“Die Steuer macht jetzt das Amt”: Pilotprojekt beginnt | ABC-Z

AUDIO: “Die Steuer macht jetzt das Amt”: Pilotprojekt beginnt (1 Min)
Stand: 09.04.2026 17:36 Uhr
Eine Steuererklärung zu machen, gehört nicht zu den beliebtesten Aufgaben. Einige Menschen in Norddeutschland bekommen jetzt durch ein Pilotprojekt die Möglichkeit, sie das Finanzamt machen zu lassen.
In Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und Schleswig-Holstein könnten künftig rund 85.000 Menschen ihre Steuererklärung vom Amt erledigen lassen, statt sie selbst zu machen. Hintergrund ist das Pilotprojekt “Ihre Steuer: Macht jetzt das Finanzamt für Sie!”, das auch in Thüringen und Hessen läuft.
Vorschlag vom Finanzamt
Mit den Daten, die in den Finanzämtern ohnehin vorliegen, machen diese künftig einen Vorschlag für einen Steuerbescheid. Die Steuerpflichtigen müssen den nur noch prüfen und können zustimmen. Die Menschen, die für dieses Verfahren in Fragen kommen, werden darüber laut Finanzministerium in den kommenden Wochen per Post informiert.
Eigene Steuererklärung weiter möglich
Es sind die für das Finanzamt einfachen Fälle wie Angestellte und Rentner. Wer dagegen beispielsweise selbstständig arbeitet oder Einkünfte aus Kapitalvermögen hat, ist nicht dabei. Die Teilnahme ist freiwillig. Wer also seine Steuererklärung lieber selber macht, kann das auch weiterhin tun.
Vereinfachung gewünscht
Es gehe darum, die Verfahren deutlich zu vereinfachen, die Verwaltung solle bürgernah und serviceorientiert arbeiten, so Mecklenburg-Vorpommerns Finanzminister Heiko Geue (SPD). Auch Schleswig-Holsteins Finanzministerin Silke Schneider (Grüne) lobte die “spürbare Erleichterung”. Einen Stellenabbau in den Finanzämtern solle es nicht geben.
Keine flächendeckende Testung in Hamburg
In Hamburg gibt es Kritik an dem Projekt, das laut CDU-Bürgerschaftsfraktion nur halbherzig in der Hansestadt umgesetzt wird, da sich zunächst nur das Finanzamt Hamburg-Ost beteiligt. Menschen, die im Einzugsgebiet anderer Hamburger Finanzämter leben, sollen das Angebot vom nächsten Jahr an nutzen können, wie Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) mitteilte.
Steuerzahler muss aktiv bleiben
Der Bund der Steuerzahler begrüßt das Projekt grundsätzlich, weist jedoch auch auf Risiken hin. So bestehe die Gefahr, dass Steuerzahler die Angaben des Finanzamts nicht prüften und etwa steuermindernde Ausgaben nicht angeben würden. Wer nicht aktiv nachbessere, verschenke bares Geld. Bequemlichkeit könne schnell teuer werden, so Sascha Mummenhoff, der in Mecklenburg-Vorpommern die Geschäfte des Bundes führt und in Hamburg Landesvorsitzender ist.























