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Diktatoren-Mode: Maduro schafft erhöhte Nachfrage für Trainingsanzug – Wirtschaft | ABC-Z

Diktatoren und Mode, das ist so eine Sache. Mao Zedong trug stets einen Arbeiteranzug, bevorzugt in Grau oder Beige. Kim Jong-un, der Herrscher aus Nordkorea, präsentiert sich gerne im Leder-Trenchcoat. Der ehemalige libysche Diktator Gaddafi wiederum zeigte sich mit extravaganten Sonnenbrillen, dazu ein Kleidungsstil, irgendwo zwischen Guerilla und Glamour angesiedelt. Und der venezolanische Noch-Diktator Nicolás Maduro, der jetzt in einem New Yorker Gefängnis einsitzt?

Nun, er trägt einen Jogginganzug der Marke Nike.

Das zeigt ein Foto seiner Festnahme, das US-Präsident Donald Trump via Truth Social veröffentlichte: Maduro mit Handschellen, einer Brille und einem grauen Trainingsanzug des Sportherstellers Nike, ausgerechnet einer US-amerikanischen Firma. Das Outfit ging in den sozialen Medien viral, auf Google schossen die Suchanfragen nach dem Nike-Anzug nach oben, mehrere Größen, vor allem aber die Madurogröße in XXL (ja, er ist ein großer Mann) waren anscheinend ausverkauft. Einige Nutzer witzelten daraufhin, dass Nike der wahre Profiteur des US-Einsatzes in Venezuela sein könnte.

So gesehen war Maduro seinem Stil eigentlich immer treu geblieben. Schon im November vergangenen Jahres sah man ihn tanzend in einer Trainingsjacke, bei einer Militärparade trug er dann eine Trainingsjacke in den Nationalfarben Venezuelas. Und nun also: der Nike-Anzug.

Eine Frage des Stils? Oder nicht doch eher eine besonders subversive Form von Konsumkritik?

Ein sozialistischer Autokrat im Jogginganzug einer amerikanischen Firma, eine Internetgemeinde, die sich den Athleisure-Look dieses Mannes zum Stilvorbild macht – das alles wirft natürlich Fragen auf. Vielleicht ist es ja so, dass die Diktatoren dieser Welt längst ihre eigene popkulturelle Symbolik entwickelt haben – und damit verlässlich auch Kanäle wie Tiktok, X oder Instagram belustigen. Frei nach der Theorie des kanadischen Medienwissenschaftlers Marshall McLuhan, der ja meinte: „Das Medium ist die Botschaft.“

Warum aber will nun jemand das Outfit eines verhafteten Diktators tragen? Eine Frage des Stils, des Modebewusstseins? Oder doch eher eine subversive Form von Konsumkritik? Oder ist alles – schließlich wird es ja durch die sozialen Medien erst zu einem Hype – im Grunde völlig sinnfrei?

Früher wurde ja noch aus Überzeugung nachgeeifert. Nach dem Motto: Wenn man so aussehe wie sie, dann komme der Erfolg schon. Michelle Obama trug ein neues Kleid? Nach kurzer Zeit war es meistens ausverkauft. „Michelle-Effekt“ wurde dieses Phänomen genannt. David Yermack von der New York University stellte damals fest: Ein einzelner Auftritt der damaligen First Lady brachte einer Firma etwa 14 Millionen US-Dollar ein. Nun gibt es natürlich noch immer demokratische Stilikonen. Aber Diktatoren in Jogginghosen? Das ist neu.

Wobei es schon einmal einen bekannten marxistischen Revolutionär aus Kuba gab, der erst gegen Ende seiner Karriere zum Trainingsanzug fand: Fidel Castro zeigte sich fortan fast ausschließlich in dem Kleidungsstück, am liebsten mit den drei Streifen von Adidas. Die Firma hatte über lange Zeit die kubanische Olympia-Mannschaft ausgerüstet, aus dessen Fundus sich Castro wohl bedient hatte. Diese Hypothese stellte Adidas selbst damals in den Raum. Nike äußerte sich bisher nicht zu Maduros Kleiderwahl. Sicher ist sicher, klar.

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