Die Elfenbeinküste überzeugt beim Afrika-Cup mit starker Defensive | ABC-Z

Bei der WM 2026 wird das deutsche Nationalteam in der Gruppenphase auf die Elfenbeinküste treffen. Aktuell sind die Ivorer beim Afrika-Cup gefordert. Und präsentieren eine ganz spezielle Stärke.
Wie stark ist die Elfenbeinküste? Das Team der Ivorer befindet sich zum Härtetest aktuell in Marokko, spielt dort um den Afrika-Cup. Man darf sicher sein: Auch die Vertreter der deutschen Nationalmannschaft werden ganz genau hinschauen. Die Westafrikaner werden bei der WM 2026 einer der drei deutschen Gruppengegner sein.
Wie gut das Team der Elfenbeinküste aber wirklich ist, wird sich beim Afrika-Cup womöglich erst in den kommenden Tagen herausstellen, wenn die K.o.-Runde beginnt. Denn in der Gruppenphase, bei der sich 16 von 24 Mannschaften für das Achtelfinale qualifizierten, wurde das Team kaum ernsthaft gefordert. Nach einem 1:0 zum Auftakt gegen Mosambik trennte man sich in einem hochklassigen Match mit 1:1 von Kamerun. Damit waren die Ivorer schon sicher in der K.o.-Runde. Das letzte Gruppenspiel (3:2 gegen Gabun) bestritten sie daher mit einer B-Mannschaft, schonten einen Großteil ihrer Stammspieler.
Die Mannschaft ist der Star
Die kurz vor dem Afrika-Cup abgeschlossene WM-Qualifikation beendeten die Ivorer ohne einziges Gegentor. In zehn Spielen gelangen acht Siege. Das Torverhältnis: 25:0. Es war immer so: Die Mannschaft stand defensiv sicher, schloss irgendwann einen der spärlich vorgetragenen Angriffe erfolgreich ab und brachte den Sieg schließlich souverän über die Zeit.
Dabei kann sich das Team aus Westafrika vor allen Dingen auf eines verlassen: die mannschaftliche Geschlossenheit. Ein Prinzip, das Trainer Emerse Faé vor alles andere stellt. Auch vor außergewöhnliches Talent. So kostete Nicolas Pepé, der im spanischen Villarreal gerade große Leistungen zeigt, ein kritischer Kommentar gegenüber Teamkollegen die Teilnahme am Afrika-Cup. Der 30 Jahre alte Offensivmann hatte im Vorfeld jene Spieler kritisiert, die in jungen Jahren für Frankreich spielten, um später ins Trikot der Elfenbeinküste zu wechseln. Wie das auch einige Nationalspieler der “Elefanten” gemacht haben. Und im Übrigen einst auch Trainer Faé. “Hätten wir nur auf den sportlichen Aspekt geschaut, wäre er dabei gewesen”, sagte Faé über Pepé, doch er erklärte: “Zu einer Nominierung gehören auch die Dinge neben dem Platz.”
Emerse Faé – über Umwege auf den Cheftrainer-Posten
Der 41 Jahre alte Coach der Ivorer hat sich im kürzester Zeit ein enormes Profil verschafft. Es ist ihm gelungen, aus einem Team der eher Namenlosen eine funktionierende Einheit zu formen, die komplett loyal und geschlossen auftritt. Lange vorbei sind die Zeiten in der Elfenbeinküste, als das Nationalteam von einer Führungspersönlichkeit wie Didier Drogba komplett abhängig war. War die Lichtgestalt Drogba gut drauf, siegte die Elfenbeinküste – so war das.
Heute spielt da ein eingeschworener Haufen. Den hat Faé aufgebaut. Dabei war der Posten des Nationaltrainers für den einst beim FC Nantes als zentraler Mittelfeldspieler auftrumpfenden Ex-Nationalspieler eigentlich gar nicht vorgesehen. Zum Afrika-Cup 2024, der in der Heimat der “Elefanten” stattfand, war er als Co-Trainer des Franzosen Jean-Louis Gasset engagiert worden. Als das Team dann aber vor heimischem Publikum in der Vorrunde ein desaströses 0:4 gegen Äquatorialguinea kassierte, wurde Gasset kurzerhand gefeuert.
