-Tyrannosaurier nennen. Die Unterformation ist rund 74 Millionen Jahre alt, sodass dieser Dinosaurier mehrere Millionen Jahre früher lebte als Tyrannosaurus rex, dessen Fossilien 66 bis 68 Millionen Jahre alt sind.
Das Team um Longrich prüfte drei Hypothesen, wie das Fossil stammesgeschichtlich einzuordnen sein könnte. Eine Möglichkeit wäre, dass es sich um ein besonders großes und schweres Exemplar des Bistahieversor handelt; die Knochen dieses Raubsauriers wurden in derselben Formation gefunden. Doch mehrere Merkmale stimmen nicht mit Knochen des Bistahieversors überein. Zudem war das berechnete Gewicht von Bistahieversor nur etwa halb so groß wie das des Hunter-Wash-Tyrannosauriers.
Eine weitere Möglichkeit wäre, dass der Hunter-Wash-Tyrannosaurier zu einer Linie der Tyrannosaurier gehört, die unabhängig von bekannten Vertretern der Tyrannosaurier eine enorme Größe erreicht hat. Doch die gefundenen Merkmale weisen den Studienautoren zufolge eher auf die dritte und wahrscheinlichste Möglichkeit hin, dass der Hunter-Wash-Tyrannosaurier zu den sogenannten Tyrannosaurini gehört. Diese Gruppe der Tyrannosaurier umfasst die Gattungen Tarbosaurus, Zhuchengtyrannus und Tyrannosaurus.
Die Forscher tendieren dabei zur letztgenannten Gattung: „Mindestens vier abgeleitete Merkmale – das robuste Schienbein, den geraden Schaft, die dreieckige distale Schafterweiterung und die insgesamt große Körpergröße – teilt das Tier mit Tyrannosaurus“, schreiben sie. Um eventuell einmal eine eigene Art zu beschreiben, müssten vermutlich weitere Fossilien des Hunter-Wash-Tyrannosauriers gefunden werden.
Wo sich die Tyrannosaurini entwickelt haben, darüber gibt es bisher nur konkurrierende Theorien: Während manche Modelle ihre Ursprünge in Asien vermuten, legen andere eine Herkunft aus dem heutigen Nordamerika nahe. Diese Studie zeige, dass diejenigen Modelle, die den Ursprung in Asien sehen, diesen Fund des Schienbeinknochens eines großen, hoch entwickelten Tyrannosauriers in New Mexico erklären müssten, schreiben Longrich und Kollegen mit Verweis auf das Alter des Knochens. Sie sehen den Ursprung der Tyrannosaurini eher in Nordamerika.
Stefan Parsch, dpa/ly





















