Dießen: Neues Keramik-Atelier in früherer Metzgerei – Starnberg | ABC-Z

Die Wände sind neu verputzt, in den Regalen werden schon Unikate aus Ton und Porzellan präsentiert. Seit Anfang Oktober renovieren Romina Ried und ihr Atelierpartner Matthias Gronauer das Ladenlokal neben dem denkmalgeschützten Rathaus mitten in Dießen. Kleine und größere Kunstwerke aus Ton und Porzellan sowie ästhetische Gebrauchskeramik wie Teekannen oder Schalen werden die beiden in dem 66 Quadratmeter großen Ladenlokal auch herstellen.
In einem Eck haben sie das Mauerwerk aus Ziegeln und Tuffsteinen, die im 17. Jahrhundert ein beliebter lokaler Baustoff waren, sichtbar gelassen. Vorgesehen ist, dass sie an drei Drehscheiben arbeiten, zwei davon im hinteren Raum, der als Werkstatt fungiert. Durch die Schaufenster beim Arbeiten zuzusehen, ist dabei durchaus erwünscht. Denn die Sichtbarkeit hat Künstlerin Ried bisher gefehlt, weshalb die Räume für sie ideal sind.
Das Haus hat eine lange Geschichte. Von einer früheren Nutzung als Metzgerei zeugen noch die weißen Fliesen an der Wand im Nebenraum, aber bekannt ist die Lokalität vor allem durch den Trödelladen „Krempels“, der bis Ende 2022 fast zwanzig Jahre von Antiquitäten bis zu Flohmarktartikeln alles Mögliche anbot. Eigentümerin des Hauses ist die Marktgemeinde Dießen, die eigentlich im Anschluss plante, dort Büros einzurichten, um die Raumnot im Rathaus zu lindern.
Dieser Plan wurde laut Petra Freund, Pressesprecherin der Marktgemeinde, nicht vollends aufgegeben. Im Zuge der Haushaltsaufstellung sei diese Planung in der Priorisierung aber nach hinten gerutscht. Deshalb habe sich die Kommune dafür entschieden, das „attraktive Mietobjekt“ längere Zeit zu vergeben. Zwischendurch wurde das Ladenlokal als Pop-up-Store für jeweils einen Monat vermietet. Keramikkünstlerin Ried wurde so auf den Laden aufmerksam, denn sie war bereits zweimal zu Gast im Pop-up-Store, einmal mit einer Gruppe und im Februar 2025 allein. Passanten konnten ihr auch damals schon beim Arbeiten an der Töpferscheibe zusehen.
Dabei reifte der Plan, dort ein Atelier zu eröffnen. Denn seit sie vor zwei Jahren zu ihrem Lebensgefährten nach Dießen gezogen ist, war sie auf der Suche nach geeigneten Räumen. Lange erfolglos, daher wich sie zum Arbeiten auf den Dachboden aus, ging mit ihren Unikaten auf Messen und wurde Gastausstellerin im Pavillon der Arbeitsgemeinschaft Diessener Kunst (ADK). Ihren Atelierpartner Gronauer hat sie bei der Arbeit für eine Töpferei im Ort kennengelernt, wo beide aushalfen.
„Wir haben künstlerisch zusammengefunden“, sagt Ried. Denn beide sind Keramikkünstler. Ried hat einen Abschluss als Diplom-Keramikerin. Die 29-Jährige wuchs auf einem Bauernhof in der Nähe von Kempten auf, machte in Marktoberdorf Abitur. Statt ihren Kindheitswunsch Tierärztin zu verwirklichen, begann sie eine künstlerische Karriere. Zunächst besuchte sie die Berufsfachschule für Holzbildhauerei in Oberammergau. Nach dem Abschluss entschied Ried sich für den Werkstoff Keramik und absolvierte ein Studium an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. Anschließend arbeitete sie freischaffend.

Mit einer Serie von vier Skulpturen, bei der sie sich italienische Felsformationen zum Vorbild nahm, wurde Ried im Februar 2025 auf der internationalen Handwerksmesse im Rahmen der Sonderschau „Talente“ mit dem bayerischen Staatspreis für Gestaltung ausgezeichnet. Diese Skulpturen sind gedreht und anmontiert, sodass die Struktur zerklüfteten Felsen ähneln. Bei anderen gestaltet sie die Form gedrehter Gefäße, beispielsweise bei Vasen, zu denen sie Pilze inspirierten. „Etwas mit Substanz“, Bäume und Felsen, ziehen Ried an. Die Zutaten für ihre Asche-Glasuren sammelt sie in der Natur. Dabei bewegt sie sich hauptsächlich im Farbspektrum „irgendwo zwischen Grün und Braun“.
Mit Zusätzen wie Metalloxiden ist sie zurückhaltend, während Gronauer bei seinen Ascheglasuren damit experimentiert. Einen Unterschied macht es auch, ob die Glasuren in einem Elektro- oder einem Gasofen gebrannt werden. So kann ein und dieselbe Glasur nach dem Brennen blau-grün oder rot-schwarz verlaufen. „Ein schönes Experimentierfeld“, sagt Ried über die Herstellung der farbigen Glasuren. Die Brände im Gasofen machen sie entweder bei Gronauer daheim in seiner Werkstatt in Fischen oder in Rieds Heimat im Allgäu.
Gronauer ist im Dießener Ortsteil Bierdorf aufgewachsen und studierte an der Kunsthochschule Kassel. Er arbeitet auch als Schauspieler. Seine Arbeiten wirken durch eine klare Form und die Farbgebung. „Im Ladenregal, wo Formpurismus und wilde Strukturen aufeinandertreffen, unterstreicht die eine Arbeitsweise die andere“, sagen die Atelierpartner zu ihrem Angebot. Das verbindende Element, Asche, stand als altdeutscher Begriff „Aska“ nun Pate bei der Namensgebung.
Das Keramikatelier Aska in der Prinz-Ludwig-Straße 2 in Dießen ist donnerstags und freitags von 9 bis 12 Uhr sowie von 14 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 16 Uhr sowie nach Vereinbarung geöffnet. Kontakt: Mail aska-diessen@web.de





