Afrika-Cup 2024 – die Geburt einer großen Mannschaft
Faé übernahm, holte sich von der Pressetribüne den als TV-Experten agierenden ehemaligen Bundesliga-Profi Guy Demel als Assistenten und schaffte ein sportliches Wunder: Er dirigierte das Team nicht nur so gerade eben noch in die K.o.-Phase, sondern schob die Mannschaft um den erfahrenen Franck Kessie anschließend auf eine Woge des Erfolgs. Die Orangenen steigerten sich von Match zu Match und hielten am Ende in Abidjan vor der freudetrunkenen Anhängerschaft den Siegerpokal in den Händen.
Die Suche nach den Schlüsselspielern im Team fällt nicht leicht. Einen echten Superstar wie Nigeria mit Osimhen, Senegal mit Mané, Ägypten mit Salah oder Marokko mit Hakimi hat die Elfenbeinküste nicht. Sie kommt über die mannschaftliche Geschlossenheit. Wobei die Abwehrstärke zentral ist. Angefangen beim Torhüter, wo die Ivorer mit dem in Frankreich geborenen Yahia Fofana endlich einen richtig starken Nachfolger des über Jahre mit Legendenstatus versehenen Boubacar Barry gefunden haben. Fofana, der im türkischen Rizespor als Stammkeeper unterwegs ist, wechselte 2023 die Nationalität und gefällt seither als solider, sehr selbstbewusster Keeper, auf den sich die Vorderleute verlassen können.
Die Abwehr ist der Hit
Das Prunkstück steht davor. Faé hat gleich vier erstklassige Innenverteidiger zur Verfügung, die allesamt wichtige Rollen in großen europäischen Klubs spielen. Mit dem Ex-Frankfurter Evan Ndicka vom AS Rom und Bergamos Odilon Kossounou – einst Bayer Leverkusen – haben sich für den Afrika-Cup zwei ehemalige Bundesligaspieler die Startelf gesichert. Dahinter lauern aber mit Ousmane Diomandé von Sporting Lissabon und Emmanuel Agbadou (Wolverhampton) zwei junge Leute, die auf allerhöchstes europäisches Klublevel verweisen können. Es ist ein Quartett, das in Afrika unerreicht ist – die Konkurrenz schaut da nur neidisch zu.
Im Mittelfeld ist der langjährige Milan-Profi Franck Kessie als Kapitän gesetzt. Der 29-Jährige, der heute für Saudi-Klub Al Ahli spielt, gibt nach wie vor das Tempo und den Rhythmus der Mannschaft vor. An seiner Seite hatte er in den vergangenen Monaten meist den ebenfalls erfahrenen Seko Fofana von Stade Rennes als Unterstützung, der 30-Jährige musste zu Beginn des Afrika-Cups aber dem groß gewachsenen Ibrahim Sangaré von Nottingham Forest weichen.
Es fehlt ein Mittelstürmer
Dieser Defensivblock ist das Prunkstück der Ivorer, deren Probleme weiter vorn liegen. Mit dem Ex-Dortmunder Sébastien Haller ist der einzige Mittelstürmer von internationalem Format verletzt spielunfähig, hier muss Faé improvisieren. Daher ist er froh, dass sich zuletzt der junge Leipziger Yan Diomande in den Vordergrund gespielt hat. Der 19 Jahre alte schnelle Dribbler absolvierte erst im Oktober sein erstes Länderspiel, doch er hat sich in kürzester Zeit zum Offensiv-Hoffnungsträger auf der linken Außenbahn gemausert. Rechts könnte spätestens bei der WM mit dem Hoffenheimer Bazoumana Touré der nächste Bundesligaspieler im Team der Ivorer auftauchen, zuletzt traf er beim Afrika-Cup in der Nachspielzeit zum 3:2 gegen Gabun.
In der hochklassigen Partie gegen Kamerun – das Unentschieden hinterließ beiden eine ausgezeichnete Position für den Einzug ins Turnier-Achtelfinale – zeigten die Ivorer echte Schwächen im Spiel nach vorn. Gegen den extrem griffig spielenden und zweikampfstarken Gegner ließen sich die Orangenen regelrecht einschüchtern und verloren zwischenzeitlich völlig die Spielkontrolle. Für das Remis brauchten sie am Ende ein klein wenig Spielglück – was aber ja durchaus auch als Zeichen eines starken Teams gewertet werden kann.
Im Achtelfinale des Afrika-Cups können die Ivorer am kommenden Dienstag (06.01., 20.00 Uhr) zeigen, ob es in diesem Jahr wieder für den Titel reicht. Dann geht es gegen Burkina Faso mit dem Leverkusener Edmond Tapsoba.






















